Sachbearbeiter als Zeuge Geplatzte Finanzierungen in Meller Autohaus

Von Christina Wiesmann

Akten füllt das Geschehen in dem Meller Autohaus. Symbolfoto: Michael GründelAkten füllt das Geschehen in dem Meller Autohaus. Symbolfoto: Michael Gründel

Melle/Osnabrück. Vor dem Landgericht Osnabrück ging am Freitag die Verhandlung gegen zwei Angeklagte aus Melle weiter. Der 59-jährige Angeklagte arbeitet als Verkäufer in einem Meller Autohaus. Der 47-jährige Angeklagte soll als eine Art Kontaktmann Interessenten aus seinem Kulturkreis als Kunden an den 59-Jährigen vermittelt haben. Beide haben für die mit offenbar gefälschten Unterlagen zustande gekommenen Fahrzeugfinanzierungen erhebliche Provisionen kassiert.

Jetzt sagte ein Sachbearbeiter der Autobank als Zeuge aus. Er berichtete von mehreren Fällen der Fahrzeugfinanzierungen, die in dem Meller Autohaus abgeschlossen worden waren. So hatte eine Kundin einen Audi A6 finanziert und die monatlichen Raten in Höhe von 309 Euro auch 16 Monate lang ordnungsgemäß bedient. Im Februar 2014 kündigte ihr die Bank dann fristlos. „Wir haben festgestellt, dass der Verdienstnachweis gefälscht war“, erklärte der Sachbearbeiter dem Richter. Das Fahrzeug wurde durch die Bank eingezogen und für rund 6900 Euro verkauft. Aktuell muss die Kundin noch etwa 6300 Euro Restforderung an die Bank zurückzahlen.

Teurer Audi Q 7

Einen teuren Audi Q7 finanzierte ein anderer Kunde, ebenfalls mit offenbar gefälschtem Gehaltsnachweis. Er zahlte zwar mehrere seiner monatlichen 1000-Euro-Raten, geriet aber dennoch nach wenigen Monaten in Zahlungsverzug. Als die Autobank den Audi abholen lassen wollte, war der Mann mitsamt dem Auto spurlos verschwunden. Nach einer Fahndung durch die Polizei konnte der Audi schließlich entdeckt werden und im Auftrag der Autobank abgeholt und für 30600 Euro verkauft werden. Offen sind für den geplatzten Finanzierungsvertrag bei der Bank noch immer mehr als 15000 Euro.

Gehaltsabrechnung falsch

Wie die Bank nach Monaten darauf kam, dass die Gehaltsabrechnungen gefälscht waren, konnte auch der Sachbearbeiter nicht aufdecken. „Zumal die Raten ja oft ordnungsgemäß bedient wurden“, hatte der Richter festgestellt.

Auffällig ist, dass mehrere Verträge im Februar 2014 gekündigt wurden. Der Sachbearbeiter berichtete auch von einem Fall, in dem die Fahrzeugfinanzierung schon beim Antrag scheiterte. „Die Bank hat den Gehaltsnachweis geprüft“, sagte er, „irgendetwas passte dabei offensichtlich nicht.“ Der Sachbearbeiter verlas aus seiner Akte auch den Fall einer weiteren geplatzten Finanzierung. Besagte Kundin hatte angegeben, dem 47-jährigen Meller für eine Fahrzeugfinanzierung ihren Personalausweis gegeben zu haben, der Rest lief dann „automatisch“.

Die Verhandlung wird noch im Dezember fortgesetzt.