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21.04.2017, 15:55 Uhr KOMMENTAR

Fraktionsvorsitzende in Melle-Buer argumentiert ignorant

Kommentar von Michael Hengehold

Öznur Ilter mit Ortsbürgermeister Dieter Finke-Gröne. Archivfoto: Bernd ThyeÖznur Ilter mit Ortsbürgermeister Dieter Finke-Gröne. Archivfoto: Bernd Thye

Buer. Das umstrittene Facebook-Posting von Öznur Ilter, CDU/FDP/UWG-Fraktionsvorsitzende im Ortsrat Buer, zur „deutschen Hetzpresse“ ist nicht undifferenziert, sondern schlicht ignorant, meint unser Kommentator.

Es ist derzeit ungemein schwierig, mit Deutsch-Türken die Entwicklung der Türkei und die Politik von Präsident Erdogan zu diskutieren. Nationalstolz, heißes Blut und das Gefühl, von den Deutschen sowie immer schon wie Bürger zweiter Klasse behandelt worden zu sein, stehen dem ebenso im Wege, wie der weitgehend einseitige Blickwinkel, den viele Deutsche in Bezug auf Erdogan einnehmen. Das gilt auch und gerade für weite Teile der deutschen Medien.

Aber vor dem Hintergrund, dass kritische Medien in der Türkei zuhauf geschlossen und Journalisten und Oppositionelle eingesperrtund/oder mundtot gemacht werden, ausgerechnet die „deutsche Hetzpresse“ als alleiniges Problem zu benennen, ist nicht mehr undifferenziert, das ist ignorant. Zumal, wenn diese These garniert wird mit der Aussage, 65 Prozent aller Deutschtürken hätten mit „Ja“ gestimmt. Das waren gerade mal 400.000 von drei Millionen.

Öznur Ilter, die als erste Deutschtürkin im Ortsrat und angesichts der umstrittenen Fraktionsbildung mit CDU/FDP, sicherlich einen sehr schweren Stand hat, täte gut daran, nun langsam zu zeigen, warum sie sich eigentlich politisch im und für den Ort engagieren möchte. Aussagen wie bei Facebook helfen nicht, sie spalten.


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