Ausstellung in Osnabrück Dramen und Rettungen als Graphic Novel aus Melle

Von Christoph Franken und Christian Ströhl

Große und kleine Formate nutzten Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer in der Ausstellung, um die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer zu verdeutlichen. Foto: Christoph FrankenGroße und kleine Formate nutzten Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer in der Ausstellung, um die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer zu verdeutlichen. Foto: Christoph Franken

Melle. Volles Haus am Donnerstagabend im Remarque-Friedenszentrum Osnabrück: Der Meller Künstler Peter Eickmeyer und seine Frau Gaby von Borstel stellten erstmals in großem Rahmen Bilder und Konzept ihrer neuen Graphic Novel „Liebe deinen Nächsten“ vor.

Zahlreiche Meller darunter auch Bürgermeister Reinhard Scholz, nutzten die Gelegenheit, sich über das neueste Werk der beiden Neuenkirchener zu informieren. International Furore gemacht hatten Eickmeyer und Gaby von Borstel 2014 mit der Adaption des weltberühmten Remarque-Romans „Im Westen nichts Neues“ als Graphic Novel.

Drei Wochen lang waren die beiden an Bord des Schiffes „Aquarius“, mit dem die Organisation „SOS Mediterranee“ Flüchtlinge aus dem Mittelmeer rettet. Ihre Erlebnisse dokumentieren sie in der Graphic Novel „Liebe deinen Nächsten“, die im Mai erscheinen soll.

In der Friedensstadt

Nach der Begrüßung durch Martin Siemsen vom Remarque-Zentrum wies Osnabrücks Bürgermeisterin Birgit Strangmann auf die Bedeutung der Ausstellung in der Friedensstadt Osnabrück hin. Die Intention der Hilfsaktionen und die künstlerische Umsetzung durch die beiden Meller passe hervorragend zu den friedenskulturellen Aktivitäten der Hasestadt.

Dort hatten Eickmeyer und von Borstel übrigens während eines Vortrages im Oktober 2015 auch Klaus Vogel als den den Vorsitzenden der Hilfsorganisation „SOS Mediterranee“ kennengelernt. Daraus entstand die Idee, dieses Projekt mit künstlerischen Mitteln zu unterstützen. „Wir wollten die Humanität auf eine kulturelle Ebene heben“, sagte Eickmeyer. Einen Einblick gewährte nun seit Donnerstag die Ausstellung im Friedenszentrum.

Die beiden Meller erklärten anhand einer Power-Point-Präsentation die Organisation von Flüchtlingshilfe im Mittelmeer, an der zahlreiche Schiffe von Küstenschutz. Marine und zivilen Hilfsorganisationen beteiligt sind. Anhand ihres eigenen Bordbuchs schildert Gaby von Borstel auch den Ablauf einer Aktion von der Rettung der Flüchtlinge aus Schlauchbooten auf hoher See bis zur Übergabe der Geretteten an die Behörden im Hafen von Messina.

Nähe und Distanz

Entstanden sind auf der dreiwöchigen Fahrt Bilder wie die des „Glückspaares“, das Porträt eines Pärchens von der Elfenbeinküste, das sich kurz nach dem Erreichen eines Strandes aus den Augen verloren hatte. „Erst an Bord der ‚Aquarius‘ haben sie sich wieder getroffen“, sagte von Borstel, die als Autorin der Graphic Novel Interviews mit Flüchtlingen führte. Das Bild „Ray of Hope“ (Lichtblick) wiederum geht auf Distanz und zeigt ein überfülltes Schlauchboot auf dem Meer im Lichtschein eines Strahlers treiben.

Lesung in Melle

Apropos Distanz: Die Ereignisse auf dem Boot veränderten Eickmeyers Blick und somit auch seine Bilder, die ab der Hälfte des Buches darum einen stilistischen Bruch haben. Zunächst kolorierte er seine Grafiken mit dem Computer. „Das ist eine distanzierte Herangehensweise. Ich habe den richtigen Zugang zu der Thematik gesucht“, erklärte er.

Nach dem ersten Kontakt mit Flüchtlingen auf dem Boot verschwand aber die Distanz – persönlich, körperlich und künstlerisch. Ab „Einbruch der Wirklichkeit“ verarbeitet er seine Eindrücke in Gouache-Bildern.

Etwa 100 Seiten dick soll diefür Mai geplante Graphic Novel sein. „Sie schildert unsere Erlebnisse, aber rückt die Geflüchteten in den Fokus“, sagte von Borstel. „Liebe deinen Nächsten“ könne wie eine Geschichte gelesen werden und sei obendrein eine Dokumentation der Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer. Buchhändler Michael Sutmöller kündigte am Rande der Veranstaltung für Mai eine Lesung in Melle an.

Die Ausstellungsbesucher ließen sich anschließend von den beiden einzelne Bilder und deren Entstehungshindergründe erklären. Zahlreiche Fragen bewiesen, dass dasThema über die tägliche traurige Realität hinaus die Menschen nachhaltig bewegt.