Bedeutung Luthers für Melle Meller Autoren erforschen regionale Wege der Reformation

Von Marita Kammeier

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Neuenkirchen. Welche Auswirkungen hatte Luthers Protest auf den Grönegau? Der Einfluss reichte vom Schul- und Sozialwesen bis hin zu Kirche und Kultur. Das erforschte ein Autorenteam im Auftrag des Heimatvereins Neuenkirchen.

„Regionale Wege der Reformation“ Neuenkirchen/St. Annen/Königsbrück, so lautet der Titel des beeindruckenden geschichtlichen Werks mit einzigartigen, zum Teil unveröffentlichten Fotografien aus der Region. Die lokalhistorischen Studien sind ein Gemeinschaftswerk der drei Autoren Thilo Holzmüller, Gerhard Stechmann und Karl-Friedrich Freiherr von Richthofen.

„Der Prozess von der Idee bis zum fertigen Manuskript mit Änderungen und Layout zog sich über mehrere Monate hin“, erläuterte Christian Hoffmeister als Vorsitzender des Heimatvereins Neuenkirchen bei der Buchpräsentation.

Drei Themenbereiche gliedern die Dokumentation

Drei Themenbereiche gliedern die Dokumentation: die Reformation, das spannende Zusammenspiel der evangelischen Kirchengemeinde Christophorus und der katholischen Gemeinde St. Anna sowie die regionale Geschichte von Königsbrück.

Pastor Thilo Holzmüller erinnert an die Anfänge Martin Luthers und richtet den Blick dann auf den Fortgang bis zum Augsburger Religionsfrieden im Jahr 1555. „Der Ruf nach Reformation besaß im frühen 16. Jahrhundert eine ähnliche Qualität wie heute der nach Umweltschutz oder Nachhaltigkeit“, so beschreibt es der Autor Thomas Kaufmann in seinem Buch.

Nicht ohne den Schmerz

Das 500-jährige Jubiläum könne ohne den Schmerz über die von Luther ursprünglich nicht gewollte Spaltung der Christen in Deutschland und weltweit aber nicht gefeiert werden, erklärt Pastor Holzmüller in einer abschließenden Textpassage.

Der Chronist Gerhard Stechmann berichtet ausführlich über die geschwisterlich verbundenen Kirchengemeinden Christophorus und St. Anna. Zum Kirchspiel Neuenkirchen – erstmals im Jahr 1160 erwähnt, gehört auch die im Jahr 1009 urkundlich festgestellte Ortschaft Suttorf.

Die Kapelle in St. Annen war eine beliebte Wallfahrtstätte des Osnabrücker Landes, wo in vielen Gegenden mit konfessionellen Mischformen um den rechten Glauben gerungen wurde. Ein Kapitel widmet Stechmann dem Thema „Neuenkirchen im Dreißigjährigen Krieg“.

Der zweite große Brand im Jahr 1883

Ein einschneidendes Ereignis war der zweite große Brand im Jahr 1883. Damals überlebte der „Patriarch des Dorfes“, der aus rotem Sandstein gebaute Turm der Christophoruskirche, die damals über 1400 Sitzplätze verfügte.

„Heimatvereine gewinnen an Bedeutung in einer Zeit der Globalisierung und des schnellen Wandels. Die Menschen suchen Orientierung und geschichtliche Identifikation in vertrauter Umgebung“, erläuterte Karl-Friedrich Freiherr von Richthofen die Bedeutung des neuen Buches.

„Großartige Partnerschaft“

Die zur evangelischen Ritterschaft gehörenden Besitzer von Königsbrück, die Familie von Nagel, unterstützten erfolgreich die Hinwendung zum evangelisch-protestantischen Glauben. St. Annen mit Adelssitz Warmenau hielt am alten Glauben fest.

Im 17. und 18. Jahrhundert unterstützte das Haus Königsbrück die Gemeinde finanziell beim Aufbau der alten Kirche, der zweiten Pfarrstelle, Schulwesen, Armenhaus und Posaunenchor. „Heute besteht eine großartige Partnerschaft zwischen Heimatverein, Kirchengemeinde und allen Bewohnern in Neuenkirchen“, leitete von Richthofen in die Gegenwart über. Ein typisches Beispiel sei die Einführung der neuen Glocken gewesen.

  • Das Buch „Regionale Wege der Reformation“ ist zum Preis von zehn Euro im örtlichen Buchhandel, bei der Kirchengemeinde Neuenkirchen und im Heimathaus erhältlich.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN