Reise in die Vergangenheit Meller Mopedfreaks erkunden deutsch-deutsche Grenze

Von Ferdinand Rietmann

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Melle. Ihr gemeinsames Hobby führte vier Meller an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Achim Patz, Ralf Mönkedieck, Ralph Spangenberg und Ferdinand Rietmann gingen auf Spurensuche und entdeckten Nachdenkliches und Interessantes zur Teilung Deutschlands.

Unser gemeinsames Hobby brachte uns vor Jahren zusammen: das Motorradfahren. Wir sind vier Meller, alle Mitglieder im Motorrad-Stammtisch in Wissingen, und alle offen für Neues. Inspiriert vom Schauspieler und Comedian Michael Kessler kam uns die Idee, genau wie er, die deutsch-deutsche Grenze zu erkunden. Kessler stieg in ein knallrotes Tuk-Tuk, eine Autorikscha mit Elektromotor. Wir stiegen auf unsere Motorräder.

Wir, das sind Achim Patz, Ralf Mönkedieck, Ralph Spangenberg und Ferdinand Rietmann. Wir fuhren mit unseren alten Mokicks (50 ccm) entlang der alten Grenze. Es ging uns nicht um „Ostalgie“. Wir wollten erfahren, wie es den Menschen mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall ergeht und was noch von der alten Grenze zu sehen ist.

Erste Tour schon 2015

Bereits im Jahre 2015 wurden die vier Mokicks auf einen PKW-Anhänger verladen und zur Gedenkstätte der Deutschen Teilung nach Marienborn gebracht. Von dort fuhren wir unsere erste Tour bis zur Grenzdokumentationsstätte in Lübeck-Schlutup an der Ostsee.

In diesem Jahr folgten wir der Grenze durch den Harz bis nach Eisenach. Wie bei Kessler, führte der Zufall die Regie. Die Fahrt sollte immer ereignisoffen sein. Nach Karte fuhren wir mit den Mopeds mal auf der West- und mal auf der Ostseite, immer auf der Suche nach der ehemaligen Grenze.

Oft wurden wir auf die alten Mopeds angesprochen. Drei Zündapps waren dabei, Baujahr 1965, 1968 und 1972, sowie eine Simson S51 aus dem Baujahr 1982. Schon so kamen wir schnell mit den Bürgern ins Gespräch. Dabei gab es immer wieder interessante Begegnungen und Entdeckungen.

Fast unüberwindbare Grenze

In der hessischen Stadt Bad Sooden-Allendorf besuchten wir die Gedenkstätte Grenzmuseum Schifflersgrund. Hier wurden wir daran erinnert, dass über vier Jahrzehnte eine fast unüberwindbare Grenze die Deutschen in West und Ost trennte. Diese waren Bestandteil des sogenannten „Eisernen Vorhangs“, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Beobachtungstürme, Stacheldraht, Streckmetall und Minen wurden auf 1378 Kilometern eingesetzt, um die Menschen aus der DDR daran zu hindern, in den Westen zu fliehen. Nach der friedlichen Revolution in der DDR hatte man versucht, die Grenzsperranlagen so schnell wie möglich zu beseitigen. Einige Bürger aus der hessischen Stadt Bad Sooden-Allendorf hatten aber die Idee, Teile der Grenzanlage zu sichern. Sie gründeten den Arbeitskreis Grenzinformation e.V.. Dieser kümmerte sich darum, dass der Beobachtungsturm BT-9 und etwa 1000 Meter Grenzzaun mit Kontrollstreifen und Kolonnenweg in ihrem Originalzustand erhalten blieben.

Original Grenzkontrollhäuschen

Am 3. Oktober 1991 wurde damit das Grenzmuseum Schifflersgrund eröffnet. Es ist eines der ältesten Grenzmuseen in der Bundesrepublik. In den nachfolgenden Jahren konnten weitere Ausstellungsstücke besorgt werden. Darunter befinden sich Original-Grenzkontrollhäuschen aus dem Frühjahr 1990 und eine Vielzahl an Fahrzeugen und Hubschraubern. Diese Technik wurde zur Grenzsicherung durch die Grenztruppen der DDR und den Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) benutzt. Das Museum stellt sich der Herausforderung, seinen vielen Gästen aus dem In- und Ausland, aber auch den vielen Schülergruppen einen umfassenden Überblick über das menschenverachtende System der Grenzsicherung der DDR zu geben.

Teilung hat Spuren hinterlassen

Wir Vier erlebten auch in diesem Jahr ein Wechselbad deutsch-deutscher Gefühle: heitere Zuversicht und herzliche Einigkeit, aber auch die Skepsis unverbesserlicher Betonköpfe. Denn die Teilung hat ihre Spuren hinterlassen.


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