Gut Böckel: Poetische Vielfalt Dagmar Manzel und Helmut Oehring in Rödinghausen

Von Marita Kammeier

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Rödinghausen. Eine von 24 Stationen des Musik- und Literaturfestes „Wege durch das Land“ war auf Gut Böckel. Dagmar Manzel und Helmut Oehring beeindruckten das Publikum mit ungewohnten Klangeffekten, während Daniel Kehlmann für Gruselstimmung im Kuhstall sorgte.

Bereits beim Betreten der malerischen Torhäuser mit Blick auf das klassizistische Herrenhaus und den Rilke-Turm tauchten die Besucher ein in eine andere Welt. Das alte Rittergut mit seiner besonderen Atmosphäre ist eng verbunden mit dem diesjährigen Motto „Von Heimat erzählen“.

Der Dreiklang des Festes mit Literatur, Musik und Ort kam im historischen Kuhstall voll zur Geltung. Dort erlebte das Publikum an zwei Abenden eine beeindruckende Vielfalt an Uraufführungen, Konzertlesungen und Musiktheater.

Direkt aus New York reiste Daniel Kehlmann an, einer der ganz Großen des deutschen Literaturbetriebes. In seiner schrägen Spukgeschichte schilderte der Autor neben philosophischen Betrachtungen auch den alltäglichen familiären Wahnsinn.

Ungewohnte Spieltechniken und Klangeffekte dominierten den musikalischen Part des ersten Abends. Mit Helmut Oehring trat einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschen Komponisten als Sprecher und Gitarrist auf die Bühne, begleitet von einem großartigen Ensemble mit hochkarätigen Solisten.

Mehrere Kompositionen und Musiktheaterproduktionen kombinierte Oehring als Sohn gehörloser Eltern eigens für diesen Abend. Der experimentelle Umgang mit Instrumenten und Stimme forderte das Publikum immer wieder heraus. Als zentrales Werk stand die Uraufführung von „Der Vogel weiß“ über ein Gedicht von Johannes Bobrowski auf dem Programm.

Impulsgeberin für das Musiktheater war Dagmar Manzel. Die als Tatortkommissarin bekannte Theater- und Filmschauspielerin sang, rezitierte und agierte zugleich als Ensemblemitglied. Ihr beachtliches Repertoire von sanft bis emotional-aufbrausend begeisterte die Zuhörer in jeder Szene.

Eindringlich und oft verstörend klangen die vokalinstrumentalen Vorträge mit wiederkehrenden Themen von Vögeln, Flügeln und Freiheit. „Oehrings Muttersprache ist die Gebärdensprache. Die erfährt wie die Musik eine Verdichtung und hat deshalb auch andere Grenzen“, erläuterte Helene Grass, die künstlerische Leiterin des Kulturfestivals.

Familie Heitkamp, die aus dem Ruhrgebiet anreiste, drückte es in einem anschließenden Gespräch mit den Künstlern so aus: „Zuerst fanden wir es sehr schwierig, doch dann kam so etwas wie Erleuchtung und es war wundervoll.“


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