Auf dem Weg zum Traumberuf Junger Afghane mit Meller Betrieb auf Montage

Von Marita Kammeier

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Melle. Der unbegleitete minderjährige Flüchtling Mustafa Sayed hat sein Praktikum bei Firma Kintscher in Melle-Riemsloh erfolgreich abgeschlossen. Der aus Afghanistan vor den Taliban geflüchtete 16-jährige Mustafa Sayed sucht nach Perspektiven in Deutschland. Betreuer, Lehrer und der Handwerksbetrieb Kintscher helfen ihm dabei.

Der aus Afghanistan vor den Taliban geflüchtete 16-jährige Mustafa Sayed sucht nach Perspektiven in Deutschland. Betreuer, Lehrer und der Handwerksbetrieb Kintscher helfen ihm dabei.

Mustafa Sayed kam im Januar zusammen mit seinem 14-jährigen Cousin aus Afghanistan. Dort herrscht seit 2001 Krieg. Das Leben im Dorf südlich von der Hauptstadt Kabul ist ebenso gefährlich wie der tägliche Weg zur zehn Kilometer entfernten Schule. Aber der Jugendliche kennt nichts anderes.

50 Tage unterwegs

„Ich lerne sehr gern und war oft traurig, weil die Lehrer nicht gekommen sind“, sagt Mustafa und zeigt stolz ein Foto seines großen Bruders, der als Polizist mit den deutschen Bundeswehr-Soldaten zusammenarbeitet. „Du hast nur eine Chance für ein besseres Leben“, erklärte Vater Sayed, und so machten sich die Zwei auf die lange 50 Tage dauernde Reise.

Über Iran, Irak, Türkei, Griechenland, Mazedonien führte der Weg auf der Balkan-Route nach Österreich und Deutschland. Sprechen kann Mustafa nicht über die Erlebnisse, weil ihm immer wieder die Stimme versagt und er tapfer versucht, die Tränen wegzublinzeln. Doch er schreibt alles auf, jeden einzelnen Tag.

Die deutsche Sprache war dem Afghanen ebenso fremd wie die Mentalität. Nur eines war ihm klar: „Hier darf ich lernen und vielleicht auch arbeiten.“ Über München und Hamburg landeten die beiden minderjährigen Flüchtlinge (UMF) in Riemsloh, wo sie jetzt in der Hünenburg wohnen.

„Ich bin das erste Mal in Sicherheit und sehr glücklich, weil ich viele freundliche Menschen kennengelernt habe“, erzählte Mustafa beim Interview in verständlichem Deutsch. Seit drei Monaten lernt er Deutsch in einer der drei Sprint-Klassen an der BBS. Dort gehört er zu den Besten, wie seine Lehrerin berichtet und soll demnächst die Realschule besuchen. „Anne-Marie, ich möchte in den Ferien arbeiten“, bat der Jugendliche. Seine Betreuerin überlegte, was zu tun sei und rief Uwe Strothmann an, einen der Geschäftsführer im Riemsloher Handwerksbetrieb Kintscher. Der Fachmann für Kälte- und Klimatechnik sagte zu, den Flüchtling für ein zweiwöchiges Praktikum mit auf Montage zu nehmen.

Sehr ehrgeizig

Also radelte der Schüler jeden Morgen zum Betrieb an der St. Annener Straße, wo das erfahrene Team um Punkt 7 Uhr die Fahrten zu den Kunden im Umkreis von 80 Kilometern startete. „Mustafa, gib mir bitte den Schraubenzieher“, hieß es dann. Der hatte zunächst Panik, weil er plötzlich kaum noch etwas verstand, wo er doch in der Schule so fleißig gelernt hatte.

Doch die freundlichen Kollegen motivierten den Jungen mit den Worten: „Du kannst das.“ Und so lernte der Afghane ganz neue Vokabeln wie Akku-Schrauber und Mechatroniker für Kältetechnik. Sein großer Wunsch lautet jetzt neben dem perfekten Erlernen der deutschen Sprache: eine Ausbildung im Handwerk.

Was sagt der Chef dazu? Uwe Strothmann kann sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen. „Mustafa ist sehr ehrgeizig und hat sich in das Team integriert. Wenn er in der Schule am Ball bleibt, sehe ich kein Problem.“


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