Für Zukunft in Melle gerüstet Arbeitskreis Schule/Wirtschaft besichtigt Assmann

Von Marita Kammeier

Neueste Technologien der automatisierten Arbeitswelt besichtigte der AK Schule/Wirtschaft. Foto: Marita KammeierNeueste Technologien der automatisierten Arbeitswelt besichtigte der AK Schule/Wirtschaft. Foto: Marita Kammeier

Oldendorf. Großes Interesse fand die automatisierte Arbeitswelt beim Büromöbelhersteller Assmann. Die Mitglieder des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft informierten sich am Dienstag ausführlich über neue Technologien, Personalentwicklung und Investitionen in die Zukunft.

BBS-Schulleiter Hermann Krüssel betonte in seiner neuen Funktion als Arbeitskreisleiter die Bedeutung des regelmäßigen Dialoges von Lehrern und Vertretern aus regionalen Unternehmen. Unter dem diesjährigen Jahresmotto „Mensch und Technik“ erfolgen die Betriebsbesichtigungen in gemeinsamer Trägerschaft des Industriellen Arbeitgeberverbandes Osnabrück-Emsland- Grafschaft Bentheim und der Kreissparkasse Melle.

Von der Dorftischlerei im Jahr 1939 zum Industrieunternehmen mit 350 Mitarbeitern – was fast wie ein Märchen klingt, das ist doch Standard in den meisten mittelständischen Firmen. Was passiert bei Assmann, und wie kam es zu dem Wachstum im Herzen der Küchenmöbelbranche? Hautnah erlebten die Besucher drei hoch spannende Stunden auf dem 27000 Quadratmeter großen Gelände.

Dirk Assmann leitet das Familienunternehmen seit 1999 als geschäftsführender Gesellschafter in dritter Generation, und die vierte steht bereits in den Startlöchern. Das ist seine Tochter, die eine Traineeausbildung absolviert.

„In den vergangenen zehn Jahren haben wir 25 Millionen Euro in die Fertigung investiert“, informierte Guido Hübner, Technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsführung, in seiner Präsentation. In dieser Zeit habe sich der Jahresumsatz auf etwa 114 Millionen Euro verdoppelt bei einer Personalaufstockung von 20 Prozent.

Pro Tag verlassen 2500 Möbelteile auf 30 Lkw den Hof in Westerhausen. „Wir sind stolz auf den eigenen Fuhrpark und bilden dafür Berufskraftfahrer aus“, informierte Hübner. Der Exportanteil sei mit neun Prozent relativ gering, denn „der deutsche Markt ist stabil und sicher“.

Wichtig sei es jedoch, die IT-Weichen neu zu stellen für die Industrie 4.0 mit „Just-in-time-Anlieferungen“. Die Digitalisierung ermöglicht schon jetzt mit wenigen Klicks Einblicke in die gläserne Produktion. Jedes Möbelstück an den Montagelinien ist auf den Bildschirmen sichtbar.

Beim anschließenden Rundgang informierten Guido Hübner und Andreas Fipp, Leiter Industrial Engeneering (Industrieplanung), über die hoch automatisierte Fertigung, die strukturierte Organisation der Arbeitsprozesse und die Laserkantentechnik. Das „Pick-by-Voice-System“ ersetzt in der Kommissionierung die Papierlisten und führt die Mitarbeiter mit Headsets zu den gewünschten Teilen.

Staunend verfolgten die Besucher, wie fünf weiß lackierte Roboter mit Saugern und Greifsystemen leicht quietschend präzise Hand in Hand arbeiteten. Während Robby 1 noch den Unterboden der Schublade einbaute, etikettierte Robby 2 bereits. Der Dritte leimte den Deckel an, und Robby 4 befestigte die Griffe.

Anschließend skizzierte Personalleiter Alexander Neudorf zukünftige Trends der Personalstrategie im Industrieunternehmen: „Qualifizierte Fachkräfte brauchen kompetente Führungskräfte, die Mitarbeitern auf Augenhöhe mit Wertschätzung begegnen und ihre Stärken einbeziehen.“ Arbeiten im Home-Office, Kitabetreuung oder ein Sabbatical seien dabei Möglichkeiten.

Gefragt seien heute „weniger Muskeln, mehr konzeptionelles Arbeiten“, so der Personalfachmann. Assmann bietet acht unterschiedliche Ausbildungsberufe vom Holzmechaniker bis zum Fachinformatiker an. „Es ist einfacher, Ingenieure zu finden als Berufskraftfahrer“, berichtete Alexander Neudorf.

Assmann Büromöbel bleibt dem Konzept „Alle zwei Jahre neue Investitionen“ treu. Ein neues Verwaltungsgebäude ist in Planung, und zusätzliche Fertigungslinien, die jetzt noch im Zelt stehen, sollen in einem Jahr fertig sein.