Not-Trauung und Scheinväter 230 Standesbeamte bei Fachtagung in Melle

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Der in Melle wieder gewählte Verbandsvorstand mit: Ursula Meyer, Antje Horstmann, Harald Warnecke, Marion Hippenstiel, Claudia Prößler, Gerald Wucherpfennig und Dieter Bleich (von links). Foto: Christoph FrankenDer in Melle wieder gewählte Verbandsvorstand mit: Ursula Meyer, Antje Horstmann, Harald Warnecke, Marion Hippenstiel, Claudia Prößler, Gerald Wucherpfennig und Dieter Bleich (von links). Foto: Christoph Franken

Melle. Standesbeamte haben nur mit Eheschließungen zu tun. Von wegen: Die zahlreichen Facetten und aktuellen Herausforderungen ihres Berufsstandes diskutierten bis Mittwochabend 230 Mitglieder des Fachverbandes der Standesbeamtinnen und Standesbeamten des Landes Niedersachsen bei ihrer Fachtagung im Meller Hotel van der Valk.

Die Veranstaltung findet alle drei Jahre in einer anderen Kommune statt. „Wir sind wie eine große Familie“, betonten Vorsitzender Gerald Wucherpfennig, seine Stellvertreterin Marion Hippenstiel und Landesfachberaterin Antje Horstmann in einem Abschlussgespräch.

Die Ehe für alle tritt am 1. Oktober in Kraft. Die Gesetzesänderungen sind nach Angaben der Fachleute erfolgt, aber es fehlen noch die Anweisungen für die Umsetzung. Auch die Programmierung zur elektronischen Beurkundung erfolgt zur Zeit. „Es wird dann statt Ehemann und Ehefrau vermutlich von Ehegatten die Rede sein, aber wir sind selbst noch gespannt auf die Ausführungsbestimmungen“, sagte Antje Horstmann.

Scheinvaterschaften

Ein weiteres Thema war die „missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung. Solche Scheinvaterschaften mit dem Ziel, ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zu erlangen, sind ein aktuelles Problem geworden. Die Standesbeamten beurkunden Vaterschaften. „Aber wenn wir nach bestimmten Prüfungskriterien Zweifel an der Echtheit haben, können wir die Beurkundung aussetzen und die Ausländerbehörde um Prüfung bitten“, erklärte Marion Hippenstiehl. Zweifel gebe es beispielsweise, wenn die Abschiebung des angeblichen Vaters unmittelbar bevorstehe oder die Frau hochschwanger ist, obgleich der angebliche Vater noch gar nicht so lange im Land ist. „Da gibt es viele Fragen, zum Beispiel, ob einer Anerkennung vor der Geburt überhaupt möglich ist“, ergänzte die Fachberaterin.

Immer mehr Fälschungen

Angesichts immer modernerer Technik nimmt die Zahl von sehr gut gefälschten Dokumenten enorm zu. „Das ist für uns eine Daueraufgabe“, betonte Wucherpfennig. Aber es gebe spezielle Merkmale, mit denen Standesbeamte Fälschungen innerhalb weniger Minuten enttarnen können. Ein Beamter der hessischen Polizeiakademie brachte die Tagungsteilnehmer auf den neuesten Stand.

Ein weiteres Thema waren „Not-Trauungen“. Häufig würden die Beamten dazu auch von zu Hause aus in Krankenhäuser, Altenheime oder Privathäuser gerufen. Sie halten Nottrauungsmappen vor, aber die Problematik ist häufig gleich: Unter Zeitdruck zu entscheiden, ob die im Sterben liegende Person überhaupt noch geschäftsfähig ist. Immerhin hat die Trauung erhebliche Auswirkungen auf die anderen Erben. „Da haben wir eine hohe Verantwortung“, sagte der Verbandsvorsitzende.

Kinderehen beurkunden?

„Getragen von der Flüchtlingswelle“ sei auch die zunehmende Beurkundung von Eheschließungen zwischen Menschen aus dem Irak, dem Libanon und Syrien. Auch dazu gab es in Melle neueste Infos. „Das ist wegen der unterschiedlichen Heiratsrechte und oftmals fehlender Papiere ein großes Problem“, berichtete Marion Hippenstiel. Was ist, wenn offensichtlich Kinderehen beurkundet werden sollen? „Dann können wir das auch ablehnen.“

Bei ungeklärter Identität oder Familienstand werde daszudem mit den Hinweis „Identität nicht nachgewiesen“ eingetragen.


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