Mobiler Stall für Bio-Hennen Hühner-Express rollt in Melle von Wiese zu Wiese



Buer. 222 Hühner und drei Hähne auf dem Hof Brinkmeyer in Buer-Sehlingdorf finden ganzjährig immer frisches Grün. Denn wenn die kahl gekratzten Stellen Überhand nehmen, dann fahren die Landwirte Carl-Philipp und Therese Brinkmeyer den Stall auf Rädern auf eine andere Wiese, wo wieder frisches Kleegras auf die Bio-Hennen wartet.

Ernährungsbewusste Freunde von Bio-Produkten sind überzeugt, dass die Eier besser schmecken und gesünder sind, wenn die Hühner neben Körnern und Kraftfutter auch Grünzeug fressen. „Durch den regelmäßigen Standortwechsel verteilen wir den den Hühnerkot gleichmäßiger – das schont den Boden und das Grundwasser“, erklärt Therese Brinkmeyer (27) zusätzliche Umwelt-Vorteile der mobilen Hühnerhaltung. „Außerdem nimmt der Parasiten-Druck deutlich ab“, ergänzt Carl-Philipp Brinkmeyer vor dem Hintergrund des Fipronil-Skandals. Statt Desinfektionsmitteln zur Milben-Bekämpfung bieten Biobauern ihren Hühnern Staubbäder mit feinem Gesteinsmehl an.

Stalldach mit Solarzellen

Für ihre Hühner benötigen die Junglandwirte im Jahreslauf einen Hektar Kleegraswiesen. Der fahrbare Hühnerstall bietet Platz für 225 Hühner. Die Eier können von Außen aus den mit Dinkelspreu gefüllten Legenestern entnommen werden. Strom für Licht und Frischwasserzufuhr erzeugen Solarzellen auf dem Stalldach. Die umweltfreundlich produzierten Bio-Eier verkaufen die Öko-Landwirte für 42 Cent pro Ei auf dem Hof an der Osnabrücker Straße 33.

Die Eier vom Hof Brinkmeyer sind vom Biokreis bereits als Bio-Eier anerkannt, da sich die wechselnden Hühnerweiden alle auf schon lange extensiv bewirtschaftetem Grünland befinden. Die Ackerbausparte des Hofes befindet sich zur Zeit noch in Umstellung auf den Ökolandbau.

Backweizen und Braugerste

Mais, Triticale, Ackerbohnen, Weizen, Sommergerste und Kleegras werden rotierend in einem sechsfachen Fruchtwechsel angebaut. 2020 soll die Umstellung abgeschlossen sein, dann könnte der Weizen als Bio-Backweizen und die Sommergerste möglicherweise als Bio-Braugerste vermarktet werden. Bis dahin dienen die angebauten Getreide und Leguminosen noch als Tierfutter.

Die angehenden Biobauern, die beide Ökologische Agrarwissenschaften studiert haben, halten neben den Hühnern noch Rotes Höhenvieh als Mutterkuh-Herde. Deren Fleischertrag soll bald ebenfalls direkt ab Hof vermarktet werden. „Wir haben uns für die Umstellung des Hofes entschieden, damit es überhaupt mit unserer Landwirtschaft weitergehen kann“, setzt Carl-Philipp Brinkmeyer gegen den Trend des Höfesterbens. Er will jetzt „den Grundstein für einen vielfältigen Biohof mit regionaler Produktion und Direktvermarktung legen“.

Kreislaufwirtschaft

Derzeit liefert der Hof Brinkmeyer Futter an den Westendorfer Biohof Meierfrankenfeld mit Milchviehhaltung. Dafür kommt von dort Bio-Gülle als Nährstoff für die Ackerpflanzen nach Sehlingdorf zurück. „Für eine eigene hofinterne Kreislaufwirtschaft müssten wir mehr Tiere halten, damit wir auch den Dünger, den wir brauchen, selbst produzieren“, erläutert Brinkmeyer. Deshalb fassen die Junglandwirte mittelfristig die Wiederaufnahme der traditionellen Schweine-Haltung des Hofes Brinkmeyer ins Auge. „Es ist aber noch vieles offen, es wird sich erst allmählich zeigen, in welche Bereiche der Bio-Landwirtschaft wir letztlich einsteigen werden.“


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