Über den Tellerrand schauen Europatag in der BBS Melle

Deutlich gewachsen ist seit dem ersten Jahr die Zahl der Schüler der BBS Melle, die ein Praktikum im Ausland absolvieren. Beim Europatag erhielten sie jetzt ihre Zertifikate. Foto: Petra RopersDeutlich gewachsen ist seit dem ersten Jahr die Zahl der Schüler der BBS Melle, die ein Praktikum im Ausland absolvieren. Beim Europatag erhielten sie jetzt ihre Zertifikate. Foto: Petra Ropers

Melle. Das Ziel ist klar gesteckt: Die Berufsbildenden Schulen wollen Europaschule werden. In den einzelnen Fachbereichen hat der europäische Gedanke längst Fuß gefasst. Davon zeugten in diesen Tagen die Berichte und das große Interesse am Europatag.

Über 20 Schüler der BBS Melle sowie der BBS Wildeshausen und Nordhorn machten sich im vergangenen Jahr Halbjahr auf, im Rahmen eines Auslandspraktikums über den bundesdeutschen Tellerrand zu schauen. Damit ist die Zahl derer, die dem Motto der Veranstaltung gemäß „Europa entdecken“ in sechs Jahren um das Zehnfache gewachsen. „Europa hat sich in der BBS Melle etabliert“, hoben Inna Nordheimer und Neide Pedro von der Gesellschaft für Europabildung in Berlin hervor.

Selbstverständlich ist das nicht: „Europa ist für viele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln“, stellte Michael Wessler als stellvertretender Landrat fest. Umso wichtiger sei es, sich für und nach Europa zu öffnen. Und das gilt, betonte die stellvertretende Bürgermeisterin Christina Tiemann, keineswegs nur für die „große Politik“. Vielmehr seien gerade die persönlichen Verbindungen das Fundament, auf dem weiter am „Haus Europa“ gebaut werden könne.

Mehr Zeit für Arbeiten

An den BBS nutzen Schüler der Fachschule Sozialpädagogik bereits seit 2011 die Chance, ihr obligatorisches achtwöchiges Blockpraktikum im Ausland zu absolvieren. Mittlerweile schließen sich ihnen vermehrt auch Teilnehmer aus dualen Ausbildungsgängen an. Voraussetzung für sie ist das Einverständnis ihres Ausbildungsbetriebes. Zu ihnen gehört Simon Banse, der als angehender Zimmermann im nordirischen Derry je zwei Wochen in einem Zimmermannsbetrieb und einer Industrietischlerei arbeitete.

„Die Arbeitsweise ist zum Teil doch sehr abweichend“, stellte er während seines Aufenthaltes fest. „Man hat mehr Zeit für die Arbeiten. Alles geht etwas gemächlicher ab.“ Dass er mit „typisch deutscher“ Zielstrebigkeit die anfallenden Arbeiten kurz entschlossen in der Hälfte der Zeit erledigte, brachte ihm unverhofft eine Einladung zu einem weiteren, verlängerten Auslandsaufenthalt ein.

Als angehende Industriekauffrau im zweiten Ausbildungsjahr nutzte Laura Hübner die Gelegenheit, Erfahrungen in Nordirland zu sammeln. In einem Jugendzentrum, das Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche aus schwierigen familiären Verhältnissen ist, war sie mit den vielfältigen Aufgaben im Büro betraut. Auch Anne-Marie John macht eine Ausbildung zur Industriekauffrau. In Abstimmung mit ihrem Ausbildungsbetrieb Westland Gummiwerke wechselte sie zu dessen Tochterfirma nach Tschechien.

Hausboot und Kinderdorf

Dort blieb ihr neben der Arbeit in Versand, Büro und Auftragsabwicklung auch noch genügend Zeit für ihre große Leidenschaft: Die begeisterte Reiterin erhielt nicht nur die Möglichkeiten, vor Ort zu reiten, sondern nahm auch noch erfolgreich an einem Turnier in Tschechien teil. Grau, regnerisch und verschlossen? Mit London hat Maida Smajovic ganz andere Erfahrungen gemacht. Sowohl in ihrer Gastfamilie als auch auf ihrer Praxisstelle in einem Jugendzentrum habe sie sich sehr wohlgefühlt, berichtete sie von ihren Eindrücken. „London ist eine lebendige Stadt mit offenen und sehr freundlichen Menschen.“ Und auch das Wetter zeigte sich unenglisch von seiner besten Seite.

Breites Spektrum

Hausboot statt Gastfamilie lautete die Devise für mehrere Teilnehmer, die ihr Auslandspraktikum im niederländischen Leeuwarden absolvierten. Ihr Eindruck von der pädagogischen Arbeit vor Ort: „Alles ist entspannter als in Deutschland.“ Als sehr strukturiert und durchgeplant empfand Caroline Hemminghaus dagegen die pädagogische Arbeit in einer Tagesbetreuung für 0- bis 12-Jährige in Südfrankreich.

SOS-Kinderdorf und Jugendzentrum in Wien, Primary School in Derry, bilinguale Privatschule in Perpignon: Das Spektrum der Praktika war breit gefächert. Und die hielten keineswegs nur Arbeit bereit. Zum Europatag berichteten die Teilnehmer deshalb in Wort und Bild von Land und Leuten, von Herausforderungen und Highlights.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Erfahrungen waren sie sich jedoch in einem einig: Sie alle würden ein Praktikum im Ausland jederzeit weiterempfehlen.


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