Eine Lesung wie ein Film Literabuer: Spannende Reise durch das Leben zweier Menschen

Von Sdo Sanders

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Eine Lesung wie ein Film: Renate Ahrens las aus ihrem Buch „Alles was folgte“. Fotomontage: Rolf Linge/Udo SandersEine Lesung wie ein Film: Renate Ahrens las aus ihrem Buch „Alles was folgte“. Fotomontage: Rolf Linge/Udo Sanders

Buer. Der zweite Tag der 4. LiteraBuer wurde von der Erfolgsautorin Renate Ahrens als spannende Reise durch das Leben zweier Menschen inszeniert, die nicht ahnen, wie nahe sie einander sind.

„Inszenieren“ ist das treffende Wort für die Lesung für die aus Herford stammende und in Dublin lebende Autorin Renate Ahrens. Sie las aus ihrem im Sommer im Droemer-Knaur-Verlag erschienenem Buch: „Alles was folgte – Eine deutsche Familiengeschichte zwischen Zweitem Weltkrieg und Mauerfall.“

Junge Liebe vom Krieg zerstört

Mit dem Fall der Mauer gerät auch das Leben der 44-jährigen Hamburgerin Katharina Elbracht ins Wanken. Sie erhält ein Bündel Briefe aus Ostberlin, aus denen hervorgeht, dass die Frau, die sie ihr Leben lang „Mutter“ genannt hat, in Wahrheit ihre Tante war. Zutiefst erschüttert beginnt Katharina die Geschichte ihrer Familie zu enthüllen. Dabei stößt sie auf eine junge Liebe, die der Krieg zerstört hat, auf zwei Schwestern, die durch die Mauer getrennt wurden, und auf die Spur ihres Vaters, der seit 1945 als verschollen galt.

In diese Geschichte nahm Renate Ahrens die Zuhörer in der katholischen St.-Marien-Kirche in Buer auf eine derart intensive Art und Weise mit, dass, so drückte es danach Bernd Thye vom veranstaltenden Verein ARTig aus, man das Gefühl hatte, einen wirklichen Film zu sehen, mit toller Kameraführung und gekonnt geschnitten. Die Besetzung der einzelnen Rollen fand im Kopf der gebannt Lauschenden statt, die Handlung trieb die Lesende voran auf einem Spannungsbogen, der das Mitkommen nicht immer leicht machte.

Nicht jedem Autor ist auch die Kunst des guten (Vor-)Lesens gegeben, Renate Ahrens hat sie auf einem hohen Niveau zelebriert. Was diesen zweiten Abend der LiteraBuer für das Publikum darüber hinaus zu einem Erlebnis machte, war der lange und ausführliche Dialog nach der eigentlichen Lesung, in der Renate Ahrens – natürlich – das Ende ihrer Erzählung offen gelassen hatte und das sie auch jetzt nicht verraten wollte. Aber, sie hat viel verraten über die Arbeit der Autorin, über eine teilweise auch mühevolle Recherche.

Realistische Schauplätze

Die Schauplätze und Orte, an denen sie die Personen in ihrem Roman handeln und leben lässt, sind ihr vertraut und machen die Geschichte unglaublich realistisch. Mit „Alles, was folgte“ ist Ahrens eine großartige Erzählung gelungen, die noch einmal einen neuen, intensiven und differenzierten Blick auf eine dunkle Zeit deutscher Geschichte wirft. Nicht zuletzt deshalb, weil sie es verstanden hat, in diese Zeit hinein auch das Licht zu setzen, ohne das eine Beleuchtung nicht möglich wäre.

Der zweite Abend der LiteraBuer war für alle Beteiligten ein wirklich tolles Erlebnis, der allerdings ohne „Gute-Nacht-Geschichte“ zu Ende ging, nicht ohne, dass sich Heide Linge vom Veranstalter ARTig e.V. auch im Namen ihrer Mitstreiter für die Gastfreundschaft in der St.-Marien-Kirche bedankte.


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