Verwunderung im Baugebiet Bauhaus-Stil in Melle mit erlaubten Ausnahmen

Von Christoph Franken


Melle. Das hatten sich die Planer von Wohnungsbau Grönegau und Bauamt anders gedacht: In dem Baugebiet „Auf der Höhe“ am Meller Berg stehen zwei Häuser mit konventioneller Dachform, obgleich dort eigentlich nur Gebäude mit Flachdächern à la Bauhausstil errichtet werden sollten.

„Sie möchten ein Baugebiet mit harmonischer Architektur?“, waren potenzielle Bauwillige im Exposé der Wohnungsbau als Entwickler und Vermarkter des Geländes zwischen Bergstraße und Hermann-Unbefunde-Straße gefragt worden. Versprochen wurde auch die spätere Erschließung weiterer Grundstücke „mit angepasster Architektur“. Offenbar wollten viele so in bester Lage bauen, angelehnt an den Bauhausstil. So entstehen seitdem in bester Südhanglage die kubischen Ein- und Zweifamilienhäuser.

Stutzig wurden Nachbarn Anlieger und Planer jetzt aber, als mittendrin ein Bungalow in konventioneller Bauweise entstand. Auch ein zweites Gebäude am oberen Rand des Areals hat ein normales Dach. Dieses Haus fällt aber wegen seiner Lage nicht so auf wie der von kubischen Gebäuden eingerahmte Bungalow.

Haben die im Bauamt geschlafen und eine falsche Genehmigung erteilt?“, fragen sich daher einige Nachbarn wenig amüsiert.

Zukünftig verhindern

Rainer Mallon, Leiter des Bauamtes, weist diesen Verdacht entschieden zurück. Nein, auch der Bungalow und das andere Gebäude entsprächen der Festsetzung des Bebauungsplanes. Die Baugenehmigung habe auf Grundlage dieses Planes erteilt werden müssen. „Es ist das einzige Haus, das da nicht hinpasst“, räumte er mit Blick auf den Bungalow ein. Als Konsequenz werde nun innerhalb der Bauverwaltung überlegt, wie sich das bei künftigen ähnlichen Baugebieten verhindern lasse.

Mit Zähneknirschen

Im übrigen habe die Bauverwaltung wegen der schrägen Hanglage und der vorgegebenen Farbgebung viele Einzelgespräche in dem Baugebiet geführt. “Aber wegen der rechtlichen Lage mussten wir zähneknirschend auch andere Ansichten von Bauherren hinnehmen“, so Mallon.

Den Bungalow bewohnt Ahmet Kaya mit seiner Familie. Er verwies auf Anfrage ebenfalls auf die Zulässigkeit seines Hauses in dem Baugebiet. Er habe schon vorher in einem Bungalow gewohnt und wisse dessen Vorteile zu schätzen. „Es ist alles auf einer Ebene, es gibt einen großen Flur und im Inneren geht es hell und geräumig zu.“ Auch für seine vier Kinder sei diese Bauweise ideal.

Nachvollziehbare Gründe führt Arndt Steffen an, der das Haus mit Dach am oberen Hang besitzt. Sein ein Opa habe mal ein Gebäude im Bauhaus-Stil besessen und dessen Flachdach sei regelmäßig undicht gewesen. „Man macht einen Fehler einmal, aber wer ihn zwei Mal macht, ist dumm“, sagte Steffen. Daher sei für ihn ein Flachdach ein „No-Go“ gewesen. Dazu kämen die großen Bäume hinter seinem Grundstück, die mit Laub und Ästen den Wasserabfluss auf einem Flachdach regelmäßig verhindert hätten.

Steffen machte kein Hehl daraus, dass ihn die „extremen Bauvorgaben“ geärgert hätten. Daher habe die Planung seines Hauses auch fast ein Jahr gedauert. „Meine Familie und ich sind damit aber jetzt sehr zufrieden.“

Hensiek unzufrieden

Wohnungsbau-Geschäftsführer Dirk Hensiek dagegen ist mit der Entwicklung unzufrieden. „Das ist nicht das, was Ziel des Baugebietes war.“ Zwar sei im B-Plan eine Dachneigung von bis zu 30 Grad erlaubt. Aber das sei eigentlich nur geschehen, um auch Pultdächer und Dach-Solaranlagen zulassen zu können. Bei dem zweiten Gebäude sei das Dach als Staffelgeschoss ausgebaut worden. „Aber das wirkt nicht so auffällig wie der Bungalow in der Mitte“, so Hensiek. Und: „Wir werden nun ganz genau schauen, wie wir aus dem Fall lernen können.“