Rothirsch im Jahr 1946 erlegt Eine Trophäe im Heimatmuseum Melle

Von Conny Rutsch

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Melle. Er steht im Meller Berg, das Haupt hocherhoben, und zeigt stolz sein prächtiges Geweih. Ein Rothirsch, allerdings in Bronze gegossen, ist seit einiger Zeit am neuen Weberhaus zu bewundern.

Das Besondere daran? Nun, Rotwild ist in unserer Gegend gar nicht zuhause. In den umliegenden Wäldern des Wiehengebirges gibt es wohl Damhirsche mit dem schaufelartigen Geweih nicht nur in Gattern, sondern auch in freier Wildbahn zu sehen, am Moseler Berg zum Beispiel. Rotwild aber kommt bei uns nicht vor, sondern erst wieder in der Grafschaft Bentheim oder im Bückeburger Land.

Ehemaliger Förster

Die von berufswegen neugierige Berichterstatterin wollte nun aber wissen, ob hier nicht vielleicht doch einmal ein Rothirsch erlegt worden ist. Sie befragte kurzerhand den ehemaligen Meller Förster Herbert Pabsch. Volltreffer. „Mein Vater und forstlicher Vorgänger Franz Pabsch, der Ende Mai 1970 aus dem Forstbeamtendienst in Pension ging, hat tatsächlich in den 1940er Jahren in Oberholsten einen Rothirsch erlegt“, erzählt er. Die Trophäe sei dem Meller Heimatmuseum geschenkt worden.

Uwe Plaß, der Vorsitzende des Meller Heimatvereins, öffnete also für einen Fototermin die Wagenremise des Heimatmuseums, in der alte landwirtschaftliche Gerätschaften ausgestellt sind. Und richtig. Über einem Fenster hängt die Rothirschtrophäe – ein ungerader Eissprossenzehnender. Die Jäger sprechen bei einem Geweih von ungerade, wenn eine Stange mehr Enden aufweist als die andere, die dann auch die Gesamtzahl ausmachen. Und die Eissprosse, die nicht bei allen Hirschen angelegt ist, sitzt als zweite über der unteren sogenannten Augsprosse – im Fall des Oberholstener Hirsches an seiner rechten Geweihstange.

Prächtiger Braten

Dem Erleger sei Dank, ist auf der Rückseite der hölzernen Trophäentafel ein Zettel angebracht, auf dem das Jagdjahr 1946, das Revier Oberholsten und der Schütze Oberförster Franz Pabsch vermerkt sind.

Was hatte denn aber nun dieser Rothirsch in Melle zu suchen, wenn er hier doch eigentlich gar nicht heimisch ist? Die Vermutung liegt nahe, dass er oder vielleicht sogar ein kleines Rudel durch das Kriegsgeschehen rundherum aus seinem Heimatrevier geflohen ist.

Etwas Pikantes hat diese Geschichte nun aber auch noch, insofern, als dass Oberförster Pabsch diesen Hirsch gar nicht hätte schießen dürfen, obwohl er selbstverständlich im Besitz einer gültigen Jagderlaubnis gewesen ist. Denn 1946 hatten die englischen Besatzer das alleinige Jagdrecht inne.

Den Jäger Franz Pabsch wird es einfach nur mächtig gefreut haben, dass ihm in den Jahren der Hungerszeit nach dem Krieg so ein prächtiger Braten vor die Büchse gelaufen ist, und verjährt ist diese Wilderei sowieso schon lange. Gefeiert haben die Jäger den seltenen Abschuss tagelang, so wird berichtet, und auch, dass das wohl noch nicht der letzte Rothirsch gewesen ist, der in den Meller Bergen sein Geweih präsentierte, wie der am Weberhaus... Möglicherweise erhält diese spannende Rothirschgeschichte noch eine Fortsetzung.


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