Was Liudmyla Kunovska am liebsten operiert Meller Ärztin über häufige Verletzungen und Mitleid im Wunschjob

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Liudmyla Kunovska arbeitet als Assistenzärztin in der Unfallchirurgie am Christlichen Klinikum Melle. Foto: Karsten GrosserLiudmyla Kunovska arbeitet als Assistenzärztin in der Unfallchirurgie am Christlichen Klinikum Melle. Foto: Karsten Grosser

Melle. Liudmyla Kunovska arbeitet seit gut einem Jahr in der Unfallchirurgie des Christlichen Klinikums Melle. Die 30-jährige Assistenzärztin spricht in unserer Serie „Mein Job und ich“ über ihre Lieblingsoperationen, häufige Verletzungen und Mitleid im Wunschjob.

Frau Kunovska, welche Überraschungen hält Ihr Arbeitsalltag für Sie parat?

Wenn meine Schicht beginnt, weiß ich nie, mit welchen Verletzungen Patienten in die Notaufnahme kommen. Gerade das macht die Arbeit in der Unfallchirurgie sehr spannend.

Welche Verletzungen treten oft auf?

Viele Menschen kommen mit Sprunggelenkverletzungen zu uns. Gerade in der Schule passieren oft Unfälle. Dann gibt es aber auch viele Arbeitsunfälle, bei denen sich Menschen offene Wunden an den Händen zuziehen. Bei Verkehrsunfällen gibt es häufig Frakturen im Lenden- und Brustwirbelbereich sowie der oberen und unteren Extremitäten.

Welche Art von Verletzungen behandeln Sie am liebsten?

Wunden zu versorgen ist auf jeden Fall interessanter, als bei einer Prellung einen Verband anzulegen.

Erinnern Sie sich an einen Patienten mit besonders schweren Verletzungen?

Nach einem Verkehrsunfall hatte ein Patient Blutungen im Innern des Hirnschädels. In solchen Fällen arbeiten wir eng mit den Kollegen der Neurochirurgie des Marienhospitals Osnabrück zusammen. Diese können sofort über Teleradiologie unsere Röntgenbilder und Computertomografien mitbeurteilen. Wenn es notwendig ist, wie in diesem Fall, wird der Patient sofort ins MHO weiter verlegt.

Bei Unfällen: Wann erhalten Sie erste Erkenntnisse über die Patienten?

Der Notarzt informiert uns vorab darüber, welche Verletzungen der Patient hat, wie alt er ist, wie der Unfallhergang war und wann der Rettungswagen am Klinikum sein wird.

Mit wie vielen Ärzten behandeln Sie in der Notfallaufnahme?

Wenn ein Schwerverletzter kommt, dann sind neben mir noch der Oberarzt, ein Internist, ein Anästhesist und weiterer chirurgischer Kollege sowie Pfleger dabei.

Wie oft kommen Menschen in die Notaufnahme, die gar keine akute Verletzung haben?

Das passiert fast jeden Tag. Ich vermute, dass diese Patienten im Internet nach Informationen zu Symptomen stöbern und dann in Aufregung geraten. Bei etwa wochenlangen Schmerzen in der Hand wäre es besser, wenn diese Patienten zum Hausarzt gehen würden. Aber trotzdem: Wir machen alles, was wir können.

Werden Patienten auch mal pampig?

Wir sind eine Notfallambulanz. Chronische Erkrankungen dürfen wir eigentlich nicht behandeln. Manche Patienten werden dann unfreundlich, weil Sie denken, wir würden ihnen nicht die komplette Versorgung zuteilwerden lassen.

Was raten Sie Menschen, die kein Blut sehen können?

Ehrlich gesagt: Solche Patienten habe ich noch nie gehabt.

Wie klappt der Umgang mit Kindern?

Zuerst versuche ich, mit den Eltern zu sprechen und die Situation zu erklären. Kleine Kinder lassen sich schwer behandeln; die haben natürlich immer Angst, dass es wehtun könnte. Wunden zu nähen, ist bei ihnen sehr, sehr schwierig. Im Zweifel, bei einer größeren Wunde, machen wir es in Kurznarkose.

Machen Sie Eltern nervös, denen es nicht schnell genug gehen kann?

Nein, das darf mich nicht beeinflussen. Ich arbeite in Ruhe weiter, um es gut zu machen.

Wie viele Patienten behandeln Sie pro Schicht?

Das ist ganz unterschiedlich. Es können aber 25 und noch mehr sein.

Wie nutzen Sie Leerlauf während der Nachtschichten, wenn gerade mal kein Notfall da sein sollte?

In dieser Zeit kann ich zum Beispiel Berichte und Briefe schreiben. Oft passiert zwischen 2 und 5 Uhr nicht so viel, sodass ich dann zur Ruhe kommen kann.

Wie sehr bewegt sie das Schicksal der Patienten?

Ich erinnere mich an eine 30-jährige Frau mit einer Beckenfraktur. Sie tat mir wirklich leid. So jung und so eine schwere Verletzung – gerade in Hinblick auf die Möglichkeit, dass diese Frau einmal schwanger werden könnte.

Was hat Sie bewogen, Ärztin zu werden?

Meine Mutter und meine Großmutter waren Hebammen. Zudem gibt es in meiner Familie viele Ärzte. Das habe ich als Kind schon immer interessant gefunden. Schon als Schülerin war für mich klar, dass ich in die Medizin gehen werde. Unfallchirurgie ist mein Wunschjob. Wenn ein Notfall hereinkommt, bei dem die Operation eines Bruches nötig ist, steigt der Adrenalinspiegel und ich bin hoch konzentriert. Aber gerade das mag ich an meinem Beruf. Am liebsten operiere ich Brüche der Speiche.

Gucken Sie im Fernsehen Krankenhausserien?

Sehr selten. Ich habe sogar schon vergessen, welche ich mal gesehen habe.

Sie stammen ja aus der Ukraine. Wie sehr unterscheidet sich der Berufsalltag in Deutschland von dem in Ihrer Heimat?

In der Ukraine kommen Patienten, die lediglich eine Prellung haben, eigentlich nicht in die Notfallambulanz, sondern sie lassen sich lieber zu Hause behandeln. Ich finde es aber gut, dass hier in Deutschland Patienten, die sich um ihre Gesundheit sorgen, direkt ins Krankenhaus gehen können. Im besten Fall können sie anschließend wieder beruhigt schlafen.


Liudmyla Kunovska

Die 30-jährige Assistenzärztin Liudmyla Kunovska hat in der Ukraine sechs Jahre lang Medizin studiert. Anschließend sammelt sie in ihrer zwei Jahre lang Praxis in der Unfallchirurgie. Sie sagt, in der Ukraine sei es einfach, einen Studienplatz zu bekommen, dafür aber viel schwieriger, einen Arbeitsplatz. In Deutschland hospitiert sie zunächst im Franziskus-Hospital in Harderberg und im Krankenhaus St. Raphael in Ostercappeln. Seit September 2016 arbeitet Liudmyla Kunovska im Christlichen Klinikum Melle, seit November 2016 als Assistenzärztin in der Unfallchirurgie. Ihr Ziel ist es, Fachärztin für Unfallchirurgie zu werden.

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