Europa trifft Südamerika Madrigalchor begeistert in Melle mit vielen Klangfarben

Von Petra Ropers

Brasilien trifft Europa und die Klangwelten verbinden sich: Mit einem musikalischen Brückenschlag begeisterte der Madrigalchor unter der Leitung von Nicolai Strauch. Foto: Petra RopersBrasilien trifft Europa und die Klangwelten verbinden sich: Mit einem musikalischen Brückenschlag begeisterte der Madrigalchor unter der Leitung von Nicolai Strauch. Foto: Petra Ropers

Melle. Außergewöhnlicher Konzertgenuss begeisterte in stilvoller Kulisse: In der Alten Stadthalle ließ der Meller Madrigalchor in einem musikalischen Kaleidoskop die Klangfarben Europas und Südamerikas durcheinanderwirbeln.

„Kontraste“ überschrieb der Chor das erste Herbstkonzert unter seinem neuen Chorleiter Nicolai Strauch. Der eher nüchterne Titel sollte sich bald als ebenso treffend wie unzureichend erweisen. Denn der Madrigalchor – ohnehin bekannt für niveauvoll-kurzweilige Konzerte fernab vom chorischen Mainstream – beschränkte sich nicht auf die Gegenüberstellung europäischer und südamerikanischer Werke.

Virtuose Klavierbegleitung

Vielmehr erwartete die Musikfreunde ein Mit- und sogar Ineinander, das die titelgebenden Kontraste ebenso oft aufzeigte, wie es sie verschwimmen ließ. Schon der Beginn ließ dabei aufmerken – mit Vogelgezwitscher, quakenden Kröten und dem Rauschen des Regens in den Bäumen des brasilianischen Urwaldes, den die Sänger unter der musikalischen Leitung und virtuosen Klavierbegleitung von Nicolai Strauch kurzerhand in den Grönegau holten.

Mozart trifft auf den Brasilianer Macedo, das geistliche „Benedictus“ auf das freche Trinklied, die italienische Karnevalsweise auf die Orgelliteratur des Klosters Buxheim – und das alles nicht in gewohnt geordneter Programmabfolge, sondern als kunterbuntes Miteinander der Klangwelten. So überraschend wie der erste Musikblock erwies sich auch das weitere Konzert, in dem der Chor eindrucksvoll bewies, dass aus Südamerika mehr kommt als Salsa, Samba und Lambada.

Empfindsame Harmonien

In Nicolai Strauch hatten die Sänger dabei einen Chorleiter und Pianisten, dem der Rhythmus und die Melodie des fernen Südens im Blut und in den virtuos agierenden Fingern liegen. Schließlich ist er nicht nur in Brasilien aufgewachsen. Auch sein Musikstudium nahm dort seinen Anfang. Als Pianist und auch als Bariton bereicherte Strauch bereits seit Jahren die Konzerte des Madrigalchors. Nach dem Brahms-Konzert im vergangenen Jahr übernahm er auch den Taktstock.

Unter seiner Leitung stellte sich der Chor mit Dynamik und ansteckender Begeisterung der Herausforderung der südlichen Musik. Als Solistin ließ Anna Luisa Strauch zu den perlenden Klangkaskaden des Klaviers in „An Amanhecer“ den Morgen zu quirliger Fülle erwachen. Im Folgenden spannte sich der Bogen vom brasilianischen Barock mit dem kontrastreich intonierten „Signatum est“ zum ruhig fließenden Dankgebet „Cio da terra“ und vom frechen „Tir’alla“ – zu deutsch: „Zieh ab!“ – eines alten spanischen Manuskriptes zu den empfindsamen Harmonien der Nocturnos von Mozart.

Altbekanntes Volkslied

Immer wieder lockerte Nicolai Strauch das Konzert mit Piano-Einlagen auf, unter denen vor allem die spannungsgeladenen, atmosphärisch dichten Klangbilder des zeitgenössischen Komponisten Macedo aufmerken ließen. Doch Strauch griff für den Chor auch selbst zur kompositorischen Feder.

Seine launige, zwischen jazzigem Flair und brasilianischen Klangfarben changierende und mit Sprechgesang versetzte Version des altbekannten Volksliedes „Der Jäger“ erwies sich gleichsam als musikalische Quintessenz eines Konzertes, das kurzweilig und niveauvoll die Klangbrücke über den Äquator schlug. Anderthalb Stunden verflogen dabei schnell. Und der lang anhaltende Beifall für Chor, Solistin und musikalischen Leiter war danach mehr als verdient.