So kriegt Flohre Kaugummi aus Polstern Meller Kinobetreiber über den besten Platz im Saal und optische Folter

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Melle. Geht ein Kinobetreiber eigentlich auch selbst ins Kino? Und wie kriegt er Kaugummi aus dem Sitzpolster wieder heraus? Volker Flohre von den „Else-Lichtspielen“ in Melle-Bruchmühlen gibt in der Serie „Mein Job und ich“ Antworten auf Fragen, die in keinem Film gestellt werden.

Herr Flohre, wie oft sitzen Sie allein in Ihrem Kinosaal, um sich in Ruhe außerhalb der normalen Vorführungen einen Film anzuschauen?

Allein überhaupt nicht. Pro Jahr gucke ich höchstens zwei oder drei Filme komplett. Ansonsten prüfe ich Anfang und Ende eines Films, um entsprechende Schaltzeiten für Licht und Vorhang setzen zu können. Das war es dann aber auch.

Gehen Sie mal fremd und schauen in einem anderen Kino einen Film an?

Dazu habe ich gar keine Zeit. Früher, zu Analogzeiten, habe ich mir auf jeden Fall immer die erste Vorstellung angeguckt, um Fehler bei Klebstellen auszuschließen oder Bildsprünge aufzuspüren. Bei der digitalen Technik ist das nicht mehr nötig.

Gucken Sie Filme im TV?

Wann? (lacht) Ich bin ja abends im Kino und kann dann allenfalls im Büro fernsehen.

Welches ist Ihr Lieblingsfilm?

Oh Gott, ach nee. Das kann ich wirklich nicht sagen.

Welcher Film hat sich wirtschaftlich am meisten für Sie gelohnt?

Das war ein Teil aus der „Ice Age“-Serie. Vorne in dieser Liste liegen mehrere dicht beinander. Die „Harry Potter“- und „Bond“-Filme gehören auch dazu.

Verursacht die zunehmende Zahl der Streaming-Dienste Probleme für Kinos? Die Leute können Filme ja nun bequem zu Hause gucken …

Jein, hier auf dem Dorf ist das noch nicht so angekommen. Es ist wie beim Restaurant: Da muss ich mich auch entscheiden, ob ich das Bier zu Hause oder im Biergarten trinken möchte. Kinos haben eben einen Ausgehfaktor. Zu Hause kann man tontechnisch auch nicht den Sound aufdrehen – schon gar nicht in einer Mietwohnung. Und egal, wie toll das Heimkino ausgestattet ist: Es fehlt einfach die Raumgröße.

Abgesehen von der lokalen Nähe: Warum kommen die Menschen zu Ihnen ins Kino und fahren nicht in die großen Häuser nach Osnabrück oder Bielefeld?

Vielleicht weil es hier persönlicher ist. In den großen Kinos hat man keinerlei Ansprechpartner. Außerdem ist es hier deutlich günstiger.

Etwa auch wegen der Theke im Saal und der bequemen Möglichkeit, auf Tischen Getränke abstellen zu können?

Stimmt, das haben die großen Häuser in der Regel nicht. Mittlerweile schwenken diese aber ein bisschen um und versuchen, das als Premium-Kino zu verkaufen. Mit einem Aufschlag von zwei, drei Euro. Da kostet die normale Karte schon mal 13 Euro. Was im Kleinen schon seit Jahrzehnten vorhanden ist, wird da jetzt als Luxus-Kino angepriesen.

Erleben Sie Reinfälle bei der Auswahl der Filme?

Ja, „Interstellar“ war so ein Flop. Hier auf dem Lande hat der überhaupt nicht funktioniert. Da ich ihn zum Bundesstart hatte, hing ich anschließend drei Wochen im Vertrag mit dem Verleiher drin, sodass ich den Film trotz fehlenden Interesses zu den festgelegten Vorstellungen zeigen musste. Nachmittags war „Interstellar“ ein Komplettausfall. Das ist das Problem, wenn man nur eine Leinwand hat. Eigentlich bräuchte man heutzutage mindestens fünf, um alle Publikumsschichten zeitnah bedienen zu können. Bestimmte Filme muss man direkt zum Bundesstart zeigen oder gar nicht mehr. So werde ich zum Beispiel nicht mehrere Wochen nach Bundesstart damit anfangen, „Dunkirk“ oder „Planet der Affen“ zu zeigen.

