Die „Canaillen Bagage“ zu Gast Don Quichotte auf dem Hof Finke-Gröne in Melle

Von Conny Rutsch


Melle. Das gabs noch nie in Buer: Theater auf einem Bauernhof unter freiem Himmel. Familie Finke-Gröne machte es am Sonntag möglich und gab der Canaillen Bagage mit „Don Quichotte“ eine zauberhafte Kulisse.

Buer. Wenn viele sich etwas ganz fest wünschen, scheint es zu nützen. Die Bitten um einen regenlosen Spätnachmittag erfüllten sich nach den Regenstunden, ein Frühsommerabend belohnte für viele Arbeitsstunden.

Die „Canaillen Bagage“, ein freies Theater aus Bielefeld, gab auf ihrer Straßentheatertournee ihren Einstand in Buer auf dem Hof von Heidi und Dieter Finke-Gröne. Vor der Remise, gefüllt mit Heuballen und bewohnt von Pferden, vor hohem Baumbestand und dem großen Giebel des niedersächsischen Bauernhauses, bauten die Theaterleute ihre kleine Bühne auf. Und schon nach ein paar Minuten fühlte es sich an, als habe sie immer dort gestanden. Ein roter Samtvorhang als Rückwand, bäuerliche Holzläden, eine Wäscheleine, mehr war gar nicht notwendig, um die Geschichten um den selbsternannten „Ritter von der traurigen Gestalt“ Don Quichotte (nach Cervantes und Bulgakow) in Szene zu setzen. Dieser macht sich mit seinem Pferd Rosinante und seinem Stallmeister Sancho Panza samt Esel auf in die Welt, um das Unrecht zu bekämpfen und Ruhm zu erlangen.

Schon der erste Auftritt der beiden Protagonisten zeigte die enorme Kreativität der Schauspieler und ihres Spielleiters Michael Zimmermann. Schließlich darf es nicht kindisch aussehen, wenn sich Pferd und Esel als herausgeputzte Pappkartons entpuppen. Eine kein bisschen lächerliche Idee, im Gegenteil. Diese Requisiten unterstrichen die tragische Figur des Ritters, der gar keiner ist, der in Windmühlen Riesen sieht, weil er die Welt von feindseligen Zauberern beherrscht hält, der ein Bauernmädchen in seiner Fantasie zur adligen Dulcinea von Toboso werden lässt und immer wieder mächtig verhauen wird.

Die zehn Schauspieler der Canaillen Bagage, Daniel Scholz, Sascha Kubiak, Christine Eichholz, Birte Eilbrecht, Ramona Kozma, Franz Potthoff, Vincent Castor, Michael Zimmermann, Kiki Rössler, Josef Bäcker, schlüpften im Handumdrehen in eine Rolle nach der anderen. Bauernmädchen, Gastwirtin, Kammermädchen, Barbier, Ordensmänner, Ritter, Pfarrer. Übergangslos und mit wunderschön passenden Kostümen entfachten sie die Fantasie der knapp 100 Zuschauer, die der Bueraner Verein Artig mit diesem Kulturereignis erreichen konnte und die deren Spiel hautnah erleben konnten.

Außergewöhnlich

Am Ende wird Don Quichotte vom Ritter des weißen Mondes, ein als solcher verkleideter Freund des Dorfpfarrers und Barbiers, zum Kampf gezwungen und muss besiegt nach Hause zurückkehren. Kurz nachdem er seine geistigen Verwirrungen erkannt hat, stirbt er.

Dieser Theaterabend der ganz besonderen Art, klein, fein, mit Schauspielern, die das Publikum mit Spielwitz und Sprachgenauigkeit fesselten, die außergewöhnliche bäuerliche Kulisse mit schnaubenden Pferden im Hintergrund, der schöne Sommerabend: perfekte und einmal ganz andere Unterhaltung. Mehr davon.


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