„Nicht wie König auftreten“ Viktoria-Vorsitzender Morkötter als Grünkohl-Regent

Von Heike Dierks

Grünkohlkönig: Viktoria-Vorsitzender Johannes Morkötter.Foto: NFV-Kreis Osnabrück-LandGrünkohlkönig: Viktoria-Vorsitzender Johannes Morkötter.Foto: NFV-Kreis Osnabrück-Land

Gesmold. Es wurde kräftig angestoßen, die Gratulationswelle ebbte erst nach Tagen ab. Viktoria Gesmold wird von einem König regiert: Johannes Morkötter.

Der Viktoria-Vereinsvorsitzende ist vor knapp zwei Wochen beim Grünkohlessen des NFV-Kreises Osnabrück-Land im Gasthaus Rothert in Engter neben Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius und Karl Rothmund, Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), zum Grünkohl-Regenten gewählt worden.

„Das kam für mich aus heiterem Himmel. Meine Frau war informiert, hat aber nichts verraten“, sagt Morkötter über die Wahl bei der Traditionsveranstaltung, die er seit 22 Jahren besucht. Nach Heinrich Pabst und Ludwig Heggemann ist Morkötter der dritte Gesmolder, dem die Ehre zuteil wird.

Im Jahr 2008 hat er noch Heinrich Pabst zum Grünkohlessen gelotst, ohne dass der von seiner anschließenden Kür wusste. Und jetzt drehte Pabst den Spieß um, ohne dass der neu Inthronisierte eine Ahnung hatte.

Der Chef der Landkreisfußballer, Bernd Kettmann, nahm beim diesjährigen Seniorentreffen des NFV-Kreises in Gesmold Kontakt zu Pabst auf und ließ sich über Morkötters Wirken im Verein informieren. Pabst als Kümmerer mit Geheimauftrag konnte Kettmann eine Woche vor der Veranstaltung grünes Licht für Morkötters Erscheinen in Engter geben und spielte den Chauffeur für die Gesmolder Delegation.

„Das macht den Charme des Grünkohlessens aus: Der Geehrte weiß vorher nichts, und für uns ist es spannend, ob er überhaupt kommt oder nicht“, berichtet Kettmann.

Geheimhaltung klappt

Und sogar bei der Wahl am Grünkohlabend, die der Viktoria-Vorsitzende augenzwinkernd „diktatorisch-demokratisch“ nennt, da sogenannte Tischvogte im Saal vorab in Kenntnis gesetzt werden, wer gewählt werden soll, funktionierte die Geheimhaltung noch: Am Viktoria-Tisch wurde geschickt ein anderer Name gestreut. Daher hörte der insgeheim längst Auserwählte zunächst gar nicht so genau hin, als Kettmann in seiner Laudatio Schlüsselbegriffe wie „Kunstrasenplatz“ fallen ließ.

Denn natürlich hat diese Auszeichnung ihre Gründe: Neben einem prominenten Regenten werden Jahr für Jahr Ehrenamtliche für ihr besonderes Wirken geehrt. Johannes Morkötter ist seit Jahrzehnten bei der Viktoria ehrenamtlich tätig, seit 25 Jahren im Vorstand und seit vier Jahren 1. Vorsitzender des Sportvereins. In den vergangenen Monaten stand in Gesmold der Bau des Kunstrasenplatzes im Zentrum – und der neue Grünkohlkönig war treibende Kraft. 485000 Euro der 900000 Euro Gesamtkosten wurden durch öffentliche Zuschüsse abgedeckt, die übrigen 415000 Euro brachte der Verein selber auf, zum Beispiel durch die Unterstützung von gewerblichen und privaten Sponsoren.

Die lange Vereinszugehörigkeit, die vielen übernommenen Aufgaben und nicht zuletzt das Kunstrasenprojekt hätten den Ausschlag für den Viktoria-Vorsitzenden gegeben, erklärt Kettmann.

„Das Projekt Kunstrasen ist von einem erstklassig aufgestellten Team umgesetzt worden. Die Finanzierung war eine Meisterleistung. Und als Krönung pflegt unsere Rentnergruppe nun den Platz“, lobt der Geehrte alle Beteiligten – vom Initiativkreis über die Vereinsmitglieder bis zu den Gesmoldern insgesamt. Er allein könne wenig reißen, dementsprechend solle man seine Auszeichnung auch nicht zu hoch hängen. Die Grünkohl- ehre sei ein schönes Zeichen der Anerkennung, „aber ich werde das nächste Jahr nicht wie ein König auftreten und meine Aufgaben im Verein weiter wie bisher ausüben“, so der Viktoria-Chef lachend.

Es warten bereits die nächsten Herausforderungen auf den Club, der 2019 seinen 100. Geburtstag feiert. Eine sei es, weiter Freiwillige für die Arbeit zu begeistern. Der Verein versucht verstärkt, junge Leute heranzuführen, etwa als Trainingshelfer.

„Die Viktoria ist noch sehr stark ehrenamtlich geprägt. Aber auch wir merken, dass es schwieriger wird, Engagierte zu finden.“ Zumal der Nachwuchs schul- oder studienbedingt oft zumindest für eine gewisse Zeit nicht mehr vor Ort sei. Doch irgendwann kämen viele zurück – und manche fänden auch wieder in den Verein.


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