„Wollen kein drittes Geschlecht“ Erster Kongress transsexueller Menschen in Melle

Caitlyn Jenner ist sicherlich einer der bekanntesten transsexuellen Menschen weltweit. Zuvor war die 65-Jährige als  Zehnkämpfer und Olympiasieger Bruce Jenner bekannt. Das Szenenfoto stammt aus „I am Cait“, einer TV-Dokumentation, die seit Anfang August auf E! Entertainment zu sehen ist. Foto: E! Entertainment/dpaCaitlyn Jenner ist sicherlich einer der bekanntesten transsexuellen Menschen weltweit. Zuvor war die 65-Jährige als Zehnkämpfer und Olympiasieger Bruce Jenner bekannt. Das Szenenfoto stammt aus „I am Cait“, einer TV-Dokumentation, die seit Anfang August auf E! Entertainment zu sehen ist. Foto: E! Entertainment/dpa

Melle. Die Vereinigung Transsexuelle Menschen (VTSM) aus Melle hatte zu ihrem ersten Kongress eingeladen. Die VTSM setzt sich für zeitgemäße medizinische Betreuung, geringere Wartezeiten bis zur Behandlung und bessere Regelungen für die Übergangszeit ein.

Etwa 25 Teilnehmer kamen zur dreitägigen Veranstaltung („Transsexuell im Spannungsfeld zwischen Genderqueer und Gesellschaft“ lautete der Titel) in das Hotel van der Valk, darunter Mitglieder, transsexuelle Menschen, ein Theologe, Ärzte, ein Regionalpolitiker sowie ein Vertreter des Landkreises. Dass das Thema viele Menschen beschäftigt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass einige Besucher Anreisen von bis zu 800 Kilometern auf sich nahmen. Trotzdem hätten es ruhig einige mehr sein dürfen.

„Wäre gerne gekommen, bin aber weg“

„Der Termin mitten in der Urlaubszeit war wohl etwas unglücklich“, sagt Lotty Maria Wergin (66) von der VTSM, „wir haben viele Absagen nach dem Motto bekommen: Wäre gerne gekommen, bin aber weg.“ Andererseits sollte der erste Kongress ohnehin nicht zu groß geraten, fügt Frank Gommert (50) an.

„Ich bin eine Frau. Punkt.“

Transsexuelle sind Menschen, die „im falschen Körper geboren wurden“, wie man landläufig sagt. Sowohl Wergin als auch Gommert haben ihre genitale Angleichung hinter sich. Wergin: „Ich bin eine Frau. Punkt. Er (zeigt auf Gommert) ist ein Mann. Punkt. Wir wollen nicht zwischen den Geschlechtern stehen und wir wollen für uns auch kein drittes Geschlecht oder eigene Toiletten.“

„Medizinische Betreuung oft nicht zeitgemäß“

In den Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass trotz aller Fortschritte in der Unterstützung von transsexuellen Menschen weiterhin Defizite bestehen. So sei die medizinische Betreuung in vielen Fällen nicht zeitgemäß, lautete der Tenor. Die Wartezeiten für genehmigte Behandlungen dauerten zum Teil mehrere Jahre, was für die Betroffenen erhebliche psychische Belastungen bedeute. Darüber hinaus müssten Regelungen entwickelt werden, damit transsexuelle Menschen in der Übergangszeit nicht mehr die bisherigen Ausweisdokumente, Versichertenkarten oder Bankkonten verwenden müssen.

Darstellung von Transsexualität in den Medien

Die Veranstaltung machte weitere Anliegen transsexueller Menschen deutlich: So wünschen sie sich, dass die Öffentlichkeit darüber aufgeklärt wird, dass bei ihnen von Geburt an eine Diskrepanz zwischen dem im neuronalen Netz verankerten Wesensgeschlecht und den davon abweichen körperlich-genitalen Geschlechtsausprägungen vorliegt. Insbesondere mit der Darstellung von Transsexualität in den Medien hadern Betroffene. Wobei ihnen noch nicht klar ist, ob das an den Medien liegt „oder an jenen, die die Medien informieren“, so Wergin.

Das Programm umfasste außerdem eine Reihe von Vorträgen, die sich etwa mit der Vielfalt der geschlechtlichen Merkmale, dem Leben nach der genitalen Angleichung und dem mehrdimensionalen Gesundheitsbegriff „Salutogenese“ (etwa: Gesunderhaltung/-werdung) beschäftigten. Im Anschluss griffen die Arbeitsgruppen Themen wie die wissenschaftliche Betrachtung und die mediale Darstellung von Transsexualität auf. Auch die Gesundheitsversorgung und die mögliche Rolle der Politik wurden behandelt.

Der VTSM hat bundesweit etwa 30 Mitglieder. Der Kongress soll zukünftig zweijährlich stattfinden. Im nächsten Jahr ist eine Pressekonferenz vorgesehen.

Ein Porträt von Lotty Maria Wergin und Frank Gommert lesen Sie hier: „Schon immer Frau, schon immer Mann“


Als transsexuell werden Menschen bezeichnet, die „im falschen Körper geboren“ wurden. Transsexuelle Menschen sehen sich in der Regel nicht als zwischen den Geschlechtern stehend an. Insbesondere nach erfolgter genitaler Anpassung, möchten sie ganz normal als Mann oder Frau wahrgenommen werden.

Transgender wird der Definition bei Wikipedia zufolge heute fast ausschließlich als ein Oberbegriff benutzt. Der Begriff wurde in den 1970-er Jahren in den USA von Virginia Prince maßgeblich geprägt. Sie gründete 1960 die Zeitschrift Transvestia, die sie bis 1980 herausgab.

Sie bezeichnete sich selbst in dieser Zeit als heterosexueller Transvestit, um sich von homosexuellen und transsexuellen Menschen abzugrenzen.

Transgender bezeichnet meistens Menschen, die die soziale Geschlechtsrolle vollständig wechseln, also sich als biologischer Mann weiblich fühlen und auch so leben oder umgekehrt. Dabei ist es egal, ob chirurgische Eingriffe und geschlechtsangleichende Maßnahmen vorgenommen wurden.

Menschen, die sich nicht klar auf eine der beiden Rollen Mann oder Frau festlegen können oder wollen, bezeichnen sich selbst auch als genderqueer oder nichtbinär (mit nichtbinärer Geschlechtsidentität, zum Beispiel Bigender).

Quelle: Wikipedia

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