Neuen Kulturkreis kennengelernt Meller Senioren radeln in Rumänien durch Siebenbürgen


Melle. Die Senioren des Meller Alpenvereins hatten sich für ihre diesjährige Radtour ein außergewöhnliches Ziel ausgeguckt: Siebenbürgen. Der rumänische Landesteil ist touristisch kaum erschlossen. Dafür bietet er Einblicke in längst vergangene Zeiten.

Nachdem die Alpenverein-Senioren (70 bis 79 Jahre) im letzten Jahr Weißrussland erkundeten, sollte in diesem Jahr Rumänien das Ziel ihrer jährlichen Radtour sein. Den rumänische Landesteil Siebenbürgen – mit dem ehemals starken deutschen Bevölkerungsanteil – hatten sie ganz oben auf ihre Wunschliste gesetzt. Die Vorbereitung der Radtour gestaltete sich anfangs schwierig, ist die Gegend doch noch wenig touristisch erschlossen. Aber als die Senioren einen individuellen Stuttgarter Hobby-Reiseleiter, der Land und Leute kannte und ein begeisterter Radfahrer ist, gefunden hatten, konnten sie sich auf eine interessante Tour freuen. Mit fünf weiteren Radfahrern aus Schwaben bildeten sie eine homogene Gemeinschaft, die in 14 Tagen fast ganz Siebenbürgen bergauf und bergab durchquert und lieben lernte. Ein wunderschönes Land, finden die Senioren.

Gewaltige Bauwerke

Vor fast 20 Jahren haben die deutschen Siebenbürger-Sachsen ihre Heimat fast vollzählig verlassen, nachdem sie sich dort seit fast 800 Jahren angesiedelt hatten. Bis auf einige, wenige deutsche Sachsen zeugen heute nur noch ihre gewaltigen Bauwerke von einstiger Macht und Wohlstand: die Kirchenburgen zur Verteidigung gegen Überfälle der Tataren, der Osmanen und anderer Reitervölker aus dem Osten, ihre schmucken Dörfer und imposanten Städte – Hermannstadt, Kronstadt, Schäßburg. Überreste des gelebten Christentums nach evangelisch-lutherischem Bekenntnis waren ebenfalls zu finden. Die Rumänen selbst sind mehrheitlich orthodoxen Glaubens.

Pferdefuhrwerke beherrschen das Dorfbild

Das heutige Siebenbürgen ist in der Landwirtschaft etwa 40 bis 50 Jahre hinter dem Westen zurück. Das Pferdefuhrwerk beherrscht noch das Dorfbild, wenn auch eine einfache Motorisierung vorhanden ist. Besonders in den Städten gehören große Luxus-Limousinen zum Straßenbild. Da die meisten evangelischen Pfarrhäuser nicht mehr gebraucht werden – die Pastoren sind mit ihren Gemeinden ebenfalls nach Deutschland gegangen – sind diese Häuser oft zu kleinen Pensionen umgebaut worden. Sie dienten den Meller Senioren während ihrer Reise als Übernachtungsquartier. Die örtlichen Wirtsleute verpflegten die Radfahrer prächtig, manchmal sogar zünftig am offenen Feuer, berichteten die Senioren.

Kinderdorf für vernachlässigte Kinder

Von dem starken sozialen Engagement der evangelischen. Kirche, besonders aber der lippischen Organisation agape e. V. aus Bad Salzuflen, waren die Meller sehr beeindruckt. In den Karpaten konnten sie deren Kinderdorf für behinderte Kinder besichtigen. Besonders beeindruckte sie, was der persönliche Einsatz eines einzelnen Menschen für total vernachlässigte Kinder bewirken kann. Die Kinder können jetzt in schönen, neuen Häusern wohnen und werden liebevoll betreut.

Wanderung durch kilometerlange Schlucht

Jeder der Senioren hat in Siebenbürgen 14 intensive Tage erlebt, neben der körperlichen Anstrengung aber auch einen neuen Kulturkreis kennengelernt, ein großartiges Sinfoniekonzert in Kronstadt genossen, eine Bergwanderung durch eine kilometerlange Schlucht in den Karpaten unternommen, einen Viehabtrieb mit Wasserbüffeln erlebt, die Arbeit mit behinderten Kindern achten gelernt, Draculas Schloss besichtigt und in einem Salzsee gebadet, dessen Salzgehalt mit dem des Toten Meeres vergleichbar ist. Siebenbürgen war ein wirkliches Erlebnis, sind sich die Senioren einig.


0 Kommentare