Überlegen Sie, das Kino zu erweitern?

Nein, baufertige Pläne liegen zwar in der Schublade, aber ich denke mal nicht, dass es zur Umsetzung kommt. Das würde ich mir in meinem Alter auch nicht mehr antun wollen.

Wie erfahren Sie, ob den Besuchern ein Film gefallen hat oder nicht? Werden Sie direkt angesprochen?

Ich kriege die Gespräche mit, wenn die Leute das Kino verlassen. Beim „Pubertier“ zum Beispiel gehen die Meinungen weit auseinander. Von völlig begeistert bis völlig enttäuscht.

Stört es Sie, wenn Menschen das Kino während der Vorstellung verlassen?

Nein, das muss jeder Gast für sich selbst entscheiden.

Haben Sie häufig Probleme mit ins Polster geklebten Kaugummis oder umgekippten Flaschen?

Eher weniger. Manche Kinder oder Jugendliche können es aber nicht sein lassen. Der Kaugummi muss ins Polster geklebt werden statt ihn auf den Tisch zu legen. Warum auch immer.

Wie kriegen Sie den wieder raus?

Es gibt im freien Handel Kaugummientferner für Polstermöbel. Wenn er im Teppich sein sollte, vereise ich den Kaugummi, sodass ich ihn dann abziehen kann. Großmutters Mittel wirken mitunter Wunder.

Ärgern Sie sich, wenn Besucher eigene Getränke mitbringen?

Ich kann es nicht verhindern. Es gibt Kollegen, die Eingangskontrollen veranlassen, um das zu unterbinden. Solange es nicht überhandnimmt, dulde ich es noch. Aber erwünscht ist es nicht. Das Kino ist eben auch ein zertifizierter Gastronomiebetrieb. Ins Restaurant bringe ich mein Bier ja auch nicht mit.

Was machen Sie eigentlich während einer Filmvorstellung?

Büroarbeit.

Wie sehr profitieren Sie von 3-D-Filmen?

Den großen Hype wie damals zu „Avatar“ gibt es nicht mehr. Bedingt durch teilweise sehr schlechte 3-D-Produktionen hat sich die Filmindustrie das Produkt selbst etwas kaputt gemacht. Dennoch: Einen „Star Wars“-Film sollte man sicherlich in 3D zeigen, aber bei „Die Schöne und das Biest“ ist es nicht nötig. Den habe ich dann nur in 2D gezeigt – wie die meisten Kollegen auch. Bei den Kinderfilmen biete ich es oft doppelschienig an. Meistens ist die 2-D-Version deutlich besser besucht.

Wie oft bestellen Besucher Karten vor und kommen dann nicht?

Es hatte mal überhandgenommen, aber seitdem ich die Möglichkeit des Online-Kartenvorkaufs nutze, habe ich Reservierungen generell abgeschafft. Dadurch ist der Kunde nicht mehr daran gebunden, mindestens eine halbe Stunde vor Beginn die Karten abzuholen.

Welches ist aus Ihrer Sicht der beste Platz im Saal?

Es drängen immer alle nach Mitte hinten, dabei würde ich den mittigen Platz in der Reihe 3 nehmen.

In der dritten Reihe von vorne?

Ja, denn dort ist das Gesichtsfeld so, dass man in das Kinobild eintauchen kann. Aber gerade diese Plätze werden hier mit als Letztes gewählt. In manchen Großkinos hingegen kann man in den vorderen Reihen nicht das komplette Bild erfassen. Doch das hat nichts mit Kino zu tun, das ist dann optische Folter.


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