„Reichsbürger“ wieder aktiv Post vom „Magistrat im Notstand“ an Meller Firmen

Von Christoph Franken

Ein Mann hält ein Heft mit dem Aufdruck „Deutsches Reich Reisepass“ in der Hand. Sogenannte Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an. Sie halten Behörden, Gerichte und andere staatliche Einrichtungen für illegal. Foto: Patrick Seeger/dpaEin Mann hält ein Heft mit dem Aufdruck „Deutsches Reich Reisepass“ in der Hand. Sogenannte Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an. Sie halten Behörden, Gerichte und andere staatliche Einrichtungen für illegal. Foto: Patrick Seeger/dpa

Melle. Erneut ist die Bewegung der „Reichsbürger“ in Melle aktiv geworden. Dieses Mal schrieb die Mellerin Heike Werding verschiedene Firmen im Stadtgebiet an

„Reichsbürger“ leugnen die rechtmäßige Existenz der Bundesrepublik und fordern die Rückkehr zu den Grenzen von 1937, da nach ihrer Lesart das Deutsche Reich juristisch gesehen nicht untergegangen ist. Insofern seien jetzige staatliche Organe gar keine, sondern bestenfalls GmbHs. Daher befindet sich das Land auch im permanenten Notstand. Folgerichtig unterzeichnete Heike Werding ihre Schreiben an die Firmen auch mit „Amt Melle, Magistrat im Notstand“. Sie selbst hatte übrigens vor wenigen Wochen unserer Redaktion explizit erklärt, sie sei keine „Reichsbürgerin“.

In dem ausführlichen Brief an die Firmen schreibt sie unter anderem, man habe die aufgelösten Gebietskörperschaften wieder aktiviert und nun gelte es, Schritte für die Erhebung einer staatlichen Gerichtsbarkeit unter den wahlberechtigten Bürgern des Amtes Melle einzuleiten.“Sie sind dazu aufgerufen, Ihre Wahlberechtigung nachzuweisen und sich zur Wahl als Schöffe bis zum 8. 12. 2016 vorzustellen“, heißt es in dem Schreiben.

Deutliche Antwort

Einer der Adressaten war die Handwerks-Firma Firma Koring & Meier. Werner Koring formulierte sein Antwortschreiben unmissverständlich: „Wie bereits in der Vergangenheit geschehen, so auch heute noch einmal in aller Deutlichkeit: Wir die Firma Koring und Meier GmbH wünschen keinerlei Kontakt oder Nachrichten von Ihrer Organisation. Gestern nicht, heute nicht und auch in Zukunft nicht. Dieses betrifft alle unsere Firmen-Adressen wie auch die privaten Anschriften.“

Auch die Firma Melos erhielt Post von Heike Werding. „Ich musste mich erst schlau machen, worum es eigentlich geht“, sagte Marco Schröder als kaufmännischer Leiter des Granulat-Herstellers. Nun wisse er aber um die Reichsbürgerthematik Bescheid. „Daher reagieren wir da gar nicht drauf und mich hat der Vorgang eher belustigt“, berichtete Schröder.

Zehn Personen aktiv

Der städtische Wirtschaftsförderer Hartwig Grobe geht davon aus, dass weitere Firmen in Melle angeschrieben worden sind. „Insofern beschäftigt uns die Geschichte auch“, meinte Grobe. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Vorfall von vergangener Woche, als „Reichsbürger“ erfolglos versucht hatten, den Sitzungssaal im historischen Rathaus für eine Veranstaltung zu nutzen. Die Stadtverwaltung geht von rund zehn Personen in Melle aus, die der Reichsbürgerbewegung zuzuordnen sind und die regelmäßig die Verwaltung mit dem abstrusen Inhalt ihrer Schreiben beschäftigen. Die Polizei spricht von „mehreren Dutzend“ Menschen, die im Osnabrücker Land als „Reichsbürger“ auftreten.

Heike Werding selbst war dieses Mal nicht für eine Stellungnahme erreichbar.