Fotos in Freibädern In Melle erlaubt, in Nachbargemeinde verboten



Melle. In den Freibädern von Bünde, Rödinghausen und Kirchlengern herrscht ein striktes und grundsätzliches Fotografier-Verbot. In den Meller Bädern gibt es das nicht.

„Das Fotografieren in den Bädern der Stadt Melle ist grundsätzlich erlaubt“, erklärte Stadtsprecher Jürgen Krämer Anfrage. Er verwies aber auf die allgemeinen gesetzlichen Regelungen beim Ablichten fremder Personen. Deren „Recht am eigenen Bild“ und weitere Vorschriften gegen nicht gewollte Fotos war von der deutschen und europäischen Rechtssprechung in den vergangenen Jahren durch Urteile mehrfach gestärkt worden.

Das betrifft nicht nur Aufnahmen, die von Privatpersonen gemacht werden. Auch fotografierende Journalisten müssen seit 2004 erhebliche Einschränkungen bei der Berichterstattung über Details aus dem Privatleben von Prominenten hinnehmen. Dies ist das Ergebnis der sogenannten Caroline-Urteile, mit denen Caroline von Monaco konsequent und schließlich juristisch erfolgreich gegen die Veröffentlichungen von Paparazzi-Fotografien aus ihrem Privatleben vorgegangen war.

Insofern stützt sich die Meller Stadtverwaltung auf die bestehenden gesetzlichen Regelungen: Wenn fremde Personen fotografiert würden, sei dies nur mit deren Zustimmung gestattet. Für gewerbliche Zwecke bedürfe das Fotografieren zudem einer vorherigen Genehmigung durch die Stadtverwaltung.

„Kein Kommentar“

Auf die ungleichen Regelungen in Freibädern angesprochen, die nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt voneinander liegen, äußerte sich Stadtsprecher Krämer zurückhaltend: „Da jede Kommune frei entscheiden kann, wie sie mit dem Thema „Fotografieren in Freibädern“ umgeht, kommentieren wir die Regelungen nicht, die die Stadt Bünde sowie die Gemeinden Rödinghausen und Kirchlengern getroffen haben.“

Dort und in zahlreichen anderen deutschen Schwimmbädern wird mit dem Verbot versucht, ungefragt aufgenommene Bilder von Menschen in Bikini oder Badehose im Internet zu verhindern. Dazu kommt die Gefahr, dass Pädophile den unbefangenen Umgang von Kindern mit ihrer Nacktheit für Fotos ausnutzen.

„Plötzlich im Internet“

Auf den ersten Aspekt machen die Rödinghausener Schwimm-Meister Stefanie Schröder und Alexander Derksen aufmerksam. „Ich halte ein generelles Verbot angesichts der zahlreichen Smartphones mit Fotofunktion für sinnvoll“, betonte Stefanie Schröder. Es sei unglaublich, wie schnell manche Badegäste ohne ihr Wissen plötzlich mit Bild im Internet stünden.

Derksen zeigt auf die zahlreichen Verbotsschilder in seinem Bad. Schon am Aushang an der Kasse prangt- gleich neben dem Hinweis auf das Alkoholverbot- auch ein Piktogramm mit rot durchgestrichener Kamera. Weitere solcher Abbildungen finden sich auch im Außenbereich des Schwimmbads sowie auf den Türen zu Dusch- und Toilettenräumen. „Unser Fotografier-Verbot ist also unübersehbar“, hob der Schwimm-Meister hervor.

Umfasst auch Selfies

Er und seine Kollegin räumen zwar ein, dass sie bei Hochbetrieb nicht jeden ansprechen können, der Fotos macht. Schließlich habe zunächst einmal die Sicherheit der Badenden Vorrang. Dennoch stünden sie voll hinter dem Verbot. Das umfasse wegen seines generellen Charakters auch Selfies und beispielsweise Aufnahmen, die Eltern von ihren planschenden Kindern machen wollen. „Das können wir im Einzelfall nicht unterscheiden und daher gilt das Verbot für alle“, erklärte Derksen bestimmt.


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