Politiker greifen Thema auf Meller Tierschützer fordern Kastrationspflicht für Katzen

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Freilebende Katzen werden zum Problem in Melle. Tierschützer, Jäger und einige Politiker in Melle fordern nun eine Kastrationspflicht für frei lebende Katzen. Foto: Julian Stratenschulte/dpaFreilebende Katzen werden zum Problem in Melle. Tierschützer, Jäger und einige Politiker in Melle fordern nun eine Kastrationspflicht für frei lebende Katzen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Melle. Die Zahl der verwilderten Katzen nimmt in Deutschland stetig zu. Auch in Melle werden die Tiere zum Problem. Sie vermehren sich völlig unkontrolliert, reagieren aggressiv auf Menschen und jagen Singvögel und kleinere Tiere im Wald. Deshalb plädieren Tierschützer, Jäger und Politiker in Melle für eine Kastrationspflicht.

Mit einem Antrag auf Kastrations-, Kennzeichnungs und Registrierungspflicht für frei lebende Katzen will die CDU/FDP-Gruppe im Rat das Thema auf die Tagesordnung setzen. Zuerst soll sich der Ausschuss für Feuerwehr, Sicherheit, Ordnung und Verkehr damit befassen. Hintergrund ist die steigende Zahl frei lebender Katzen in Melle.

Äußerst aggressiv

„Die verwilderten Katzen sind oft in einem schlechten Zustand und wenn wir sie in Obhut nehmen, sind sie ewig bei uns, weil die ganz schwer zu vermitteln sind“, erzählt Anita Bockrath vom Tierschutz Melle. Manchmal hätten sie Glück und könnten diese Tiere an Reiterhöfe oder an Bauern vermitteln. Als „verwildert“ bezeichnen die Tierschützer Katzen, die kaum Kontakt zu Menschen haben und deshalb äußerst aggressiv reagieren, sobald sich ihnen ein Mensch nähert. Das könnten schon die Welpen sein, die auf dem Heuboden eines Bauernhofs geboren werden und mehrere Wochen gar keinen Menschen sehen, erklärt Bockrath.

Katzen-AIDS breitet sich aus

Sorge macht der Tierschützerin nicht nur die steigende Zahl der verwilderten Katzen, sondern auch die Krankheiten, die diese Tiere vermehrt haben. Katzen-AIDS ist hier das Stichwort. Eine Immunschwächekrankheit – wie beim Menschen auch – die den erkrankten Katzen ein jämmerliches Ende beschert. „Die verlieren an Gewicht und bauen körperlich total ab“, erklärt Anita Bockrath. „Die sind ganz dünn und klapperig, haben struppiges Fell und entzündetes Zahlfleisch“, ergänzt ihre Kollegin Panela Opitz. Übertragen wird das Virus durch Körperflüssigkeiten. Kater laufen häufiger Gefahr, das Virus zu bekommen. Sie infizieren sich bei Revierkämpfen. Dann stecken sie ein Weibchen beim Deckungsakt an. Die Kitten haben dann ebenfalls das Virus. So breitet es sich kontinuierlich aus.

Übertragung von Krankheiten verhindern

Eine Kastrationspflicht käme den beiden Tierschützerinnen also sehr gelegen. „Da würden wir uns total freuen“, sagen sie. Dann würden erst gar nicht so viele verwilderte Katzen entstehen. Denn aus ihrer Sicht muss die Zahl der Katzen eingedämmt werden, damit auch die Übertragung von Krankheiten verhindert werden kann. Denn auch Hauskatzen können sich bei verwilderten Katzen anstecken.

Vogelbestand gefährdet

Rückendeckung bekommen die Tierschützerinnen von den Jägern in Melle. Bei der halbjährlichen Hasenzählung entdecken die Jäger immer wieder Katzen im Wald, die anscheinend niemandem gehören. „Die Katzen verteilen sich in den Revieren und jagen natürlich Vögel und Jungtiere, vor allem Junghasen“, berichtet Fritz Mithöfer, Vorsitzender der Jägerschaft Melle. Der Vögelbestand sei dadurch gefährdet. Um die Zahl der verwilderten Katzen in den Meller Wäldern einzudämmen, wünschen sich auch die Jäger seit Jahren eine Kastrationspflicht.

Kastration kostet bis zu 110 Euro

Dass es mit dem Antrag und einer entsprechenden Verordnung zur Kastrationspflicht nicht getan ist, weiß auch Heiko Grube von der CDU, der sich mit Tierschützern und Jägern zusammengesetzt hat. Denn Kastrationen kosten Geld. „110 Euro für eine Katze und 65 Euro für einen Kater“, weiß Anita Bockrath. „Für uns als Verein ist das ein echter Kraftakt. Darum können wir uns nicht alleine kümmern“, gibt die Tierschützerin zu Bedenken. Deshalb will Grube auch, dass die Stadt Gelder für Kastrationen bereitstellt, wenn eine Verordnung auf den Weg gebracht wird. „Das Problem wird nicht von jetzt auf gleich zu lösen sein“, sagt Grube. Es müsse aber strukturell angegangen werden.

„Wenn es so eine Verordnung gibt, haben wir als Verein auch eine Handhabe gegen die Leute, die sich weigern, ihre Katzen zu kastrieren“, sagt Panela Opitz. Denn nicht alle Katzenbesitzer seien einsichtig und würden das Problem erkennen. „Viele meinen, das reguliere sich von selbst“, erzählt Opitz. Die Realität sieht jedoch anders aus.


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