Verein: unabhängig von Kritik Sanierung des Turms in Melle routinemäßig erfolgt

Von Christoph Franken

Am Übergang der gebeizten Querriegel zu den gereinigten Stämmen ist noch zu erkenen, wie stark der Algenbefall vorher war. Foto: Christoph FrankenAm Übergang der gebeizten Querriegel zu den gereinigten Stämmen ist noch zu erkenen, wie stark der Algenbefall vorher war. Foto: Christoph Franken

Melle. Der Aussichtsturm Ottoshöhe in Buer ist saniert worden. Die Maßnahmen haben nach Auskunft des Vorsitzenden des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) Melle-Mitte, Heinz Garlich, aber nichts mit der früheren Kritik des IHK-Sachverständigen Johann Müller zu tun.

Müller, bis Ende 2015 Sachverständiger für Holz und Holzschutz der Industrie- und Handelskammer (Osnabrück) hatte vor zehn Monaten öffentlich moniert, dass es Pilzbefall an der hölzernen Turmkonstruktion gebe. Die war 2008 als vierte Turmgeneration errichtet worden. Außerdem hatte Müller die vom Verein auf mindestens 30 Jahre taxierte Standfestigkeit der Stützen aus heimischen Douglasien-Stämmen angezweifelt. Eine solche Aussage treffe nur auf Stämme zu, die aus Nordamerika kämen. Die VVV-Verantwortlichen hatten die Bedenken Müllers seinerzeit deutlich zurückgewiesen: Alle DIN-Normen seien eingehalten und ein 2013 aufgetretener Pilzbefall behandelt worden. Im Übrigen werde der Turm im Rahmen eines Wartungsvertrages mit dem Generalunternehmer jährlich kontrolliert.

Erneute Inspektion

Am 2. Oktober unterzog Müller den Turm einer erneuten Inspektion und stellte überrascht fest, dass der Turm zwischenzeitlich saniert worden ist. So seien die Stützen offenbar mit einem Hochdruckreiniger gereinigt und Querhölzer durch imprägnierte Kanthölzer (Riegel) ersetzt worden. Das ganze sei seines Erachtens nach zeit- und kostenintensiv gewesen. Müller rät nun allerdings eine Überprüfung der Riegel-Anschlüsse an, da die „nicht gerade vorbildlich“ ausgeführt worden seien. „Der Vorgang zeigt mir, dass meine Bedenken gerechtfertigt waren, nur konnten die verantwortlichen Herren nicht über ihren Schatten springen und dies zugeben“, schrieb der Sachverständige abschließend in einem Brief an unsere Redaktion.

„Nichts mit Kritik zu tun“

„Die erfolgten Maßnahmen haben überhaupt nichts mit seiner Kritik zu tun“, konterte dagegen Vereinsvorsitzender Garlich auf Anfrage. Alle zwei bis drei Jahre müssten Holzschutzmittel neu aufgetragen werden. Es handele sich dabei selbstverständlich um umweltfreundliche Produkte, die aber nicht mehr die Haltbarkeit der früheren giftigen Mittel besäßen. Daher erfolgten jetzt die regelmäßigen Behandlungen. In diesem Jahr sei das Vorhaben zudem durch die langanhaltende Trockenheit begünstigt worden. Da für die Arbeiten ein Kran eingesetzt werde, würden sinnvollerweise gleichzeitig die Riegel erneuert, die unter der Witterung gelitten haben.

Die Stämme seien tatsächlich mit einem Hochdruckreiniger vom Algenbelag gesäubert worden, um Pilzbefall vorzubeugen. „Alle Maßnahmen haben wir anschließend von Fachmann Hans-Jürgen Tiemeier prüfen lassen“, betonte Garlich. Der habe die Arbeiten auch vor Ort begleitet.

Douglasien empfohlen

Zur Kritik Müllers an der angenommenen Haltbarkeit der mächtigen Douglasien verwies Garlich auf eine inzwischen erfolgte nochmalige Überprüfung durch den Fachbereich Holztechnik der Universität Braunschweig. „Demnach werden auch heimische Douglasien nach wie vor empfohlen“, fasste der Vereinsvorsitzende das Ergebnis zusammen. Bei den Rissen an den Stämmen handele es ich um Trockenrisse. Die seien ganz normal. „Wir achten aber beim Aufbringen der Holzschutzmittel darauf, dass das Mittel tief in die Risse eingebracht wird“.