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Tag des offenen Denkmals Führung in St. Petri in Melle: Orgelpfeifen sind mit Eiweiß geklebt

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<em>Die eindrucksvolle </em>und prächtige Christian-Vater-Orgel in der Petrikirche. Foto: ArchivDie eindrucksvolle und prächtige Christian-Vater-Orgel in der Petrikirche. Foto: Archiv

Melle. Am „Tag des offenen Denkmals“ haben sich wieder einige Meller Einrichtungen beteiligt. Unter anderem bot die Petrikirche in Melle-Mitte eine Führung zur historischen Christian-Vater-Orgel an.

Die Orgel in der Petrikirche wurde im Auftrag des Fürstbischofs Ernst August im Jahre 1724 durch den Orgelbauer Christian Vater aus Hannover gefertigt. Vater war der norddeutschen Orgelbautradition sehr verbunden. Da er ein Schüler von Arp Schnitker war, führte er die handwerkliche Tradition seines Lehrers weiter.

„1995 wurde die Orgel durch den Schweizer Orgelbauer Bernhard H. Edskes restauriert. Im Laufe der Jahre Verlorengegangenes wurde originalgetreu nach dem Konzept Christian Vaters rekonstruiert“, so Orgelbaumeister Uwe Knaak, der im Rahmen des „Tages des offenen Denkmals“ diese eindrucksvolle Orgel anschaulich erklärte, während Organist Daniel Skibbe für die musikalische Untermalung sorgte.

Die Orgel verfügt über 2427 Pfeifen und kunstvolle Holzschnitzereien. „Die Flötenstimmen unterscheiden sich baulich von den anderen Stimmen. Diese Pfeifen sind aus Blei und mit einer Zinnfolie beklebt. Der Kleber dafür besteht aus geschlagenem Eiweiß, das so lange stehen gelassen wird, bis es beginnt, von selbst wieder zu zerfließen. Die Zinnfolie wird damit bestrichen und auf das Blei geklebt. Dieses Verfahren wurde gewählt, um die Eigenschwingung der Pfeifen nicht zu beeinträchtigen, erklärte Knaak.

Die Christian-Vater-Orgel in der Petrikirche verfügt über eine kleine, sehr feine, aber eindrucksvolle Besonderheit; der Zimbelstern oberhalb des Rückpositivs, der Pfeifengruppe hinter dem Organisten. Dieser Zimbelstern wird eingesetzt, um das Weihnachtslied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zu untermalen, und ruft eine Stimmung hervor, die Erwachsenen und Kinder intensiv lauschen lassen und viele Herzen berührt. Daniel Skibbe: „Ich setze den Zimbelstern auch gern in der Maienzeit ein, um das Erwachen der Maiglöckchen zu assoziieren.“

Die ganze Pracht der Orgel und ihr stimmliches Volumen konnte den Besucher in der von Skibbe gespielten Choralpartita von Georg Böhm „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig“ auf sich wirken lassen.


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