Kündigung wegen Eigenbedarf Mieter des Gnadenhofs in Buer suchen neues Zuhause

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Sucht ein neues Zuhause: Silke Sieckkötter und ihr Mann müssen mit den Tieren aus dem Bauernhaus ausziehen, weil ihnen gekündigt wurde. Nun suchen sie ein neues Zuhause. Foto: Kirsten MuckSucht ein neues Zuhause: Silke Sieckkötter und ihr Mann müssen mit den Tieren aus dem Bauernhaus ausziehen, weil ihnen gekündigt wurde. Nun suchen sie ein neues Zuhause. Foto: Kirsten Muck

Buer. Zwei Jahre lang haben Silke Sieckkötter und ihr Mann Andy vor Gericht um ihr Zuhause gekämpft. Sie wohnen zur Miete auf einem alten Bauernhof in Markendorf. Und mit ihnen leben dort noch etliche Tiere, die sie aus Schlachthöfen oder einfach von der Straße gerettet haben. Doch nun müssen sie raus.

Die Geschichte ist kompliziert. Als die gelernte Schneiderin mit ihrem Mann vor sechs Jahren den alten Hof in der Kellenbergstraße anmietete, war der Besitzer heilfroh, dass der Hof genutzt wird, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere auf dem Anwesen einziehen.

Privat finanzierter Gnadenhof

Mit Sieckkötters sind gleich mehrere Dutzend Tiere eingezogen. Denn die tierliebe Schneiderin und ihr Mann nehmen Tiere auf, die sonst im Schlachthof gelandet wären. Ihr Hof „Die Geretteten“ ist ein Gnadenhof. Sieckkötters finanzieren den Hof privat. Von Spenden kaufen sie das Futter für die Tiere. Manchmal kaufen sie mit dem Geld auch Tiere frei.

Gutes Verhältnis zum Vermieter

Das Verhältnis zu dem Landwirt und dessen Mutter, die im gleichen Ort auf einem größeren Hof leben, beschreibt Silke Sieckkötter als sehr gut. „Wir haben uns gut verstanden. Wir haben ihm oft geholfen, wenn Not am Mann war. Ich habe für seine Mutter eingekauft. Alles gut!“ erzählt sie.

Schwestern melden Anspruch an

Doch vor zwei Jahren änderte sich die Situation. Als Sieckkötters wegen Mängel am Gebäude den Vermieter baten, diese zu beheben, wurden Reparaturen und Instandsetzungen aus unerfindlichen Gründen immer hinausgezögert, erinnert sich Sieckkötter. Dann hätten zwei Geschwister des Vermieters Anspruch auf den Hof angemeldet, auf dem Sieckkötters leben. Seitdem habe es viel Streit gegeben. Und am 22. Januar dieses Jahres flatterte dann die Kündigung wegen Eigenbedarfs ins Haus.

Vor Gericht verloren

Geschockt war die Tierfreundin nicht. Sie hatte schon damit gerechnet. Ihr Anwalt hatte sie darauf vorbereitet, dass die Besitzer noch diesen Trumpf ziehen könnten. Armin Kossack, der Anwalt der Eigentümer, stellte jedoch in einem Gespräch mit der Redaktion klar, dass die Kündigung auf Eigenbedarf nicht aufgrund des Streits erfolgt sei. Vielmehr wolle eine Schwester des Landwirts mit ihrem Mann auf dem Hof einziehen, um sich um den pflegebedürftigen Bruder und die Mutter kümmern zu können. Sieckkötters klagten gegen den Rausschmiss. Doch sie haben verloren. Das Amtsgericht Osnabrück hat den Besitzern in der vergangenen Woche Recht gegeben. Nun überlegen Sieckkötters, in Berufung zu gehen.

Großfamilie mit Ziegen

Sollten sie das nicht tun, müssten sie innerhalb weniger Wochen ein neues Zuhause finden. Was für eine Familie ohne Tiere schon schwierig ist, scheint für ein Paar mit mehreren Tieren fast unmöglich zu sein. Im Moment zählt Silke Sieckkötter zehn Ziegen, zwei Ponys, 22 Katzen, zwei Hühner und drei Hunde zu ihrer Großfamilie.

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Seit fast einem Jahr schauen sich Sieckkötters unterschiedliche Höfe in der Region an. Erst am Tag des Interviews hatte die tierliebe Bueranerin noch einen Besichtigungstermin. „Es ist frustrierend. Da stehen Höfe leer, und wir dürfen mit den Tieren nicht dort einziehen. Wir brauchen auch gar keinen großen Hof. Zwei Hektar würden schon reichen“, sagt sie. Die Vermieter seien oft Landwirte, wollten aber auf ihren zu vermietenden Höfen keine Tiere dulden. „Das verstehe ich nicht. Wo sollen wir denn mit den Tieren hin, wenn nicht auf einen Bauernhof?“


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