Chuchi Grönegau: Sterne-Niveau Neun Meller Männer kochen vor Begeisterung

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Melle/Neuenkirchen. Zu den Höhepunkten des Jahres gehört im Männerkochclub „Chuchi Grönegau“ das Festessen vor Weihnachten. Zum gemeinsamen Verzehr des Sechs-Gänge-Menus laden die neun kochenden Männer auch ihre Partnerinnen ein.

Dieses Jahr begann der festliche Gourmet-Abend mit einem Meller Trunk und raffinierten Köstlichkeiten zur Begrüßung. Es folgten die winterliche Kraftbrühe „Mistkratzerl“, Lachs mit Sauerkrautkruste, Pampelmusen-Sorbet, Wildschweinragout, gefüllter Kassler und Orangenküchlein im Weckglas mit Madarineneis auf Schokohippe.

„Ich muss nur einen Gang selber kochen und kann fünf Gänge genießen“

„Ich muss nur einen Gang selber kochen und kann fünf hervorragend zubereitete Gänge für wenig Geld genießen“, so begründet Thomas Schröder seine Mitgliedschaft in der Koch-Bruderschaft. Ein weiterer Grund ist für ihn die gute Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. „Man lernt voneinander und gibt sich gegenseitig Tipps“, ergänzen Rüdiger Albers und Werner Schodry. Die beiden erörtern an der Arbeitsplatte, wie dünn der Fenchel geschnitten werden muss, damit er gleichzeitig und passend mit dem anderen Gemüse gar wird.

Der „Löffelführer“

Zum Kochabend mit anschließendem Essen kommt die „Chuchi Grönegau“ jeden Monat einmal zusammen. Neben dem Weihnachtsessen gibt es pro Jahr zwei weitere Festmahle mit geladenen Damen: Das Frühjahrs-Essen und das Sommergrillen.

Die Hobbyköche mit Anspruch kommen in einer Schulküche zusammen, weil dort genügend Herdplatten, Arbeitsplätze und Kochgeräte zur Verfügung stehen. Einige Tage vorher treffen sie sich, um Rezepte für die Gänge abzusprechen und zu verteilen. Mit der Besorgung der stets frischen Zutaten wird der „Löffelführer“ beauftragt, der ebenfalls für eine ansprechende Tischdekoration, passende Weine und den gesamten Rahmen zuständig ist. Diese verantwortungsvolle Aufgabe wechselt von Monat zu Monat. Sie lag beim Weihnachtsessen in den Händen von Nicolai Jelinek.

Die „Chuchi Grönegau“ ist eine von 122 Koch-Gemeinschaften der Chuchi-Bruderschaft in Deutschland in der Ordensprovinz Weser-Ems-Niedersachsen. Der Meller Ableger wurde vor 23 Jahren gegründet und entstand aus einem VHS-Kurs. „Von den Gründungsvätern ist heute keiner mehr dabei“, berichtet Uwe Dütscher. Der heutige Chuchi-Leiter ist vor 18 Jahren in den Kochclub aufgenommen worden. „Damals herrschte noch ein richtiges Regiment“, blickt Dütscher zurück.

Neue mussten früher Kartoffeln schälen und Gemüse putzen

Neue Mitglieder mussten in jener Zeit zunächst Kartoffeln schälen und Gemüse putzen. Erst nachdem sie ein erstklassiges Omelette präsentiert hatten, wurden sie als „Apprenti“ (= Lehrling) aufgenommen. „Unsere heutigen neuen Mitglieder kommen schon mit guten Vorkenntnissen zu uns und bringen manchmal viel Koch-Erfahrung mit“, erklärt Dütscher.

Auszeichnung: „Hummer am blauen Band“

Dennoch spielt die Tradition der 1960 gegründeten „Chuchi“ (Schweizerdeutsch für „Küche“) auch heute noch in Melle eine Rolle. Jedes neue Mitglied beginnt als Apprenti. Die nächste Stufe ist „Chef de Chuchi“ (CdC). Um diesen Rang zu erreichen, müssen zwei Gänge eines Fünf-Gänge-Menus positiv bewertet werden – vom Landeskanzler und zwei weiteren hochrangigen Prüfern. Bei bestandener Prüfung sind die CdC berechtigt, den „Hummer am blauen Band“ zu tragen.

„Die formalen Reglements werden eingehalten, aber im Wesentlichen sind wir neun Freunde“

In der „Chuchi Gröngau“ gibt es fünf „Chef de Chuchi“ und drei „Apprenti“. Uwe Dütscher hat als „Maitre de Chuchi“ den höchsten Rang. Er betont jedoch, dass der Rang zumindest in Melle nichts mit den tatsächlichen Koch-Fähigkeiten zu tun hat: „Manche unserer sehr begabten und fähigen Hobby-Köche scheuen leider lediglich den Aufwand der erforderlichen Prüfungen.“

„Die traditionellen formalen Reglements werden zwar respektiert und eingehalten, aber im Wesentlichen sind wir neun Freunde, die mit Begeisterung gemeinsam kochen“, erklärt der Meller Chuchi-Leiter. In einer Sache gibt es allerdings keine Kompromisse: „Wir wählen immer die besten und frische Zutaten aus und wollen auf Sterne-Niveau kochen“.


Schollenfilet mit Lauch und Krevetten: Ein Rezept von Werner Schodry (Männerkochclub „Chuchi Grönegau“)

„Ich habe dieses Rezept von Maître Hans Rudolf Treichler übernommen und kann es nur empfehlen. Die Mengenangaben sind für zwei Personen bestimmt:

Ich benötige acht Stücke Schollenfilet, 200 Gramm Krevetten, eine Stange Lauch, zwei Tomaten, eine kleine gehackte Knoblauchzehe, Weißwein, etwa ein Viertelliter Sahne, Butter, Salz, Pfeffer und Sambal Oelek.

Die Schollenfilets mariniere ich mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft und brate sie in einer Pfanne mit wenig Öl von beiden Seiten zwei Minuten. Ich richte sie auf vorgewärmten Tellern an. Anschließend schäle und entkerne ich die Tomaten und schneide sie in Würfel. Den Lauch schneide ich in Streifen. Beides dämpfe ich mit Butter und dem gehackten Knoblauch in einem Topf, lösche mit Weißwein ab und fülle Sahne auf. Ich würze mit Salz und Sambal und füge zum Schluss die Krevetten hinzu. Das Ganze wird kurz aufgekocht und über die Schollenfilets gegeben.“

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