Meller Händler kauft mit Koffer ein Sören Maßmanns 1000-Euro-Whisky und die Kilt-Frage

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Sören Maßmann steht in der Whisky-Ecke seines Geschäfts in der Meller Innenstadt. Foto: Karsten GrosserSören Maßmann steht in der Whisky-Ecke seines Geschäfts in der Meller Innenstadt. Foto: Karsten Grosser

Melle. Tabak, Alkohol, Glücksspiel – Sören Maßmann hat in seinem Laden „Kretschmann Genuss Company“ am Markt in Melle mit vielen stark reglementierten Produkten zu tun. In der Serie „Mein Job und ich“ erzählt der 46-Jährige, warum Leute eine Flasche Whisky für 1000 Euro bei ihm kaufen und wem er verraten würde, was er unter dem Kilt trägt.

Herr Maßmann, inwiefern beeinträchtigt die Verbannung des Rauchens aus der Öffentlichkeit das Geschäft?

Es wird nicht weniger geraucht, sondern anders. In meiner Clique war es etwa so, dass nicht Warnhinweise zum Aufhören mit dem Rauchen geführt haben, sondern Veränderungen im persönlichen Umfeld wie Kinder oder gesundheitliche Beeinträchtigungen. Meine Beobachtung geht zudem dahin, dass in der EU der illegale Handel mit Tabak aus dem Ostblock zugenommen hat.

Und das wirkt sich aus?

Klar, im Vergleich zu 1989, als ich im Laden angefangen habe, verkaufen wir nur noch ein Viertel an Tabakwaren. Als Fachgeschäft reichen wir aber nicht nur Zigaretten und Tabak über den Tresen, sondern fokussieren uns eben auch auf Sortimente wie Pfeifen und Zigarren. Aktuell sind zudem E-Zigaretten sehr gefragt.

Warum entscheiden sich die Leute für eine E-Zigarette?

Es fängt damit an, dass sie aufhören wollen zu rauchen. Kaugummis und Pflaster sind einfach zu teuer. Im Gegensatz dazu ist die E-Zigarette spottbillig. Viele finden dann Spaß an der Sache und reduzieren bei den Liquiden allmählich den Nikotingehalt. Ich habe viele Kunden, die haben sich auf null Milligramm Nikotin heruntergearbeitet. Dann sind nur noch Aromastoff und Disconebel im Liquid drin. Eine E-Zigarette ist eben auch ein Lifestyleprodukt.

Welches Missverständnis in Bezug auf die E-Zigarette begegnet Ihnen immer wieder?

Ich wird häufig gefragt, ob E-Zigaretten dampfen gesünder ist. Bei einer normalen Zigarette verbrennen 4000 Stoffe, bei einer E-Zigarette sind es vier. Jetzt kann man sagen: 3996 Stoffe fehlen, also muss es ja gesünder sein. Da aber der Hauptbestandteil, das Nikotin, immer noch enthalten ist, können wir einfach nicht sagen, dass es gesünder ist.

Welche Frage wird Ihnen zu Ihrem Whiskyangebot am häufigsten gestellt?

Warum die Preisspanne so groß ist. Eine Flasche „Johnny Walker“ zum Beispiel gibt es für 12,99 Euro, mein aktuell teuerster Whisky kostet hingegen 985 Euro.

Und warum gibt es die preislichen Unterschiede?

Bei einem Blend kippt die Destillerie viele nur ein oder zwei Jahre alte Whiskys zusammen. Dieser Mix darf dann auch noch gestreckt werden. Für die Single Malt Whiskys, die wir verkaufen, gibt es aber so eine Art Reinheitsgebot. Diese Whiskys sind mindestens sieben Jahre alt, in Schottland gelagert, gereift und abgefüllt und immer nur aus Gerste. Allein das Lagern kostet schon Geld. Weil jährlich zwei bis drei Prozent des Whiskys in den Fässern verdunsten, sind nach 20 Jahren in einem 500-Liter-Fass vielleicht nur noch 200 Liter. Mein 1000-Euro-Whisky ist 44 Jahre alt. Er wurde 1971 hergestellt und 2015 abgefüllt. Das ist ein Produkt aus dem Jahr, in dem ich geboren wurde. Das ist schon ein Highlight.

Den kaufen auch Leute in Melle?

Ja, wenn auch nicht häufig. Für einen vernünftigen Single Malt sollte man aber zumindest 30 Euro in die Hand nehmen. Der Preis hängt unter anderem mit der Fassauswahl, mit dem Alter und mit der Limitierung zusammen.

Wie wählen Sie Ihre Whisky-Sorten aus?

Ich bemühe mich, Whiskys einzukaufen, die es hier sonst nicht gibt. Vor wenigen Wochen war ich in Schottland. Und natürlich bringe ich von dort etwas mit.

Aber nicht im Koffer.

