Dankeschön-Abend der Stadt Melle „Für sensible Menschen nur schwer zu ertragen“

Von Marek Majewsky

Im Fokus des Abends: die Künstler  Nader Sweid, Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer (von links) zusammen mit Bürgermeister  Reinhard Scholz (2. von links). Foto: Marek  MajewskyIm Fokus des Abends: die Künstler Nader Sweid, Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer (von links) zusammen mit Bürgermeister Reinhard Scholz (2. von links). Foto: Marek Majewsky

Melle. Die Stadt Melle dankte am Wochenende allen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern bei einem gemeinsamen Abend im Forum. Im Fokus standen das Ehepaar Eickmeyer und der syrische Künstler Nader Sweid. Die Berichte der drei sorgten für emotionale Reaktionen im Publikum

„Das Boot ist völlig überfüllt, die Menschen sitzen in Reihen bis an den Rand gedrängt“, erzählt Gaby von Borstel. Sie war zusammen mit ihrem Mann Peter Eickmeyer drei Wochen auf dem Rettungsschiff „Aquaris“ im Mittelmeer. Bereits nach zwei Tagen hatte das Boot 650 Geflüchtete aufgenommen. Ihre Erfahrungen verarbeiten die beiden gerade in eine Graphic Novel. Dabei sind dem Ehepaar die schlimmsten Bilder erspart geblieben. Andere Helfer berichten ihnen von Menschen, die noch auf den Gefährten ertrunken sind. „In der Mitte der Boote sammelt sich häufig ein Gemisch aus Wasser und Benzin. Das führt einerseits zu Verätzungen aber auch dazu, dass die Flüchtlinge so benommen sind, dass sie das Bewusstsein verlieren und noch unterwegs sterben“, so Gaby von Borstel. Für die, die gerettet werden, ist das Schlimmste vorerst überstanden. Umgehend wird medizinische Hilfe angeboten und schwangere Flüchtlinge werden versorgt. An Bord der „Aquaris“ wurden bereits drei Babys geboren, so von Borstel.

Im Anschluss hatte auch ein syrischer Künstler die Möglichkeit, sich und seine Werke vorzustellen. „Es ist mir eine Ehre hier sein zu dürfen“, bedankte sich Nadar Sweid . „Viele von uns verlieren ihre Eltern und Kinder im Mittelmeer.“ In seinen Werken verarbeitet er seine eigene Fluchtgeschichte, die ihn über Italien und die Niederlande nach Deutschland gebracht hat.

Während die Erlebnisse geschildert werden, lauscht jeder Zuhörer gebannt. „Für sensible Menschen war das nur schwer zu ertragen“, schildert Randi Habighorst Koordinatoren der Flüchtlingsinitiative Neunkirchen nach den Vorträgen. „Mich hat es zu Tränen gerührt. Unfassbar, was Menschen erleben und auf sich nehmen müssen“, so Sigird Janauschek-Akgün.

Sichtlich berührt und um Fassung bemüht war auch Bürgermeister Reinhard Scholz. Er erinnerte daran, dass auch die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Flucht waren und Schutz brauchten. Zuvor bedankte er sich in seiner Begrüßungsrede bei allen ehrenamtlichen Helfern. „Sie sind Gutmenschen im buchstäblichen Sinne des Wortes. Nämlich gute Menschen.“ Ihn selber würde die gefühlte Zunahme an Hass in der Gesellschaft vor viele Fragen stellen, da es uns in Deutschland und auch in Melle wirtschaftlich so gut nie zuvor gehe.

Im Anschluss bestand die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen. „Das ist ein schönes Treffen, um sich mit den anderen Helfern und auch der Verwaltung auszutauschen und zu vernetzten“, sagte Habighorst.