Betreuung ist ein Dauerjob Judith Langsenkamp kümmert sich in Melle um Integration

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Bei der Integration hilft Sozialpädagogin Judith Langsenkamp (rechts) der aus Syrien geflüchteten Mutter Najwa Al Faluji und ihren Kindern. Foto: Norbert WiegandBei der Integration hilft Sozialpädagogin Judith Langsenkamp (rechts) der aus Syrien geflüchteten Mutter Najwa Al Faluji und ihren Kindern. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Die Betreuung der Flüchtlinge, die seit Sommer 2015 nach Melle gekommen sind, ist auch dann weiterhin nötig, wenn sie nicht mehr in einer Sammelunterkunft leben. In der zentralen Neuenkirchener und Riemsloher Sammelstelle ist die Diakonie zuständig, beim Übergang in eine dezentrale Wohnung übernimmt die Caritas die Flüchtlingssozialarbeit.

Inzwischen wurden für die große Mehrheit der in Melle angekommenen Flüchtlinge private und städtische Wohnungen gefunden. Deshalb hat der Beratungs- und Betreuungsbedarf durch die Caritas erheblich zugenommen. Im Juni 2016 wurde aus der ehemaligen Halbtags- eine Vollzeitstelle. Aktuell kümmert sich die Sozialpädagogin Judith Langsenkamp um 117 Erwachsene und 102 Kinder.

Dazu gehört auch die aus Syrien geflüchtete Mutter Najwa Al Faluji mit ihren beiden Kindern Joudi (6) und Janat (2). Joudi wechselt dieses Jahr vom Kindergarten in die Schule, Janat kommt dann in den Kindergarten. Bei der Beantragung der Schul- und Kindergartenplätze hat die Caritas-Flüchtlingsbetreuerin geholfen. „Bei Frau Al Faluji war das einfach, weil sie flüssig Englisch und schon ganz gut Deutsch spricht“, weist Judith Langesenkamp darauf hin, dass bei anderen Familien eine Übersetzerin benötigt wird.

Nachzug kann dauern

Die junge Mutter mit palästinensischen Wurzeln hat in eineinhalb Jahren schon ein recht gutes Verständigungs-Deutsch im Sprachkurs des Roten Kreuzes gelernt, der von der Caritas vermittelt wurde. Sie konnte im August 2015 direkt in eine Wohnung in Melle einziehen. Ihre Flucht hatte sie vorher von Italien über das Auffanglager Friedland und Bad Iburg nach Melle geführt.

„Für uns ist es ganz wichtig, die Sprache, die Kultur und die Gesetze unseres Gastgeberlandes kennenzulernen – wir haben hier viel bekommen und wollen etwas zurückgeben“, erklärt Najwa Al Faluji. Sie geht davon aus, dass es mindestens zehn Jahre dauern wird, bis in Syrien oder Palästina ein erträgliches Leben möglich sein wird, „vielleicht aber auch nie“. Der größte Wunsch der Familie ist, dass der Ehemann und Vater Alam Suleyman nachkommen kann, der noch in Damaskus lebt. Er wartet schon seit sieben Monaten auf einen Termin im deutschen Konsulat in Beirut.

„Das Nachzugs-Verfahren kann durchaus noch eineinhalb Jahre dauern, obwohl wir schon alle erforderlichen Unterlagen nach Beirut geschickt haben“, vermutet Judith Langsenkamp nach ihren bisherigen Erfahrungen. Der Familiennachzug, einschließlich der Legalisation vorhandener Dokumente, gehört mit zu ihren wesentlichen Aufgaben in der Flüchtlingssozialarbeit. Sie weist aber auch auf erfolgreiche Rückkehrberatungen hin, nach denen bereits zwei Familien zurück in den Libanon reisen konnten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung der Integration in den Arbeitsmarkt.

„Wir haben hier ein gut funktionierendes Netzwerk und eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt“, lobt die Osnabrücker Sozialpädagogin das große Engagement in Melle. „Hier gehen viele Menschen offen und herzlich auf die Flüchtlinge zu und unterstützen die Familien mit Energie und Lebensfreude“, hebt sie die Ehrenamtlichen hervor, ohne die sie ihre Arbeit gar nicht schaffen könnte. Eine arabisch sprechende Kollegin helfe, die Hemmschwelle bei den ersten Kontakten herabzusetzen. Als Projekte für die nähere Zukunft nennt sie eine Info-Veranstaltung zum Thema „Alkohol und Drogen“ und ein spezielles Angebot nur für Frauen, das gemeinsam mit der Diakonie und der Stadt entwickelt werden soll.


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