Doch, 10 Liter sind erlaubt; 13 Flaschen darf ich mitbringen. Und das habe ich dann auch getan. Ich kaufe in Destillerien Sorten ein, die es in keinem Internetshop gibt. Wir importieren inzwischen sogar selber Whisky. Ich habe mich mit Kollegen zusammengetan, die auch etwas Besonderes haben wollen. Vier bis sechs Fässer kaufen wir pro Jahr. Weil der Markt leer gefegt ist, kriegen wir aber nicht so viel Whisky, wie wir gerne hätten.

Und ich dachte, Gin sei derzeit die angesagteste Spirituose.

Kommt. Im Vergleich zu früher verkaufen wir auch unglaublich viel Obstler. Und zwar in Preislagen, von denen ich früher angenommen habe, dass wir so etwas nie verkaufen könnten.

Geben die Meller heute mehr Geld für Spirituosen aus als früher?

Ja, heute gilt: Lieber nur ein Glas trinken und etwas davon haben als fünf Gläser Billiges. Der Wunsch nach qualitativ hochwertigen Produkten ist bei uns stark steigend. Es wird in der Menge weniger gekauft, aber die Qualität steigt.

Ihre Whisky-Tastings helfen dann bei der Produktauswahl.

Wir stellen verschiedene Aromen vor – angefangen bei weichen über süßen zu kräftigen bis hin zu rauchigen Produkten. So kann jemand alle Geschmacksrichtungen kennenlernen. Die Sorten sind so unterschiedlich, dass nicht jeder alles mag.

Zu den Tastings kleiden Sie sich ja auch stilecht …

Ja, ich mag die schottische Kultur. Deshalb wollte ich unbedingt einen Original-Kilt haben. Ich hatte das Glück, dass ein Bekannter bei der britischen Armee in Osnabrück war und einen Kontakt nach London herstellen konnte. Dort ist ein Kilt für mich angefertigt worden. Jetzt habe ich ihn, nun ziehe ich ihn bei Whisky-Veranstaltungen auch an.

Und immer wieder kommt die Frage, was Sie unter dem Kilt tragen ...

Normalerweise fragen mich ältere Herren. Dann sage ich meistens: Du hast das falsche Geschlecht und das falsche Alter.

Ungewissheit gibt es sicherlich auch über Gewinne, die Lottogewinner bei Ihnen abholen.

Lotto-Annahmestellen zahlen nur Gewinne bis zu 500 Euro aus. Zwei-, dreimal pro Woche kommen Leute mit höheren Gewinnen zu uns. Dann wissen wir zwar, dass der Gewinn über 500 Euro liegt. Aber nicht, ob es 500 Euro und 30 Cent sind oder zig Millionen. Wir geben dann die Bankverbindung weiter, sodass die Lottogesellschaft den Gewinn überweisen kann. Falls uns der Kunde freiwillig die Gewinnsumme mitteilt, dann freuen wir uns mit ihm. Ich begreife Lotto immer als die einzige legale Art in Deutschland, um an Geld zu kommen.

Hat jemand Ihnen aus Dankbarkeit schon mal einen ausgegeben?

Wir haben schon ein paarmal Kuchen bekommen. Einmal gab es auch eine Flasche Sekt. Aber wir haben diesbezüglich keine Erwartungshaltung. Zumal wir ganz oft Gewinne auszahlen für Lottoscheine, die in anderen Annahmestellen abgegeben wurden. Uns Unbekannte aus Osnabrück, Dissen oder Bad Iburg kommen nach Melle, weil sie wohl einfach nicht wollen, dass Bekannte etwas von ihrem Gewinn erfahren.

Wie sehr ärgert es Sie, wenn Kunden in den Zeitschriften blättern?

Überhaupt nicht. Ich habe bei unseren 1000 bis 1200 unterschiedlichen Titeln eher ein Problem damit, wenn eine Zeitung an eine andere Stelle zurückgelegt wird. Das Rätselheft zum Beispiel zu den Frauenzeitschriften. Das finde ich dann nicht wieder. Gebe ich eine nicht verkaufte Zeitschrift nicht rechtzeitig dem Verlag zurück, muss ich sie selber bezahlen.

Welchen Trend gibt es bei Zeitschriften?

Bis vor Kurzem musste immer „Land“ davorstehen. Landlust, Landliebe, Landberge, Land-weiß-der-Fuchs. Dafür ist der Horizont überschritten, weil es einfach zu viele davon gibt. Was wirklich gut läuft und immer stärker wird, sind regionale Reisezeitschriften wie „Lust auf Bayern“ oder „Ostfriesland-Magazin“. Und was ich immer wieder erstaunlich finde: Kochzeitschriften sind gefragt. Manchmal kommen zehn Zeitschriften in der Woche mit Thermomix-Themen – dann weiß ich gar nicht, wo ich die überall hinstecken soll.


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