Interkulturelle Woche Meller Christen und Muslime diskutieren Missionierung

Von Marita Kammeier

Anregende Diskussionsrunde im St.-Petri-Gemeindehaus mit Pastor Michael Wehrmeyer, Theologin Sümeyra Kilic und Superintendent Hans-Georg Meyer-ten Thoren. Foto: Marita KammeierAnregende Diskussionsrunde im St.-Petri-Gemeindehaus mit Pastor Michael Wehrmeyer, Theologin Sümeyra Kilic und Superintendent Hans-Georg Meyer-ten Thoren. Foto: Marita Kammeier

Melle. Der Initiativkreis hatte im Rahmen der „Interkulturellen Woche“ zu einem Gesprächsabend unter dem Motto „Ihr sollt meine Zeugen sein – Missionierung im Christentum und im Islam“ eingeladen.

Pastor Michael Wehrmeyer, der an diesem Abend als Moderator im Einsatz war, begrüßte evangelische, katholische und muslimische Teilnehmer, Vertreter der Stadt, des türkisch-islamischen Kulturvereins sowie des deutsch-türkischen Unternehmervereins.

Das Wort Missionierung sei negativ belastet, erklärte Hans-Georg Meyer–ten Thoren und erinnerte dabei an die dunkle, machtvolle Seite der Kirche. Sowohl Bonifatius, einer der großen Missionare, als auch Karl der Große hätten mit Gewalt zum Christentum bekehrt. Der Superintendent blickte in seinem Vortrag jedoch auch auf die Anfänge der friedlichen Jahrhunderte zurück: „Die Netzwerke im römischen Reich funktionierten solidarisch.“

„Ihr habt uns das Evangelium gebracht und zugleich die Apartheid“

In Erinnerung blieb dem Referenten ein Kommentar in Südafrika aus dem Jahr 1980: „Ihr habt uns das Evangelium gebracht und zugleich die Apartheid.“ Der Referent stellte die Frage in die Runde: „Was müssen wir aus unserer Geschichte lernen, insbesondere bei der Begegnung mit anderen Religionen?“ Wichtig sei es, Respekt und Vertrauen aufzubauen, so Meyer-ten Thoren, während er aus einem Diskussionspapier zur Bibel zitierte: „Es gehört zu unserem Grundverständnis, dass wir anderen helfen, lernen und miteinander feiern.“

„Der Mensch allein ist nicht in der Lage, zu bekehren“

Anschließend las Sümeyra Kilic entsprechende Suren aus dem Koran vor: „Der Mensch allein ist nicht in der Lage, zu bekehren. Muslime haben die Aufgabe zu motivieren.“ Es gebe jedoch Leute, wie die Salafisten, die das falsch verstanden hätten. Die Referentin mit Bachelor-Abschluss für Islamische Theologie kam in Vertretung von Hakki Arslan und bereitet sich zurzeit an der Universität Osnabrück auf den Master-Titel vor.

„In meinem Studiengang bin ich die einzige ohne Kopftuch“, berichtete die Türkin. „Folgt der Christianisierung des Abendlandes nun eine Islamisierung?“ Dieser Frage widersprach die Theologin vehement: „Wir leben in einem freien demokratischen Land und sind in Deutschland auf dem richtigen Weg. Den Jugendlichen müssen wir gemeinsam eine Zugehörigkeit geben.“

„Was haben die Muslime in den Moscheen gemacht, als die Geflüchteten kamen?“

Wegen des Flüchtlingsstromes werde der Anteil an Muslimen bis zum Jahr 2050 auf lediglich acht Prozent angehoben. Kritische Fragen richtete die Referentin jedoch an ihre Leute: „Was haben die Muslime in den Moscheen gemacht, als die Geflüchteten kamen?“

Das Thema der an den IS verlorenen Jugendlichen beschäftigte mehrere Teilnehmer in der anschließenden Diskussionsrunde. „Das Problem in unserer Gesellschaft ist, dass es zu viele Menschen gibt, denen Religion gleichgültig ist“, betonte Pastor Michael Wehrmeyer. „Wie schaffen wir es, Hass und Angst aus den Köpfen zu entfernen?“ fragte Heiko Grube.

„Geduld zeigen und den Muslimen mehr Zeit geben“

„Geduld zeigen und den Muslimen mehr Zeit geben“, so lautete der Vorschlag von Yilmaz Kilic. „Der Islam ist erst seit 55 Jahren hier. Wir sind alle keine Experten, die Theologie in Deutschland studiert haben. Vieles geht schon bei der Übersetzung verloren.“ Das Fazit des Abends fasste Yasar Ertürk zusammen: „Es waren aufregende Aussagen, aber die jährlichen Treffen sind zu wenig. Monatlich oder zumindest vierteljährlich wäre gut.“


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