Neues Buch von Annette Panhorst Varus tappt in die Falle – in Melle

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Viele historische Orte aus der Römerzeit im neuen Buch von Annette Panhorst befinden sich im Gebiet der heutigen Flächenstadt Melle. Foto: Norbert WiegandViele historische Orte aus der Römerzeit im neuen Buch von Annette Panhorst befinden sich im Gebiet der heutigen Flächenstadt Melle. Foto: Norbert Wiegand

Melle. An den Römerschanzen im Meller Berg erlitt der römische Feldherr Varus seine erste Verwundung und eine entscheidende Schlacht folgte auf dem Hochplateau zwischen den heutigen Orten Melle und Bad Essen – so deutet Annette Panhorst die Schriften römischer Geschichtsschreiber in ihrem neu erschienenen Buch „Wo war Varus?“.

Die Hobby-Historikerin stützt sich in ihrem 356 Seiten umfassenden Werk vor allem auf Aufzeichnungen und Berichte der Historiker Florus, Paterculus und Tacitus. Nach ihrer Einschätzung beruht die verbreitete wissenschaftliche Auffassung teilweise auf Ortsverwechselungen und immer wieder übernommenen Schreibfehlern.

So sei mit dem Fluss „Lupia“ (= Lippe) ursprünglich vermutlich der Fluss „Lepia“ (= Hase) gemeint gewesen. So manche historischen Ortsbeschreibungen ergäben nämlich im Zusammenhang mit der Lippe überhaupt keinen Sinn. Aber wenn man von der Hase ausgehe, werde alles stimmig.

Neues Bild vom Geschehen

Aus diesen und anderen Umdeutungen entwickelt sie ein ganz neues Bild vom Geschehen rund um die vermeintliche Varus-Schlacht. Dabei spielt das Gebiet der heutigen Flächenstadt Melle eine entscheidende Rolle. In ihrem Buch geht es um das Rittergut Warringhof, die Vorgänger-Festung am heutigen Standort der Diedrichsburg, die Bedeutung der Bifurkation in der Römerzeit und die Römerschanzen. Auch der Versorgungsweg zwischen den Römerlagern Xanten und Minden führte vom Osnabrücker Hasetor entlang von Hase und Else bis ins Werretal, also quer durch den heutigen Grönegau.

Panhorst bestreitet, dass die Varus-Schlacht in Kalkriese stattfand. Dort handele es sich um eine spätere Schlacht zwischen Germanicus und Caecina auf römischer Seite und Arminius auf germanischer Seite. Diese Möglichkeit wird inzwischen auch von Fachleuten in Betracht gezogen. Ihr neues Buch beschäftigt sich mit der Geografie und Chronologie der römischen Okkupation im Zeitraum von Drusus bis Germanicus. Es lässt die Jahre von 15 v. Chr. bis 17 n. Chr. Revue passieren.

Gegen die „Marsch-Theorie“

Insbesondere widerspricht Panhorst der „Marsch-Theorie“, nach der tausende römische Soldaten während eines Marsches überfallen und vernichtet wurden. Vielmehr geht sie von einer Katastrophe in einem großen Heerlager aus (Lager-Theorie), das sie im Gebiet des heutigen Osnabrücker Stadtteiles Fledder ansiedelt.

Bei völliger Dunkelheit eindringendes Wasser hätte in dem geschlossenen Drei-Legionen-Lager eine Panik ausgelöst, sodass sich die Römer großenteils selbst erdrückt hätten. Dabei bezieht sich die Autorin auf historische Quellen von Florus, Velleius und Tacitus.

Die Marsch-Theorie hingegen stütze sich auf den griechischen Historiker Dio, der erst 200 Jahre später in Kleinasien „eine schöne Geschichte“ über die Varus-Schlacht verfasst habe, ohne seine Informationsquellen zu nennen.

Weitere Teile des Buches beschäftigen sich mit dem Leben und den Feldzügen des Germanicus. Panhorst beschreibt, wie und in welchem Umfeld Germanicus die Toten der Varusschlacht findet und bestattet und was Historiker dazu schreiben. In ihrem 2008 erschienenen Buch „Leichenfledderei im Teutoburger Wald“ ging sie bereits auf den Ursprung der Ortsbezeichnungen „Fledder“ oder „Auf dem Fledder“ ein.

Annette Panhorst (72) wurde beim Schreiben von ihrem Ehemann Friedhelm Panhorst kritisch begleitet und unterstützt.

Beide sind im Historischen Verein Bielefeld engagiert. Die einstige Uni-Sekretärin, die heute in Enger lebt, hält auch Vorträge und diskutiert anschließend gerne mit Geschichts-Interessierten.

Das Buch „Wo war Varus?“ gibt es ab sofort im Buchhandel und im Internet und auch als E-Book.


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