Müller: Denkmalschutz schadet Juwel des Mühlenbaus in Melle gerät unter die Räder

Von Christoph Franken


Riemsloh. Schon um 1100 erstmals urkundlich erwähnt und seit dem 30-jährigen Krieg im Privatbesitz der Familie Martmüller: die idyllisch gelegene Martmühle an der Warmenau in Hoyel. Die Wassermühle steht unter Denkmalschutz und das sorgt bei den Eigentümern für Verdruss.

Wilhelm Martmüller (77), einer der ältesten Müller Niedersachsens, betrieb die Wassermühle bis 1969. Bis dahin wurde dort neben Mehl und Futtermitteln auch Flachs zur Leinenherstellung verarbeitet. Seitdem liegt die Anlage im Dornröschenschlaf und Martmüller und seine Frau Angelika hadern sei Jahren mit dem Denkmalschutz.

Die zuständigen Behörden haben nämlich das Mühlengebäude, das Turbinenhaus mit Wehr, die Gewölbebrücke über die Warmenau und das Maschinenhaus als Baudenkmal eingestuft. Das Hauptgebäude und das Maschinenhaus sind wegen „der noch vorhandenen technischen Ausstattung“ zusätzlich als Einzeldenkmal gelistet worden.

Unberührt davon ist ein Nebengebäude, in dem eine modernere Anlage mit einer Nennleistung von 30 kW seit 2003 aus Wasserkraft Strom erzeugt. Diese Energie nutzen die Martmüllers und ihr Sohn Martin auf dem Gelände selbst und speisen den Überschuss ein.

Seit Jahren über Kreuz

Wilhelm Martmüller macht kein Geheimnis daraus, dass er mit Melles Denkmalpflegerin Inge Bredemeier seit Jahren über Kreuz liegt. „Wir wollen raus aus dem Denkmalschutz, denn nur dann können wir wieder machen, was wir wollen“. Momentan nämlich seien ihnen als Eigentümer die Hände gebunden. „Wir können nichts tun und müssen zusehen, wie alles verfällt“.

Salpeter in den Wänden

Martmüller befürchtet mit Blick auf die wegen Einsturzgefahr kürzlich abgerissene Windmühle in Melle-Mitte ähnliches für seine Mühle: „Die Geschoßdecken im Mühlengebäude sind eindeutig einsturzgefährdet, denn sie sind über 100 Jahre alt und in den feuchten Wänden steckt Salpeter drin“.

Grundsätzlich ist der Eigentümer eines Denkmalobjektes zwar gesetzlich verpflichtet, es zu erhalten, sofern das nicht wirtschaftlich unzumutbar ist. Genau diese Unzumutbarkeit hat Martmüller unter Hinweis auf die geringe Rente des Ehepaars bei den Behörden geltend gemacht und seinerseits um Fördermittel gebeten.

Vom Landesamt für Denkmalpflege aber kam bisher kein Geld. Auch auf den Vorschlag des Müllermeisters, das Amt möge ein Konzept zur Erhaltung und Nutzung der alten Bausubstanz aufstellen und die notwendigen Arbeiten auf eigene Kosten durchführen, reagierte die Behörde nicht.

2009 antwortete Melles damalige Bürgermeister André Berghegger auf ein Schreiben Martmüllers, in dem er die Frage aufgeworfen hatte, wie weit denn nun ein öffentliches Interesse an der Erhaltung der Martmühle gehe. Aber auch Berghegger durchschlug den Gordischen Knoten nicht, sondern warf in seiner Antwort neue Fragen unter anderem nach Nutzungsänderungen auf. Seitdem tut sich nichts.

„Am liebsten würde ich alles rausreißen und an Betreiber anderer historischer Mühlen abgeben, aber das darf ich nicht. Geld gibt es aber auch keins. So werden wir hier völlig allein gelassen und alles verfällt, das tut mir im Herzen weh“, sagte der alte Müllermeister kopfschüttelnd.


Riemsloh. Geschichten ranken sich um die alte Mühle, die ihr den Beinamen Mordmühle eintrugen.

So soll eine Magd vor 300 Jahren, als die Müllersleute in der Kirche waren, von sieben Räubern überfallen worden sein. Es gelang ihr, sie nacheinander im Stall mit einer Axt zu erschlagen, als sie einstiegen. Die Körper und abgetrennten Köpfe versenkte sie in der Warmenau.

Die Mühle war auch Grenzstation. Ein Bauer aus Hoyel hatte ein Pferd nach Herford verkauft, musste es aber verbotenerweise selbst über die Grenze bringen. Nachts im vollen Galopp übertölpelte er die schlafenden Grenzjäger, raste über die Brücke und wurde vom Gewehrfeuer nicht getroffen. Als er sich aber umsah, blickte er auf ein Gespenst hinter sich, erschrak und stürzte samt Ross in die Warmenau, wo sie ertranken.

Glück dagegen hatte eine junge Frau, die den Sohn des Schmieds in Spenge heiraten sollte, aber den Müllerssohn liebte. Als das herauskam, wurde sie vom Schmied als Hexe angeklagt und bei der Hexenprobe im Mühlteich unter das Wehr gezogen. Das Schaufelrad blieb in diesem Augenblick stehen und sie floh am anderen Ufer mit ihrem Liebsten.