Kunden müssen sich entscheiden Bezahlen mit EC-Karte wird auch in Melle komplizierter

Welche Abbuchung hätten Sie den gerne? Das wird künftig an den Bezahl-Terminals abgefragt. Foto: Christoph FrankenWelche Abbuchung hätten Sie den gerne? Das wird künftig an den Bezahl-Terminals abgefragt. Foto: Christoph Franken

Melle. Das Bezahlen mit der EC-Karte wird bald komplizierter: Die Kunden sollen nach dem Willen der EU an den kleinen Bezahlterminals in Geschäften, Tankstellen und Restaurants selbst entscheiden, ob ihr Geld künftig wie gehabt mit der EC-Karte direkt über ihre Bank oder eine integrierte neue Bezahlfunktion über Kreditkartenfirmen abgerechnet wird.

Dazu ist nicht wie bisher eine eigene Kreditkarte notwendig, denn unbemerkt vom Verbraucher haben mittlerweile fast alle Girocards, besser bekannt als EC-Karte, diese Funktion. Der Nutzer erkennt das am auf seiner Karte aufgedruckten Symbol für Maestro (Mastercard) oder V-Pay (Visa). Finanziell bleibt für den Nutzer alles beim alten, denn die Händler müssen die Zeche zahlen. Allerdings erwarten Fachleute künftig verwirrte Kunden und längere Wartezeiten beim Bezahlen, wenn sich der Kunde wie im Display verlangt für eine Kartenfunktion entscheiden soll.

Esso ist schon dabei

Obwohl das System nach dem Willen der EU eigentlich seit drei Monaten bundesweit eingeführt sein müsste, sind erst wenige Shops sowie die Esso-Tankstellen technisch umgerüstet. Die EC-Karten aller deutschen Banken und Sparkassen selbst erfüllen längst die notwendigen Standards. „Es hakt an der Software für die Karten-Terminals bei den Händlern, aber ab November soll die Umrüstung beginnen“, erklärte Klaus Wienke für die Sparkasse Melle. Sein Institut hat 40400 Debit-Karten an die Kunden ausgegeben, die im Volksmund aber als EC-Karten eher bekannt sein dürften.

„Erfahrungen sammeln“

Die Sparkasse und andere Banken sind mit ihren Karten also längst gerüstet. Das bestätigte auch Sonja Habig für die Commerzbank-Filiale Melle. Filialdirektor Anatoli Gißel wollte das neue Verfahren nicht kommentieren: „Die Handlungsweise der Europäischen Gemeinschaft beurteilen wir nicht. Bitte wenden Sie sich hierzu an den Bundesverband deutscher Banken.“ Eine Wertung zur künftigen neuen Bezahlweise will auch Sparkassen-Sprecher Wienke zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeben, aber zwei Punkte zeichneten sich ab: „Es wird für die Kunden aufwendiger werden, weil er zwischen verschiedenen Varianten wählen muss. Und für den Handel ist es eine deutliche Erschwernis.“ Für die örtliche Volksbank mit 9000 EC-Karten will Vorstand Thomas Ruff vor einer Bewertung erst Erfahrungen sammeln. „Wird das neue System vom Handel und wird es vom Kunden akzeptiert?“, formulierte er die Fragestellung. Das Aufladen kleiner Summen auf die Karte habe sich beispielsweise nicht durchgesetzt.

Händler zahlen Zeche

Die Erschwernis für den Handel sieht auch Boris Hoffmann-Schevel. Der Sprecher des Handels-und Dienstleistungsverbandes Osnabrück-Emsland (früher Einzelhandelsverband) ist sicher, dass die neue Bezahlweise von vielen Händlern nicht gerne gesehen wird. Nicht nur deren Marge werde wegen der Gebühren für die Kreditkartenunternehmer geringer, sondern sie trügen auch noch den Aufwand für die Schulungen der Mitarbeiter. „Mal wieder muss der Handel eine EU-Verordnung auf eigene Kosten umsetzen“, kritisierte der Verbandsvertreter. Die mehrfachen Bezahlfunktionen müssten im Übrigen nur die Händler anbieten, deren kleine Bezahlterminals schon jetzt auch Kreditkarten akzeptieren. Wer das nicht wolle, könne auf ein Terminal wechseln, dass nur Girocards annehme. „Ob er den Kunden damit verprellt, muss aber jeder Händler selbst entscheiden“, sagte Hoffmann-Schevel.

Längere Schlangen?

Auf die Frage, wie es sich vermeiden ließe, dass die Schlangen Bezahlwilliger vor den Terminals künftig länger würden, verwies er auf mögliche neue Terminals mit Auswahltaste. Wer die nicht drücke, erhalte die Optionen gar nicht erst angezeigt und zahle wie bisher direkt über sein Konto. Die Esso-Tankstellen sind bereits umgerüstet und kennen das neue Problem mit unentschlossenen Autofahrern an den Bezahlstellen. Mit Hinweissschildern wie „Drücken Sie Girocard“ umschiffen die Esso-Leute die Lage.

Belastung sofort

Wer jetzt geglaubt hat, mit Auswahl der anderen Option das Geld erst später vom Konto abgebucht zu bekommen, der irrt. „Auch dann wird das Konto wie bisher auch unmittelbar belastet“, erklärte Commerzbank-Sprecherin Sonja Habig. Technisch wäre das aber möglich, sagte Hoffmann-Schevel. Aber das setze das Einverständnis der beteiligten Partner voraus.


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