Szenen in der Stadt gedreht Nussbaum-Film mit starkem Team aus Melle

Von Christoph Franken


Melle/Osnabrück. Ein Film über eine jüdische Familie in Osnabrück während er NS-Zeit entstand unter wesentlicher Mitwirkung von Meller Laienschauspielern, bediente sich aus dem Fundus des Automuseums und wurde zum Teil in der Meller Innenstadt gedreht. Der Beitrag sorgt mittlerweile für Furore.

Initiatoren des Projektes sind Abigail Mathew und ihr Vater Mark. Der ist vielen Mellern als Mitarbeiter der Sparkasse bekannt und nicht zuletzt deswegen engagierten sich auch so viele seiner Kollegen für das Filmprojekt.

Aber der Reihe nach: Die 14-jährige Abigail Mathew geht auf das Ratsgymnasium in Osnabrück und als es im Unterricht um den jüdischen Maler Felix Nussbaum aus Osnabrück ging, erinnerte sich die Schülerin an Familienerzählungen. Demnach hatte ihr Urgroßvater einst Mitgliedern der Familie Nussbaum zur Flucht in die Niederlande verholfen. Zunächst im Auftrag ihrer Lehrerin und ihrer Mitschüler und nur wenig später aus eigenem Antrieb erforschte mit Unterstützung durch Familienmitglieder und anhand historischer Bilder die Geschichte um Urgroßvater Wilhelm Hellmeister (1904 - 1957). Der war als angestellter Schrotthändler in Osnabrück mit der Familie Nussbaum geschäftlich verbunden.

„Mann mit Anstand“

Abigail Mathew und ihr Vater ermittelten Zeitzeugen, unternahmen Recherche-Reisen und werteten mithilfe des Medienzentrums alte Fotos aus. Stück für Stück kristallisierte sich dann heraus, dass Hellmeister seinen beiden jüdischen Chefs Alfred Gossel und Justus Nussbaum (ein Bruder des Malers) am 2. Juli 1937 nicht nur zur Flucht nach Amsterdam verhalf, sondern auch wertvolles Eigentum der Familien hinterher brachte. „Ein aufrechter Mann mit Würde und Anstand“, stellte die Urenkelin fest.

Drei Pkw von 1937

Dann kam in der Schule die Idee auf, aus den Ergebnissen eine Video-Dokumentation zu erstellen. Da Vater Mark Mathew früher beruflich im Filmgeschäft tätig war, versprach er Unterstützung. „Das Ergebnis hat uns selbst alle überrascht“, berichtete er am Mittwoch in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Denn: „Wir hatten kein Drehbuch, kein Budget aber dafür 76 Leute, die uns unterstützt haben.“ Dazu gehören Arbeitskollegen und deren Familien, die sich als Schauspieler, Techniker und Sprecher zur Verfügung stellten. Das Automuseum Melle steuerte für die Drehs drei Pkw aus der damaligen Zeit bei. Beim Veteranenhof Melle und an einer alten Werkbank aus dem Museum entstanden Filmsequenzen für die Arbeit auf dem Schrottplatz. Auch Melle selbst taucht im Film auf: So wird die Fahrt eines Gestapo-Mannes am Markt und vor einem Fachwerkhaus an der Haferstraße gezeigt.

36 Stunden Film

36 Stunden Film waren schließlich im Kasten. Innerhalb von drei Wochen schnitten Vater und Tochter während der Ferien den Film. Und dann? „Dann setzte der Run ein, nachdem wir zwei Aufführungen im voll besetzten Cinema-Arthouse, eine davon am vergangenen Sonntag, hatten“, sagte Mathew noch immer sichtlich überrascht. Denn die „Neue Osnabrücker Zeitung“, die „taz“,der NDR, RTL und der „Kirchenbote“ berichteten bereits über das Projekt. Außerdem liegen inzwischen Anfragen von Filmefestspielen in Amsterdam, Brüssel, Buenos Aires, Boston, Cincinatti, Vermont und Toronto vor. Noch im November wird es eine Aufführung in den Else-Lichtspielen in Bruchmühlen für die Sparkassenmitarbeiter geben, eine zweite öffentliche dann am 4. Dezember.

„Die Stadt Osnabrück wird in Kürze eine DVD des Films herausgeben und im Januar soll eine englische Tonfassung erstellt werden“, freute sich Mark Methew.