Abschluss in der Martini-Kirche Walter Sittler verführte bei „Litera Buer“ zum Lachen

Mit großer Erzählkunst las der bekannte Schauspieler Walter Sittler in der Martini-Kirche „Dieter Hildebrandt – Ich bin immer noch da“. Foto: Marita KammeierMit großer Erzählkunst las der bekannte Schauspieler Walter Sittler in der Martini-Kirche „Dieter Hildebrandt – Ich bin immer noch da“. Foto: Marita Kammeier

Melle. Der Schauspieler Walter Sittler verführte die Besucher der „Litera Buer“ abwechselnd zum Lachen und Nachdenken. Mit hoher Erzählkunst gestaltete er den unterhaltsamen Abschlussabend mit Texten aus dem Werk Dieter Hildebrandts „Ich bin immer noch da“.

Andächtige Stille herrschte in der mit Kerzen beleuchteten Martini-Kirche beim Auftritt von Walter Sittler. Bekannt von Theaterbühnen und aus zahlreichen Fernsehserien wie die auf der schwedischen Insel Gotland spielenden Krimis „Der Kommissar und das Meer“ erreichte der Schauspieler und Produzent sofort den Kontakt zum Publikum.

Der in Chicago/Illinois geborene Deutsche mit amerikanischen Pass hat eine besondere Beziehung zu dem 2013 verstorbenen größten deutschen Kabarettisten. Es war Dieter Hildebrandts Frau Renate, die Sittler nahelegte, das Abschiedsprogramm ihres Mannes am Leben zu erhalten.

60 gemeinsame Jahre

„Renate und ich leben davon, dass wir uns vermissen“, so lautete einst das Fazit des Ehelebens mit ständigen Reisen. Die in 60 Jahren gesammelten Hildebrandtschen Texte sind witzig, oft unbequem und ironisch, haben jedoch immer einen beunruhigenden aktuellen Bezug. Das erlebten die Zuhörer dieser außergewöhnlichen Lesung hautnah.

Witzige Pointen des Satirikers Erich Kästner, der bei den Nazis auf der schwarzen Liste stand, wechselten mit politischen Texten und persönlichen Geschichten des Vortragenden. „Wo sind meine drei Lesebrillen?“ Walter Sittler legte seine Marotten mit Spickzetteln offen und erklärte amüsiert: „Um mich herum piept, hupt und klingelt es ständig.“

„Geld macht nicht glücklich.“ Mit einfühlsamer Dringlichkeit las der Schauspieler kritische Gedanken zu den Themen Steueroasen, Tarifgestaltung der Bahn, Stuttgart 21 und Hartz IV. Er bedauerte die volksweite Amnesie der Neonazis und ermahnte, in Europa nicht den Mut zu verlieren.

„Flinten Uschi“

Witzige Texte über „Flinten-Uschi“, 60 unterschiedliche Steuern von der Lustbarkeitssteuer bis zum Verblödungswachstumsgesetz sorgten ebenso für Lachsalven im Publikum wie das „Beten to go“ und intime Mails mit dem „Penis miraculo“. Ein Fazit lautete: „Da fasst man sich an den Kopf und trifft ins Leere.“

Das Publikum amüsierte sich köstlich über die mit viel komödiantischem Talent vorgetragenen Gedanken und dankte Walter Sittler mit ausdauerndem Applaus für den gelungenen Abend.


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