„Musik aus dem Wort“ Auftaktkonzert zum Reformationsjubiläum in Melle

Von Conny Rutsch


Melle. Nicht nur wortgewaltig kam Martin Luther daher. Er hinterließ auch Spuren in der Musikliteratur. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres zur Reformation ließen dies das Blechbläserensemble des Kirchenkreises Tecklenburg und ein Meller Projektchor am Sonntagabend in der Meller Petrikirche eindrucksvoll hören.

„Es fließt mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik, die mich so oft erquickt und aus großen Nöten errettet hat“, zitierte Daniel Skibbe, der den Projektchor dirigierte, zu Beginn des Konzerts den Reformator Martin Luther. Und Ursula-Maria Busch, Leiteirn der Tecklenburger, erklärte etwas später: „Da, wo das Wort an seine Grenzen stößt, setzt die Musik ein.“

Quer durch die Musikliteratur

Quer durch die Musikliteratur folgte dann ein wohlüberlegt zusammengestelltes Programm mit Musik aus der Renaissance bis in die Moderne. Immer wieder klangen Choralmelodien an, nicht zuletzt der Reformationsklassiker „Ein feste Burg ist unser Gott“, mit dem Text von Martin Luther, dem auch die Melodie des Kirchenliedes zugeschrieben wird.

Ohne Worte

Ohne Worte, allein mit der Ausdruckskraft der Musik, gestalteten die Bläser musikalische Bilder des deutschen Komponisten Dieter Wendel (geb. 1965 in Bayreuth) über den Bibelvers Korinter 13, Vers 13, „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei...“ Als Programmmusik dürfen diese Sätze durchaus bezeichnet werden, denn auch ohne Worte konnte jeder Besucher der voll besetzten Petrikirche die Textzeilen nachfühlen – im Sinne Luthers.

Der Projektchor kam ein wenig zu kurz

Der extra für dieses Konzert installierte Projektchor, der mit seinem singenden Einzug in die Kirche schon Aufsehen erregte, kam leider ein wenig zu kurz. Frische junge Stimmen müssen nicht zwingend mit unisono besetzten Bläsern begleitet werden. Schade eigentlich.

Einen Höhepunkt arbeitete sich der Organist Daniel Skibbe heraus. Er improvisierte an der Christian-Vater-Orgel über den Choral „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“, für den Martin Luther Text und Musik geschrieben hat: Gedackte Register gemischt mit Zungenstimmen, Anklänge an die d-moll-Toccata von Johann Sebastian Bach, ein Schluss mit vollem Mixturprogramm und noch dazu modernen Rhythmen und nie den eigentlichen Choral außer Acht lassend: Skibbe hätten wohl die meisten Konzertbesucher viel länger lauschen mögen.

Dieses Konzertprogramm ließ keine Wünsche offen. Ein ausgefeilter musikalischer roter Faden mit hervorragenden Bläsern und einem Projektchor, den sich jede Kirchengemeinde wünschen würde, am Ende mit gemeinsamem Gesang, vollendete ein fabelhaftes Melle und läutete festlich das Reformationsjubiläumsjahr ein.