Diskussion mit MdB Spiering Meller Forderung: Mehr Pflege ans Patientenbett

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Ungezwungen ging es zwischen den Gesprächspartnern zu: MdB Rainer Spiering, die stv. Bürgermeisterin Annegret Mielke, Verwaltungsdirektor Christian Schedding und Ärztlicher Direktor Dirk Grothe (von links).. Foto: Christoph FrankenUngezwungen ging es zwischen den Gesprächspartnern zu: MdB Rainer Spiering, die stv. Bürgermeisterin Annegret Mielke, Verwaltungsdirektor Christian Schedding und Ärztlicher Direktor Dirk Grothe (von links).. Foto: Christoph Franken

Melle. Bei einem Informationsbesuch im Meller Krankenhaus sprachen Verantwortliche der Niels-Stensen-Kliniken gegenüber dem SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Spiering ungeschminkt aktuelle Problemfelder an.

Verwaltungsdirektor Christian Schedding führte per Power-Point-Präsentation in die Problematik ein, wonach deutsche Krankenhäuser in Zeitschriften und Zeitungen überwiegend negative Schlagzeilen machten. „Ich fordere da auch mal mehr Wertschätzung statt Misstrauenskultur“, so Schedding. Schließlich seien Krankenhaus-Mitarbeiter keine hart gesottenen Börsenmakler, sondern Menschen, die helfen wollten. Außerdem forderte Schedding weniger Bürokratie und sprach dabei „überflüssige Dokumentationen“ an. „Wir brauchen stattdessen mehr Zeit für die Patienten und mehr Pflege ans Patientenbett.“

Spiering pflichtete ihm in Sachen öffentlicher Wahrnehmung bei. Trotz aller Bemühungen um ihre Patienten stünden Krankenhäuser oft in der Kritik, was ihn persönlich betroffen mache. „Gesundheit in Deutschland ist keine Selbstverständlichkeit und das müssen wir den Menschen erklären“, sagte er.

Bernd Runde von der Geschäftsführung des Niels-Stensen-Verbundes sprach das Thema notwendige Qualitätsverbesserung an. Die Diskussion darüber nutze den Krankenhäusern, denn auch die Kostenträger würden dann damit konfrontiert. Aber diese Diskussion sollte sich auch den Realitäten vor Ort stellen. So schön beispielsweise ein Stationsapotheker im Grundsatz sei: auf dem Arbeitsmarkt gebe es schlichtweg keine Apotheker. Auch ein allgemeiner Pflegeschlüssel helfe nicht, sondern er müsse stationsbezogen sein. Zuschläge für gut qualifizierte Krankenhäuser, die dann den Pflegekräften zugutekämen, seien aber ein guter Ansatz meinte Runde.

„Anerkannt gute Arbeit“

Spierung lobte die „anerkannt gute Arbeit“ der Niels-Stensen-Kliniken im Osnabrücker Land. „Wenn dieser Verbund das Krankenhaus in Dissen übernommen hätte, dann gäbe es das auch noch.“

Der Politiker verwies auf die Budgetverhandlungen zwischen Krankenhäusern, Kassenärztlicher Vereinigung und rund 200 unterschiedlich leistungsfähigen Krankenkassen. „Das schafft eine strukturbedingt schwierige Gemengelage, in die die Politik nicht direkt involviert sei. Schedding erklärte in diesem Zusammenhang, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Zusammenspiel der drei genannten Akteure nicht passten. Das Gesundheitswesen in Deutschland sei daher eine Art Planwirtschaft.

Der Verwaltungsdirektor sprach auch das Problem der ambulanten Notfallversorgung am Klinikum Melle an. Im vergangenen Jahr seien 7000 Fälle behandelt worden, Tendenz steigend. „Vieles davon ist Husten, Schnupfen Heiserkeit, und die meisten Patienten kommen am Wochenende“, berichtete er. Das bedeute eine enorme Belastung für das Krankenhaus, führte er unter dem Nicken des ärztlichen Direktors Dirk Grothe aus. Zum 1. April sei auch noch die Vergütung dafür um rund zwei Drittel auf 4,74 Euro pro Arztkontakt heruntergestuft worden. „Schon vorher war es zu wenig, jetzt ist es eine Frechheit“, betonte Schedding.

Runde verlangte vor diesem Hintergrund frühzeitige und verlässliche Planvorgaben der Politik, die ja schließlich auf Bundesebene im Planungsausschuss sitze. „Wir brauchen eine strategische Krankenhausplanung.“

Runde ging auf den Fachkräftemangel ein. „Wir haben extreme Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte am Bett zu finden.“ Auch eine Lösung hatte er parat: „Wir kriegen die Leute nur in die Häuser, wenn besser bezahlt wird und die Belastung sinkt.“

Das bestätigte auch Pflegedirektorin Mareile Greiser, die bedauerte, dass die Pflege kaum eine Lobby besitze. Es dauere momentan bis zu einem halben Jahr, um eine frei gewordene Stelle wieder zu besetzen. „Wir haben bei Personalausfällen keine Puffer mehr.“ Die jeweiligen Arbeitsbedingungen vor Ort entscheiden darüber, ob die Leute im Klinikum bleiben oder nicht.“

Gerhard Klamer von der Mitarbeitervertretung bezog das auf alle Bereiche. Es gehe um Zusatzdienste, Notdienste und Wochenendarbeit. „Da überlegen junge Menschen genau, wo sie hingehen.“

Spiering verwies auf Verbesserungen bei den Ausbildungsvergütungen, die sicherlich hilfreich seien. Insgesamt aber gelte, dass Lösungen nur gemeinsam von allen Beteiligten gefunden werden könnten. „Politik allein schafft das nicht.“


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