Trinkgeld für Gesangseinlage Wie eine Meller Bäckereifachverkäuferin mit unfreundlichen Kunden umgeht

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Die Meller Bäckereifachverkäuferin Evelyn Koslick verrät, welches Brot die meisten Kunden wünschen: „Das da!“ Foto: Karsten GrosserDie Meller Bäckereifachverkäuferin Evelyn Koslick verrät, welches Brot die meisten Kunden wünschen: „Das da!“ Foto: Karsten Grosser

Melle. Seit zwei Jahren arbeitet Evelyn Koslick als Bäckereifachverkäuferin in der Bürenkemper-Filiale im Combi-Markt in der Oldendorfer Straße in Melle. Die 53-jährige Riemsloherin spricht in unserer Serie „Mein Job und ich“ über den Umgang mit unfreundlichen Kunden, dem „Das da“-Brot und Trinkgeld für Showeinlagen.

Frau Koslick, wie behalten Sie die Übersicht, welcher Kunde als nächstes dran ist?

Ich habe immer einen Augenwinkelblick. Während ich einen Kunden bediene, schaue ich schon, wer gerade hinzukommt. Sollten es vor dem Tresen immer mehr werden, dann rufe ich eine Kollegin oder einen Kollegen. In den meisten Fällen kann ich dann sagen, welche Dame oder welcher Herr dran ist. Wenn, wie oft am Wochenende, plötzlich aber zehn oder mehr Leute vor dem Tresen stehen sollten, muss ich eben fragen. Dann müssen sich die Kunden untereinander einigen. Das klappt in den meisten Fällen. Nur selten sagt jemand, „Ich war aber eher da“.

Wie reagieren Sie auf vordrängelnde Kunden?

Ich versuche, mich zurückzunehmen und zu vermitteln.

Welche Kundentypen gibt es noch?

Es gibt so viele verschiedene, davon machen Sie sich keine Vorstellungen. Bei manchen weiß ich schon, wenn diese hereinkommen, dass ich einen lustigen Spruch machen kann. Bei anderen erkenne ich, dass diese zum Lachen in den Keller gehen. Mit dem Großteil der Kunden kann man aber schon Spaß haben. Andere freuen sich, wenn sie einfach wahrgenommen werden. Verkäufer sind auch immer Psychologen.

Haben Sie einen unfreundlichen Kunden schon mal absichtlich nicht bedient?

Nein, bei unfreundlichen Kunden werde ich umso freundlicher. Das zeigt Wirkung und die Kunden kommen dann auch wieder. Bei uns selbst hat schlechte Laune nichts zu suchen.

Haben Sie Verständnis für Kunden, die in Eile sind?

Ja, klar. Das Problem habe ich ja selbst auch, wenn ich mal ein Brötchen auf den letzten Drücker brauche.

Hilft es Ihnen, wenn Kunden passend bezahlen? Oder nervt es, wenn diese im Kleingeld wühlen?

Kleingeld ist immer Mangelware, deshalb hilft das schon. Wenn morgens jemand drei Brötchen mit einem Fünfziger bezahlt, dann wird es schwierig.

Gibt es mitunter Trinkgeld?

Ja, vor allem beim Mittagstisch oder Kaffee ausgeben. Das Trinkgeld darf bei uns jeder selbst behalten. An Karneval hatte ich mich als Bettlerin verkleidet. Mit Bartpunkten. Ich sah wirklich ganz traurig aus. Meine Kollegin hingegen war eine Prinzessin. Ein Kunde meinte, dass wir nun nur noch singen müssten. Und dann haben wir halt etwas gesungen. (Evelyn Koslick stimmt „Amazing Grace“ an). Wir haben tatsächlich fünf Euro Trinkgeld von dem Kunden gekriegt. Die Kunden kommen eben auch wegen unserer Theatervorstellungen und Showeinlagen.

Welche Produkte werden am meisten nachgefragt?

Brötchen und Brote.

Viele Kunden zeigen ja nur auf das, was sie haben wollen.

Das meistgekaufte Brot in der Bäckerei ist deshalb auch „Das da“.

Hat der Fipronil-Skandal bei Eiern für viele Nachfragen gesorgt?

Bei uns gar nicht. In einem solchen Fall hätten wir aber ein Schreiben der Hauptfiliale mit dem Hinweis herausgeben können, dass die bei uns verwendeten Eier geprüft wurden und Fipronil-frei sind.

Der Sommer ist nun zwar vorbei. Aber wie gehen Sie mit Bienen und Wespen um, die ja immer wieder den Kuchen ansteuern?

Die haben wir hier nicht. Überhaupt nicht.

Merkwürdig.

Die Türen schließen sich ja immer wieder automatisch. Aus hygienetechnischen Gründen dürften sie auch gar nicht geöffnet bleiben. Sonst könnten ja zum Beispiel auch Mäuse reinkommen.

Andere Bäckerläden haben aber durchaus ein Wespenproblem.

Ja, das kenne ich noch aus meiner Lehrzeit. Man könnte zwei, drei Stücke Kuchen an die Seite stellen und die anderen abdecken. Das hilft manchmal. Oder man nimmt Wespenfallen.

Hören Sie von Kolleginnen aus anderen Filialen, dass sie gestochen werden?

Nein, die Wespen gehen auf den Kuchen und sind dann zufrieden. Die werden gar nicht aggressiv. In den drei Jahren meiner Lehre bin ich nicht einmal gestochen worden.

Haben Wespen einen Lieblingskuchen?

Neulich habe ich in einer anderen Filiale beobachtet, dass auf dem Streuselkuchen nicht eine einzige Wespe war. Aber auf den Sahneteilchen und Stücken mit Zuckerguss saßen extrem viele.

Was passiert mit der bis zum Abend nicht verkauften Ware?

Wir retournieren jedes einzelne Teil in der Kasse und dann geht die Ware zurück zur Hauptfiliale in Bielefeld. Von dort wird sie zum Beispiel an Bauernhöfe als Schweinefutter weitergegeben.


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