Frösche missachteten Montgomery Gut Ostenwalde Melle: Seit 700 Jahren in Familienbesitz

Von Christina Wiesmann


Oldendorf. Ein dreiflügeliges Herrenhaus im Barockstil, dazu ein großer Ehrenhof: Das einstige Rittergut Ostenwalde präsentiert sich auch mit fast 700 Jahren, umgeben von Wald und schöner Natur, von seiner besten Seite.

Zum Gut gehört auch die Orangerie – ein Teil der frühen Vorburg des Gutes, eine mit Wasserkraft angetriebene Ölmühle aus dem 15. Jahrhundert, die Ende der 80er Jahre komplett restauriert wurde und die Diedrichsburg in den Meller Bergen mit dem 1963 angelegten Wildschweinpark.

Pfaue spazierten umher

Neben dem markanten Gutsbauwerk mit seinen Nebengebäuden zieht auch der alte Wasserspeier – direkt an der Osnabrücker Straße gelegen – die Blicke Vorbeifahrender auf sich.

Urkundlich erwähnt wurde Gut Ostenwalde erstmals 1343. Seitdem ist es im Besitz der Familie von Vincke. Doch in der Geschichte des ehemaligen Rittergutes ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Ende des Zweiten Weltkriegs, am 5. April 1945, besetzen britische Truppen erstmals das Gut. Es dauert sechs Tage, bis die Familie von Vincke ihr Zuhause auf Anordnung der Befehlshaber räumen muss. Die Familie kommt zunächst in Oldendorf in der Gastwirtschaft von Karl Wesseler unter.

Elefantenstoßzähne im Büro

Feldmarschall Bernard Law Montgomery richtet unterdessen auf Gut Ostenwalde sein Hauptquartier ein – inklusive eines eigens gebauten Flugplatzes im „Westerfeld“ (das Gebiet nördlich der Osnabrücker Straße) für kleine einmotorige Flugzeuge. Erst 1957 endet die britische Besatzung unter Feldmarschall Montgomery und seinen Nachfolgern Sir Sholto Douglas und General Roberston und die Familie von Vincke kann auf ihr Gut zurückkehren.

Aus dieser Zeit gibt es viele Geschichten. Manche sind fast zu skurril, um wahr zu sein. So ließ Montgomery, der es gediegen und pompös mochte, Elefantenstoßzähne in seinem Büro aufstellen und in seinem Garten spazierten wunderschöne Pfaue umher, eigens für ihn besorgt aus Handarpe.

Nicht jeder unterwarf sich Montgomerys Willen

Der Feldmarschall war es gewohnt, dass die Befehle, die er erteilte, anstandslos und sofort ausgeführt und umgesetzt wurden. Aber nicht jeder unterwarf sich seinem Willen.

Eine Horde Frösche, die fröhlich im Gutsgarten an den Teichen herumquakte, hielt wacker dagegen an. Montgomery, so erzählt man sich, sei von dem Quaken der Tiere sichtlich genervt gewesen. Er ließ die Frösche deshalb einfangen und von seinem deutschen Personal an die Betonstraße zu den Teichen einer Sandgrube bringen. Die Ruhe auf Ostenwalde weilte jedoch nur kurz, denn die Frösche eroberten sich ihr Reich im Gutsgarten zurück. Die Tiere waren anscheinend völlig resistent gegen die Befehle des Feldmarschalls.


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