Lesen und Mahnen Volker Issmer eröffnet die Literabuer im Heimathaus Melle-Buer

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Der Osnabrücker Historiker und Autor Volker Issmer las seine Geschichten zum Gendenken an die Judenverfolgung. Foto: Conny RutschDer Osnabrücker Historiker und Autor Volker Issmer las seine Geschichten zum Gendenken an die Judenverfolgung. Foto: Conny Rutsch

cru Buer. Er möchte mahnen und dokumentieren, und das auf erzählerische Weise. Volker Issmer, der Historiker und Schriftsteller aus Osnabrück eröffnete am Donnerstagabend die vierte Literabuer im Bueraner Heimathaus.

Er setzt sich mit dem Nationalsozialismus und der Verfolgung der Juden auseinander, er promovierte über das Arbeitserziehungslager in Ohrbeck, und er schreibt Geschichten, die die Vergangenheit nicht vergessen machen.

Kleine Situationen

Volker Issmer las aus dem dritten Band seiner Reihe „Fremde Zeit – Unsere Zeit“ drei Erzählungen. Poetisch kommen sie daher, erzählen von Kindern, von Jugendlichen. Der eine schreibt Rapgedichte, der andere wünscht sich sehnlichst ein Lexikon, und ein Grundschüler wird zu einem Schulfest eingeladen. Volker Issmer beschreibt zunächst immer kleine Situationen, die zu Lebensausschnitten werden, die alle vor der deutschen Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus verankert sind und bis in die Gegenwart reichen.

Da ist Helmut, dessen Vater politischer Leiter der NSDAP geworden ist. Der Junge war mit Karl, einem jüdischen Jungen, befreundet und wendet sich unter dem Einfluss der Hitlerjugend von ihm ab. Aufgehängt ist die Geschichte an einem Lexikon, das Helmut der Familie abkauft und am Tag der Reichskristallnacht abholt und seinen ehemaligen Schulfreund nach Jahren in der von den Nazis zerstörten Wohnung wieder trifft. Eindringlich erzählt Volker Issmer den Sinneswandel Helmuts gegenüber der jüdischen Familie, die ihn früher mal sehr fasziniert hatte. Nun besitzt er die Bücher, die er als „Beute des Siegers und Weg zum Erfolg“ betrachtet.

Und da ist die Geschichte eines Rappers, der mit seinen Gedichten die „Lügen der Geschichtsbücher moniert“, wie er sagt. Diese, wie alle anderen Erzählungen Volker Issmers, basieren auf Tatsachen. Der Musiker ist tatsächlich wegen Volksverhetzung vom Landgericht Osnabrück verurteilt worden.

Erinnerungen älterer Menschen

Am Beispiel des kleinen David, der von einem Freund zu dessen Schulfest eingeladen wird, zeigt Volker Issmer auf, das auch heute das jüdische Leben mitunter noch unter besonderen Umständen stattfindet. Der kleine David genießt das Essen, die Spiele mit den anderen Kindern und fragt am Ende des Tages seine Mutter, warum denn kein Polizeiauto vor der Schule stehe, wie er es von seiner jüdischen Schule kennt.

Volker Issmer gedenkt mit seinen Geschichten der Verfolgung der Juden. Er bekommt Erinnerungen von älteren Menschen geschenkt, er verflicht Zeitungsmeldungen mit seiner Fantasie. Heraus kommen kleine Erzählungen, unspektakulär und am Ende immer ergreifend. Bernd Thye vom die Lesereihe Literabuer veranstaltenden Verein Artig drückte es für alle aus: „Ich werde sehr nachdenklich nach Hause gehen.“ Eine kleine Schar Zuhörer kam nach der Lesung mit dem Osnabrücker Autor ins Gespräch. Und er, den die Wandlung des Menschen in totalitären Systemen besonders interessiert, betonte zum Schluss: „Die Demokratie und der Rechtsstaat sind heilige Güter, die wir erhalten müssen.“


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