Leser beobachten Rückgang besorgt Sind Elstern schuld am Vogelschwund in Melle?

Von Kirsten Muck

Katzen können den heimischen Vögeln ganz schön zusetzen, wenn sie deren Nester plündern. Elstern sind allerdings genauso fies. Foto: Patrick Pleul/dpaKatzen können den heimischen Vögeln ganz schön zusetzen, wenn sie deren Nester plündern. Elstern sind allerdings genauso fies. Foto: Patrick Pleul/dpa

Melle. Vor Weihnachten berichteten wir über die Stille in Meller Gärten. Unzählige Leser haben sich daraufhin gemeldet und ihre Beobachtungen geschildert.

Die Beobachtungen fallen unterschiedlich aus. Während wenige Leser von einem Rückgang der Vögel noch nichts bemerkt haben, rätselt ein überwiegender Teil der Leser besorgt, was mit den Vögeln geschehen sein könnte und warum nur noch so wenige in diesem Winter zu den Futterhäuschen kommen.

Kein Hochbetrieb mehr

Vor allem in Melle-Mitte scheint der Vogelschwund Ausmaße angenommen zu haben, die die Gartenbesitzer aufschreckt. Aus diesem Stadtteil kommen die meisten besorgten Anrufe zu diesem Thema. „Bei uns ist kein Hochbetrieb mehr am Futterhäuschen, nicht so wie in den letzten Jahren“, bemerkt Bodo Kasper aus Altenmelle. Kaum Singvögel, dafür aber viele Saatkrähen sieht der Leser derzeit in seinem Garten. Auch Jürgen Altmann aus Melle beklagt, dass manche Arten vollkommen verschwunden seien. Kleinere Singvögel würden von größeren Krähen, Falken und Elstern vertrieben oder sogar getötet. Auch Katzen seien ein Problem.

Gefräßige Elstern

Helmut Brinkmann aus Wellingholzhausen hat sogar Buch geführt und die Vogelarten aufgelistet, die er in den letzten Jahren in seinem Garten regelmäßig beobachten konnte. Stieglitz, Grünfink, Kernbeißer, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Dompfaff und Kleber seien nicht mehr da, so seine verheerende Bilanz. Buchfinken, Drosseln, Spatzen, Amseln, Kohl- und Blaumeisen sieht er zwar noch, aber wesentlich weniger. Auch er hat beobachtet, wie Elstern im Sommer Jungvögel aus den Nestern geholt und gefressen haben. Auch aus Eicken-Bruche berichten zwei Leserinnen, wie gefräßig sich Elstern über die Nester der Singvögel hergemacht hätten. Allerdings scheinen nicht nur Elstern und Krähen den Singvögeln den Garaus zu machen. Zahlreiche Leser berichten von Katzen, die durch die Nachbarschaft schleichen und die Nester plündern. Sie habe eine große Anzahl von Katzen in ihrer Nachbarschaft, die im Sommer ständig auf der Lauer gelegen und die Nester in den Hecken geplündert hätten, berichtet Uta Schürmann per Email. Leider hätten die Besitzer kein Verständnis für die Nöte der Vögel.

Rückgang nicht beobachtet

Während andere vor einem leeren Futterhäuschen sitzen, ist bei Horst Bartsch in Wellingholzhausen noch „der Teufel los“, wie er schreibt. Einen gravierenden Rückgang hat er nicht beobachtet. Zwar seien weniger Meisen und Rotkehlchen da. Buchfinken, Zaunkönige, Spatzen und Drosseln sieht er jedoch regelmäßig an seinem Futterhäuschen. Auch Marie-Luise Krämer aus Bennien sieht noch etliche Singvögel in ihrem naturbelassenen Garten. „Die Artenvielfalt ist noch da, aber es sind nicht mehr so viele“, berichtet sie. Einige Leser vermuten auch, dass die Vögel noch im Wald sind, wo das Nahrungsangebot ausreichend ist.

Wildheit verschwindet

Dass die Beobachtungen so unterschiedlich ausfallen, macht die Suche nach der Ursache nicht leichter. Viele Leser haben bereits Elstern, Krähen und Katzen als die Schuldigen ausgemacht. „Denkbar wäre es“, sagt Kai Behnke vom Gnadenhof Brödel in Westerhausen. Allerdings hält der Umweltschützer es für wahrscheinlicher, dass die Nahrungskette für die Vögel über die Jahre eingebrochen ist. Wenig Pflanzenvielfalt in den Gärten und der Natur führe auch zu einem Rückgang der Arten in der Tierwelt, so Behnke. „Wenn nichts mehr wild ist, verschwindet insgesamt die Wildheit“, stellt er fest. Deswegen setzt sich Behnke in einem Projekt für das Anlegen von Blühwiesen in Melle ein.

Zu wenig Nachwuchs

Auch Fritz Mithöfer, Vorsitzender der Jägerschaft Melle, hat mit Blühflächen in seinem Revier schon gute Erfahrungen gemacht. Er habe dort in diesem Jahr mehr Fasane entdeckt als in den letzten Jahren. Bezüglich der Singvögel kann er die Sorge der Meller gut nachvollziehen. Auch er beobachtet den Rückgang besorgt. „Jedes Gelege, dass durch Elstern oder Katzen kaputt gemacht wird, schlägt zu Buche“, sagt er. Er hat zwei Ursachen für den Rückgang ausgemacht: „Die Nahrungsgrundlage geht zurück und die Vögel haben zu wenig Nachwuchs.“

Auch im Wald weniger Vogelgezwitscher

Doch nicht nur in den Gärten ist weniger Vogelgezwitscher zu hören. Dieter Wiesner, Bezirksförster für Melle-Nord, ist auch im Wald überrascht, wie still es geworden ist. „Insgesamt fehlt eine ganze Menge in der Vogelwelt“, sagt er. Einen Mangel an Nahrung hat Wiesner nicht ausgemacht. Der Wald liege voller Früchte. Die Theorie, dass die Vögel alle noch im Wald seien, weil es dort noch genug zu fressen gibt, kann er nicht bestätigen.

WWF macht dramatische Verluste aus

Die Tier- und Naturschutzstiftung WWF hat übrigens die Verlierer des Jahres 2016 bekannt geben. Mit auf der Liste stehen die Wald- und Wiesenvögel in Europa. In der Pressemitteilung heißt es dazu: Die Intensivierung der Landwirtschaft in Europa ist die Hauptursache für dramatische Verluste in der Vogelwelt.


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