Aus Sicherheitsgründen Akute Einsturzgefahr: Historische Mühle in Melle abgerissen

Von Christoph Franken

Nicht zu retten: Ein Abrissbagger machte am Dienstag der Mühle aus dem Jahr 1860 den Garaus. Foto: Marek MajewskyNicht zu retten: Ein Abrissbagger machte am Dienstag der Mühle aus dem Jahr 1860 den Garaus. Foto: Marek Majewsky

Melle. Die historische Windmühle in Drantum an der MZG-Straße ist Geschichte: Am Dienstag veranlasste der Eigentümer aus Sicherheitsgründen den Totalabriss.

Sicherheitsgründe werden zwar oft und gerne von Interessierten angeführt, wenn es um die Beseitigung von alten Bäumen und missliebigen Gebäuden geht. In diesem Fall aber erhielt der Eigentümer volle Rückendeckung von der städtischen Denkmalpflegerin Inge Bredemeier und dem anerkannten Mühlenexperten Günter Oberschmidt. „Da war nichts mehr zu retten“, fasste die Denkmalschützerin zusammen.

Schon lange bekannt

Nach ihren Worten beschäftigte das Bauwerk wegen seines maroden Zustands schon seit Jahren die Bauaufsichtsbehörde der Stadt. Wegen einer möglichen Gefährdung habe der heutige Eigentümer das Gelände auch schon seit längerem abgesichert.

Der größte und verhängnisvolle Schlag war der Mühle allerdings bereits vor rund 30 Jahren zugefügt worden. Damals war dem Bauwerk im Zuge einer Renovierung eine überdimensionierte Kappe aufgesetzt worden, die in keiner Weise dem historischen Vorbild entsprach. „Damit war der Denkmalschutz für das Gebäude weg“, bedauerte Inge Bredemeier.

Füße verfault

Sie schilderte den aktuellen Zustand vor dem Abriss: Demnach war das gesamte Tragegerüst der Mühle einsturzgefährdet, die Balken in einem desolaten Zustand und die Standfüße verfault“. Daher habe sich der Eigentümer jetzt richtigerweise zum Abriß entschieden, um Gefahren abzuwehren.

Ähnlich äußerte sich auf Anfrage der Vorsitzende des Mühlenvereins Westhoyel, Günter Oberschmidt. Der Mühlenexperte kennt die Anlage in Drantum aus eigener Anschauung. „Die tragenden Elemente sind pulverisiert und es bestand die akute Gefahr, dass das Bauwerk vom nächsten Wind umgeworfen wird“, sagte er. Die gesamte Holzkonstruktion sei „durch und durch“ vom Holzbock zerstört. „Es ist wirklich schade um die Mühle, aber es ist auch zu verstehen, dass es nun so gekommen ist.“

Das Thema wird mittlerweile auch intensiv in Meller Facebook-Gruppen diskutiert.


1860 war die Mühle in Drantum als achteckiger Erdholländer von Müller Schröder gebaut worden. Nach dessen Konkurs 1899 kaufte Heinrich Due die Mühle, die bis 1910 weiterhin mit Wind betrieben wurde. Danach wurde bis 1988 elektrisch gemahlen. Müllermeister August Due, der 2014 im Alter von 104 Jahren starb, veranlasste vor 30 Jahren die Renovierung der Kappe. Due sorgte 1988 auch dafür, dass die seit 1979 flügellose Mühle wieder Demo-Flügel erhielt. fr/Wikipedia