Mühlenmax im warmen Backhaus Saisonauftakt an der Westhoyeler Mühle in Melle

Von Marita Kammeier


Riemsloh. Ein eisiger Wind zog über die Felder bis zur historischen Westhoyeler Windmühle, wo er die Flügel kräftig in Schwung brachte. Imker und Korbflechter erklärten am ersten Mahl- und Backtag des Jahres ihr Handwerk und der Duft von frisch gebackenem Brot und Butterkuchen lockte die Besucher in das warme Backhaus.

Auch Wanderergruppen aus Oldendorf und 25 Mühlenfreunde vom Herforder Alpenverein erreichten nach mehrstündigem Marsch erleichtert das schützende Remisendach. „Jetzt brauche ich Kaffee und ein deftiges Schmalzbrot“, erklärte ein 93-jähriger Westfale, der mit dem Auto angereist war, um seine Wanderkollegen in Westhoyel zu treffen.

Sehnsüchtige Blicke

Der kleine Raphael war gerade groß genug, um im Backhaus die Brote in Augenschein zu nehmen. Der Mühlenmax, ein süßes Brötchen aus Hefeteig mit Rosinen und Hagelzucker, hatte es dem Jungen besonders angetan. Bäckerin Beate Barmeyer sah die sehnsüchtigen Blicke und schenkte ihm eins.

„Heute ist optimales Müllerwetter“

Draußen drehten sich kontinuierlich die Mühlenflügel im Wind. „Heute ist optimales Müllerwetter, Sonne und Wind ist alles, was wir brauchen“, meinte der gelernte Hobby-Müller Detlef Rohde. Seine Kollegen zeigten den Besuchern inzwischen, wie früher das Korn zu Getreide gemahlt wurde.

Seit einem Monat putzte und reparierte das Müllerteam auf dem Gelände und in den historischen Gebäuden, um rechtzeitig zum Saisonbeginn alles perfekt präsentieren zu können. Die Mühlentechnik wurde auf Betriebssicherheit überprüft, die Segel vertäut, und die Flügel erhielten neuen Farbanstrich.

„Katzenstein“ abgeschmiert

Der sogenannte „Katzenstein“ wurde abgeschmiert, so bezeichnen die Müller wegen des Geruchs Ablagerungen auf der Flügelwelle. „Heute läuft alles rund. Das Bauwerk ist gut über den Winter gekommen“, erklärte Werner Schweer, der als Mann der ersten Stunde die Entwicklung des Mühlenvereins miterlebte.

Während einige Besucher entspannt unter dem Remisendach und im Müllerhaus saßen, schlenderten andere über den Markt. Reinhold Hellmann erzählte Geschichten über die Kunst des Honig-Gewinnens mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. „Von der Wabe bis auf den Frühstückstisch ist es ein weiter Weg.“

„Herrlich herzhaft“

Korbmacher Friedhelm Tewes zeigte sein Handwerk. Manuela Gläser und Yvonne Lanwert präsentierten ein buntes Programm von handgefertigter Kinderkleidung bis zu Schmuck und Seifen. Karla Krug stellte Dekoartikel vor, und Karl Rieke informierte über Tee, Marmeladen und Chutneys.

„Herrlich herzhaft“, bewertete Gustav Brune aus Spenge das Paprika-Chutney, bevor er sich auf den Heimweg machte. Der Senior ließ keinen Zweifel an der Wertigkeit der Veranstaltung: „Die Radtour zur Mühle haben wir auch an kalten Tagen fest im Programm.“


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