Hohe Wellen auf Facebook Absurder Streit um Blühwiese in Melle

Von Kirsten Muck


Oldendorf. Geht’s noch? Das werden wahrscheinlich viele Meller gedacht haben, als sie auf Facebook den Post von Naturschützer Kai Behncke entdeckt haben. Der Initiator des Projekts „Blumiges Melle“ hat nämlich Nachbarn, die so gar nicht auf Insekten stehen. Im Gegenteil: Sie fordern ihn dreist auf, das Anlegen einer Blühwiese in Westerhausen zu unterlassen. Behncke hat die Flucht nach vorn angetreten und mit den Nachbarn geredet. Insektenfans werden die trotzdem nicht.

Als Kai Behncke am vergangenen Wochenende in sein E-Mail-Postfach guckte, traute er seinen Augen nicht. „Wir wollen und erlauben nicht, dass die Wespen, Bienen, Hornissen, Mücken und andere Insekten uns bei unserem Feierabendkaffee stören“, schrieben ihm die erbosten Nachbarn, die offensichtlich wenig über Insekten wissen und noch weniger über einen guten Umgangston. Unmissverständlich forderten sie ihn auf, sein Projekt zum Insektenschutz ad acta zu legen. Sie würden sogar die Stadt auffordern, die Blühwiese „zu mähen und zu spritzen“. In Unkenntnis der Sachlage – eine Kommune darf eine private Fläche gar nicht mähen – glaubten sie, damit Druck auf Behncke ausüben zu können. Die E-Mail gipfelte in der Drohung, im Zweifel selbst zum Spritzmittel zu greifen.

Lachen oder weinen?

Stoff genug also für einen handfesten Nachbarschaftsstreit. „Manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll“, kommentierte Behncke das Schreiben auf Facebook . Den anderen Nutzern war offenbar eher zum Heulen zumute. „Wie dumm manche Menschen sind“, stellte eine Mellerin entsetzt fest. „Erschreckend, wie fremd manchen Menschen die Natur geworden ist“, meinte eine weitere Userin. Andere Nutzer stärkten Behncke und seinen Mitstreitern den Rücken nach dem Motto „Lasst euch nicht unterkriegen“. Nicht nur im Netz, auch in Westerhausen ist der Streit ein großes Thema.

Garstige Nachbarn

Dass Behncke sich nun erst recht ins Zeug legen wird für sein Projekt , können Facebook-User seinem Antwort-Schreiben an die garstigen Nachbarn entnehmen. Das hat er nämlich ebenfalls veröffentlicht. Sachlich erklärte er darin, wo Wespen, Hummeln und Mücken nisten und dass die Nachbarn deshalb keine Sorgen vor der Blühwiese haben müssen. Außerdem wies er daraufhin, dass viele Wildbienenarten vom Aussterben bedroht sind. Er bot den Nachbarn sogar an, sich in einem persönlichen Gespräch auszutauschen. So viel zur Sachlichkeit.

Echter Hitzkopf

Dass Behncke auch anders kann, zeigt er im zweiten Teil seines Schreibens. Da fährt er härtere Geschütze auf: „Sollte ich feststellen, dass auch nur ein einziges (!!) Mikro-My-Milligramm von Pestiziden, Insektiziden (Neonicotinoide oder Neonikotinoide) von Ihnen in irgendeiner Form auf unsere Fläche gebracht wird, so werden Sie feststellen, dass auch ein Naturschützer ein echter Hitzkopf sein kann!“

Angst vor Insektenstichen

Der „Hitzkopf“ hat mittlerweile mit den Nachbarn gesprochen. Wer die Nachbarn sind, möchte er nicht sagen. „Das Gespräch war relativ vernünftig“, sagt Behncke. Zwar hätten die Nachbarn, die übrigens gar nicht direkt neben der Wiese wohnen, immer noch die Sorge, dass es dann vor Insekten nur so wimmelt und sie ständig gestochen würden. „Die Drohungen aus dem Schreiben haben sie aber zurückgenommen“, berichtet er erleichtert. Denn er möchte nicht eines Tages vor einer niedergemähten oder toten Wiese stehen. „Wir legen diese Wiese mit über 100 Grundschülern aus Westerhausen an“, sagt er. „Wenn die jemand zerstören würde, würde das nicht nur mich treffen, sondern auch die Kinder, die uns helfen und alle, die uns unterstützen.“

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Für das Projekt „Blumiges Melle“ gab es den Klimaschutzpreis .


Blühwiesen bieten zahlreichen Insekten nicht nur reichlich Nektar und Pollen, sondern auch einen sicheren Platz zum Nisten. Vor allem Wildbienen suchen in diesen Wiesen Schutz. Sie nisten im Boden oder in verholzten Blumenstängeln. Deshalb sollen Blühwiesen auch zwei bis drei Jahren stehenbleiben. Hornissen und Wespen hingegen sind Höhlenbrüter. Sie nisten gerne in alten Schuppen, Holzverschalungen an Terrassen oder Nischen in Dachböden.