Gladbacher bereit für Europa Fanklub Borussen Metropole Grönegau will ins Ausland


Saisoneröffnung in Wellingholzhausen: Mitglieder der „Borussen Metropole Grönegau“ zelebrieren den Pflichtspielauftakt ihrer Borussia aus Mönchengladbach im DFB-Pokal – und stehen im dritten Teil unserer Serie über Meller Fußball-Fanklubs Rede und Antwort.

Wellingholzhausen. Auf der stimmungsvoll dekorierten Terrasse bei Familie Lindemann sind knapp 30 der insgesamt 71 Mitglieder zusammengekommen, um bei Bier und Bratwurst auf der ausgefahrenen Leinwand den mühsamen Gladbacher 2:1-Erstrundenerfolg über Rot-Weiß Essen zu verfolgen.

Neben der Saisoneröffnung veranstalten die Grönegauer Borussen-Fans jedes Jahr eine Weihnachtsfeier. Vier Fußballspiele ihrer Lieblinge verfolgen sie in Reisebus-Besetzung im Stadion, kleinere Gruppen sind ständig zu Spielen des Traditionsvereins unterwegs. „Einer von uns ist immer da“, sagt Doerte Krieger lachend.

Und passend zum einjährigen Bestehen begrüßte der Fanklub 2016 die damaligen Gladbach-Profis Branimir Hrgota und Andreas Christensen im Vereinsheim, dem Gasthaus Hubertus in Westerhausen. Auf die jungen Mitglieder hatte der Spielerempfang eine Wirkung wie Weihnachten und Nikolaus zugleich. „Sie standen, aufgeregt zitternd, vor der Tür des Gasthauses und fragten: ‚Wann kommen sie?‘“, erinnern sich die Erwachsenen. Die Bewerbung um die Aktion hatte Werner Meyer, der Pressewart der Grönegauer Borussen, in Mönchengladbach persönlich abgegeben. „Es hat geholfen“, bemerkt er zufrieden.

Doch warum Gladbach? Der Verein sei sympathisch, das wirke sich auf die Fans aus. Während Anhänger anderer Klubs oft gegen den Gegner seien, machten die Gladbacher nicht das gegnerische Team nieder, sondern feuerten das eigene an. Die Grönegau-Borussen schätzen nach eigenem Bekunden die Anhänger anderer Clubs und setzen sich für Toleranz ein. Wie zum Beweis hat man auch Kontakt etwa zu den benachbarten Bayern-Anhängern von „Rot-Weiß Bavaria Riemsloh“, die die Borussen schon in ihrem Bus zur Partie gegen Gladbach nach München mitgenommen haben. „In einem Teil des Busses wurden Gladbach-Lieder, im anderen Bayern-Gesänge angestimmt.“ Eine Wiederholung der gemeinsamen Tour ist gut möglich.

Seit knapp zweieinhalb Jahren gibt es den Fanklub. Die Mitglieder kommen aus allen Teilen des Grönegaus, auch ein Kieler hat sich angeschlossen. Die „Borussen Metropole“ wuchs schnell, die Tendenz ist weiter steigend. Als die 50er-Marke erreicht war, verhängte der Vorstand vorübergehend einen Aufnahmestopp. „Wir wollten zunächst eine Struktur schaffen“, erklärt der Vorsitzende Dirk Schorling. Die Vorstellung war, dass der Fanklub für die Fahrten zu Spielen einen Reisebus mit seinen Mitgliedern füllen kann.

Doch bald stellte sich heraus, dass nicht alle Anhänger ständig ins Stadion wollen. Deswegen ist man weiter offen für Grönegauer Neumitglieder, doch es müsse auch zwischenmenschlich passen. Es gilt die Maxime, dass mindestens ein Mitglied den Neuankömmling kennt oder dieser durch eine Empfehlung zur Gruppe stößt. „Wir sind wie eine Familie. Im Fanklub ist man füreinander da“, kommentiert Schorling.

Für Sohn „konvertiert“

Er brachte die Fanklub-Gründung auf den Weg, obwohl andere aus dem Kreis viel länger Gladbachfans sind. Wie Krieger, Meyer und Ansgar Lindemann. Sie zogen anfangs im Bulli durchs Fußballland. Auch Lindemanns inzwischen 19-jähriger Sohn Niklas ist Gründungsmitglied. Selbst zu den Auswärtsspielen ist er am Start. In einer früheren Phase Gladbacher Misserfolge „konvertierte“ Susanne Lindemann ihrem Sohn zuliebe ebenfalls zu den Borussen-Anhängern, wie sie erklärt: „Es ist nicht schön, wenn man das Kind leiden sieht.“ Nun sind alle Lindemanns Feuer und Flamme, ebenso Susannes Mutter Eva-Maria Goldmann, mit 71 Jahren ältestes Mitglied.

Schorling hatte bis vor drei Jahren eine Dauerkarte für den VfL Osnabrück, ehe seine Freunde ihn von der Fohlen-elf überzeugten. Zur Fanklub-Anmeldung entwarf er ein Logo, das inzwischen ein großes Banner und die schicken Fanjacken ziert.

Ob der Name der Vereinigung nicht etwas großspurig sei, fragt die Journalistin. Ein amüsiertes Nein aus der Runde. Er habe zunächst an „Borussen Meile Grönegau“ gedacht, erzählt der Vorsitzende. Klar sei gewesen, dass die Initialen das für „Borussia Mönchengladbach“ stehende „BMG“ ergeben mussten.

Die Metropolen-Variante passt gut zur Reiselust der Grönegauer – und zu deren sportlichen Wünschen: Sie möchten ihr Team einmal nach Berlin zum DFB-Pokalfinale begleiten und sich in der neuen Saison für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Es müsse nicht die Champions League sein, die Europa League reiche aus, gibt man sich bescheiden. Man gönne dem FC Bayern jetzt schon die nächste Meisterschaft. Aber Europa soll es für BMG bitte werden. „Denn wir würden gerne eine andere Metropole im europäischen Ausland besuchen“, scherzt Meyer von der Grönegau-Metropole.

Borussen Metropole Grönegau: Vorsitzender Dirk Schorling, Telefon 0173/5193363, Homepage: www.borussen-metropole-groenegau.de


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