In Opernwelt träumen Märchenreigen im Konzert „Orgel trifft“ in Melle

Von Conny Rutsch

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Orgel trifft Märchenerzählerin: Sabine Meyer vom Erzähltheater Osnabrück erzählte Märchen, Stephan Lutermann spielte Geschichten an der Klausingorgel. Foto: Conny RutschOrgel trifft Märchenerzählerin: Sabine Meyer vom Erzähltheater Osnabrück erzählte Märchen, Stephan Lutermann spielte Geschichten an der Klausingorgel. Foto: Conny Rutsch

Melle. „Ohne Geschichten und Märchen wäre unser Leben ärmer“, sagte Stephan Lutermann in seiner Begrüßung zum „Orgel trifft“-Nachmittag am Sonntag in der St. Matthäuskirche Melle. Unter dem Titel „Es war einmal vor langer, langer Zeit“ hatte er die Märchenerzählerin Sabine Meyer vom Erzähltheater Osnabrück eingeladen.

Er selbst eröffnete das geschichtenreiche Programm an der historischen Klausingorgel mit der Ballettmusik „Reigen seliger Geister“ aus Christoph Willibald Glucks Oper „Orpheus und Eurydike“. Dieses Orchesterwerk schrieb der italienische Komponist Marco Enrico Bossi (1861-1925) unter dem Titel „Melodia di Gluck“ für Orgel um, das Stephan Lutermann in drei Teilen spielte. Die Zuhörer konnten sich in wunderschönen Melodien, die Stephan Lutermann mit zartem Soloregister über einer ruhig fließenden Begleitung eingerichtet hatte, in die theatralische Opernwelt Glucks träumen.

Vorwitziger kleiner Sonnenstrahl

Und dann wurde es richtig märchenhaft. Sabine Meyer begann ihren Märchenreigen mit der von ihr selbst erdachten Geschichte um den vorwitzigen kleinen Sonnenstrahl, den die Sonne am Morgen als erstes am Himmel platziert. Der aber ist eines Tages verschwunden und taucht am Ende der wunderbaren Geschichte als Lächeln im Gesicht der Menschen wieder auf. Mit sparsamen Gesten, sehr schön ausgearbeiteter Stimmdynamik und sehr akzentuierter Sprache erzählte Sabine Meyer, wie alle anderen Geschichten auch, frei und dadurch mit engem Bezug zum Publikum. Unterbrochen von einem weiteren Gluckwerk nahm sie die hochaufmerksamen Zuhörer mit „Das Hirtenbüblein“ und „Lebenszeit“ mit in die Märchenwelt der Gebrüder Grimm.

Triumphgesang der Engel

Mit dem Tongemälde für Orgel, der Auferstehung Jesu, des frühromantischen Komponisten Justin Heinrich Knecht zeigte Stephan Lutermann ein weiteres für das Kircheninstrument seltenes Programmmusikwerk. Sein Vater Hans-Erich Lutermann, für das Publikum nicht zu sehen, sprach Texte ein, sodass die Zuhörer die Schritte Jesu aus dem Grab oder den Triumphgesang der Engel in der Musik nachfühlen konnten. Aus den „Biblischen Historien“ von Johann Kuhnau führte der Organist kurze Zeit später vor, wie der Leipziger Thomaskantor schon 1700 das antike Epos des Streits zwischen David und Goliath nur mittels Musik transportiert. In kleinen Einschüben half auch hier der Sprecher, die klangmalerische Orgelmusik zu begreifen. Das freudige „Frohlocken der Israeliten“ mit Tanzen und Springen im Dreivierteltakt gereichte zu einem Höhepunkt der Orgelkunst.

Herausragende Orgelkunst

Bevor Stephan Lutermann mit dem dritten sehr kurzen Gluckwerk einen Schlusspunkt unter das Programm setzte, erreichte Sabine Meyer mit dem nachdenklich stimmenden „Irgendwann“ des 1954 geborenen österreichischen Dichters Folke Tegetthoff über einen bunten Vogel, der die alten Geschichten erzählt, um Freiheit und Brüderlichkeit über die Kugeln, die sie töten sollten, lachen lassen zu können, noch einmal mit Eindringlichkeit die Herzen der Zuhörer.

Mit seiner herausragenden Orgelkunst im Zusammenwirken mit der außergewöhnlichen Märchenerzählerin Sabine Meyer, präsentierte Stephan Lutermann mit seinem Konzept „Orgel trifft“ wieder einmal sein Publikum mit einem spannenden und ungewöhnlichen Programm.


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