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10.12.2017, 14:33 Uhr KOMMENTAR

Förderschule in Melle ist ein Muss

Ein Kommentar von Kirsten Muck


Erzieherin Kristina Hasenohr gibt einem Schüler Hilfestellung in der Küche der Trainingswohnung der Wiehengebirgsschule in Melle. Foto: David EbenerErzieherin Kristina Hasenohr gibt einem Schüler Hilfestellung in der Küche der Trainingswohnung der Wiehengebirgsschule in Melle. Foto: David Ebener

Melle. Förderschulen wie die Wiehengebirgsschule wurden mit der Einführung der Inklusion von vielen Politikern schon als Auslaufmodelle betrachtet. Dabei werden diese Schulen immer wichtiger – vor allem in einer Welt, die immer unübersichtlicher und komplexer wird, und die zum Teil schon Schüler ohne Behinderung überfordert. Deshalb gehören diese Schulen nicht zur Kür im deutschen Bildungssystem, sondern zur Pflicht, meint unsere Kommentatorin.

Wie wichtig Förderschulen in der deutschen Bildungslandschaft sind, begreifen die meisten Menschen erst, wenn sie eine solche Schule besucht haben. Deswegen sollte jeder Politiker, der auch nur ansatzweise darüber nachdenkt, diese Schulen infrage zu stellen, dort einmal ein Tagespraktikum absolvieren. Was die Lehrer, Erzieher und Therapeuten an der Wiehengebirgsschule leisten, kann keine Regelschule der Welt auf die Beine stellen. Dazu fehlen den Regelschulen schlichtweg das Personal und das Know-how. Und selbst mit Abordnungen von Förderschullehrern an Regelschulen ist die Inklusion von Kindern mit geistigen Behinderungen oder Lernbehinderungen nicht zu schaffen. Denn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und am Arbeitsleben hängt von den Fähigkeiten ab, die die Schüler in ihrer Schulzeit lernen. Um diese Schüler bestmöglich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten, braucht es mehr als ein paar Stunden zusätzliche Förderung, wie sie die Inklusionskinder an den Regelschulen erhalten. Deshalb sind Förderschulen heute mehr denn je ein Muss als ein Kann in der Schullandschaft.


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