Dekanatspastoralkonferenz Kirche sucht in Melle Dialog mit Landwirten

Von Norbert Wiegand


Wellingholzhausen. In ihrer vierstündigen Dekanatspastoralkonferenz am Mittwochnachmittag befassten sich Pastoren, Gemeindereferenten, Pastoralreferenten, Diakone, weitere Hauptamtliche und eine Nonne mit Fragen rund um die Landwirtschaft. Als Tagungsort hatten sich die 40 Kirchenleute aus dem Dekanat Osnabrück-Süd den Hof Niederniehaus in Handarpe ausgesucht.

Mit geführten Rundgängen über den Hof verschafften sich die Konferenzteilnehmer zunächst vor allem praktische Einblicke in einen modernen Milchviehbetrieb und hatten dabei, wie die spätere Diskussion zeigte, auch das Tierwohl im Auge. „Wie es einem Kalb wirklich geht, das kurz nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt wird, kann ich nicht ermessen und beurteilen“, bekannte Dechant Michael Wehrmeyer. Der allgemeine Eindruck war, dass es den Kühen und Kälbern gut geht.

Die Kirche sei vor allem auf den Menschen ausgerichtet, der Umgang mit Tieren spiele in der Theologie eine nicht so ausgeprägte Rolle, meinte Pastor Josef Ahrens. Dennoch deuteten einige Teilnehmer ein Unbehagen gegenüber einer „industriellen Landwirtschaft“ an. Es werde alles durchrationalisiert, immer größer und effektiver und darunter leide womöglich der schonende Umgang mit der Schöpfung.

Keine einfachen Antworten

Schwester Peregrina zeigte sich „beeindruckt, dass sich in der GbR Niederniehaus/Oberniehaus zwei Höfe und Familien zu einem Betrieb vereinigt haben, damit dieser für die Nachfolger erhalten bleiben kann“.

Die meisten Gesprächsteilnehmer ließen aber keinen Zweifel an einer weitverbreiteten guten landwirtschaftlichen Praxis. Es gäbe angesichts der sehr komplexen und vielschichtigen Materie keine einfachen Antworten. Die Kirche könne nicht entscheiden, was gute und was schlechte Landwirtschaft ist. Weitgehende Einigkeit bestand lediglich darin, dass die Verbraucher mit regionalen und saisonalen Lebensmitteleinkäufen sowie weniger Fleischverzehr zu einer positiven Entwicklung beitragen könnten.

„Im konstruktiven Dialog“

„Es ist die Aufgabe von Kirche, einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen“, meinte Johannes Buß von der Katholischen Landvolk-Hochschule (KLVHS) Oesede. Moderator Andreas Brinker (KLVHS) rief die Kirchenleute auf, auch in den Gemeinden mehr auf die oft zu Unrecht angegriffenen und teils verunsicherten Landwirte zuzugehen.

Geiz contra Tierwohl

Zuvor hatte die eingeladene Hauptrednerin Susanne Wiese-Wilmaring von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt erläutert, „dass wir genau die Landwirtschaft haben, für die wir uns an der Ladentheke entscheiden“. Das Ergebnis sei eine Förderpolitik für billige Lebensmittel. Denn: „Geiz ist geil und Tierwohl passen nicht zusammen.“ Dennoch habe sich ein Bewusstsein für globale Zusammenhänge entwickelt, das auch Nutztiere als Mitgeschöpfe betrachte.

„Den Ort für diese Pastoralkonferenz hatten wir während der desaströsen Milchpreiskrise ausgewählt“, blickte Dekanatsreferent Michael Göcking in seiner Begrüßung zurück. Aber auch der Ärger von Landwirten über öffentliche Äußerungen des Berliner Erzbischofes Heiner Koch würden den Gesprächsbedarf deutlich machen. Der Berliner Bischof hatte „katastrophale Zustände in den großen Tierfabriken“ ebenso kritisiert wie Abläufe, die die „Kreatur wie ein technisches Fließbandprodukt behandeln“.